Stephanie Borrmann im Depot der Städtischen Kunstsammlungen Salzgitter. Städtische Kunstsammlungen Salzgitter

5 Fragen an Stephanie Borrmann
Leiterin der Städtischen Kunstsammlungen Salzgitter prägt die Kunstszene

Stephanie Borrmann, Leiterin der Städtischen Kunstsammlungen Salzgitter, ist in der Region fest verwurzelt. Sie prägt und fördert mit ihrer Arbeit die regionale Kunstszene nachhaltig. 

Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Geschichte an der Technischen Universität Braunschweig arbeitete Stephanie Borrmann unter anderem im Herzog-Anton-Ulrich-Museum und im Braunschweigischen Landesmuseum, bevor sie 1999 in die Dienste der Stadt Salzgitter trat und seit 2001 dort die Leitung der Städtischen Kunstsammlungen inne hat.

Damit trägt sie die Verantwortung für die grafische Sammlung der Stadt zum Thema Arbeit, kuratiert und organisiert den Salon Salder – Neue Kunst aus Niedersachsen, betreut die Kleine Galerie im Tillyhaus sowie die Sammlung KUNSTüberall sowie Wechselausstellungen mit einzelnen Künstlerinnen oder Künstlern zu unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten.
 

Frau Borrmann, wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Mein Arbeitsalltag ist stark davon abhängig, in welcher Phase des Ausstellungsjahres wir uns gerade befinden – ob in der konzeptionellen Vorbereitung oder unmittelbar vor einer Ausstellung. Grundsätzlich beginnt der Tag mit der Sichtung von E-Mails und dem Terminkalender.

Im Jahresverlauf werden in der Regel eine Wechselausstellung sowie eine Ausstellung aus dem Bestand der eigenen Sammlung „Arbeitswelt“ realisiert. Diese Projekte müssen konzeptionell, inhaltlich und organisatorisch vorbereitet und umgesetzt werden. Die Sammlung ist inventarisiert, wird jedoch kontinuierlich wissenschaftlich aufgearbeitet, um jederzeit ausstellungsfähig zu sein. Einen Sammlungskatalog würde ich gerne noch realisieren. Regelmäßig werden Werke der Sammlung in der Ausstellungsreihe „Erinnerung der Arbeit“ zu wechselnden Themen präsentiert. 

Das Tagesgeschäft umfasst Anfragen von Museumsbesucherinnen und -besuchern, fachliche Rückfragen sowie Tausch- und Leihanfragen mit anderen Institutionen. Ein weiterer zentraler Aufgabenbereich ist die Öffentlichkeitsarbeit. Dazu zählen die Erstellung von Katalogen, Vorträgen sowie ein breit gefächertes museumspädagogisches Programm. Mit Führungen, Workshops, Konzerten, Lesungen und Künstlergesprächen verstehen sich die Städtischen Kunstsammlungen Salzgitter als Ort des Diskurses. Das museumspädagogische Begleitprogramm erarbeiten meine Kolleginnen und ich im Team. Die Ausstellungen bereite ich mit einer meiner Kolleginnen vor. Das fängt bei der Begutachtung meiner Auswahl von Werken an und endet beim gemeinsamen Hängen der Ausstellung. 
 

Stephanie Borrmann vor dem Werk „Die Einfahrt“ von Edward B. Gordon, der in 2025 eine große Einzelausstellung in Salzgitter präsentierte. Städtische Kunstsammlungen Salzgitter
Stephanie Borrmann vor dem Werk „Die Einfahrt“ von Edward B. Gordon, der in 2025 eine große Einzelausstellung in Salzgitter präsentierte.

Sie kuratieren den Salon Salder seit 2001. Welche Bedeutung hat diese Ausstellung für die Region?

Der Salon Salder ist eine zentrale Plattform für zeitgenössische Kunst in Niedersachsen und darüber hinaus. Er stärkt die regionale Kunstszene, macht aktuelle künstlerische Positionen sichtbar und trägt maßgeblich zur kulturellen Attraktivität der Region bei – sowohl für die hier lebenden Menschen als auch für Gäste von außerhalb. Der Salon ist ein fester Anlaufpunkt für Kunst in der Region. Zeitgenössische Kunst aus Niedersachsen ist eng mit dem Namen Salder verbunden. Ein breites Vermittlungsprogramm richtet sich an alle Altersgruppen – vom Kindergartenkind bis zum Erwachsenen. Durch die Verbindung von bildender Kunst mit anderen künstlerischen Disziplinen wie Literatur und Musik möchten wir den Zugang zur Kunst für jeden erweitern und andere Perspektiven und Sichtweisen ermöglichen. 
 

Enge Kontakte zu den Künstlern: Während des Salon Salder 2025 mit der Künstlerin FRANEK vor ihrem Werk „Ist hier ein Nashorn im Raum?“ Städtische Kunstsammlungen Salzgitter
Enge Kontakte zu den Künstlern: Während des Salon Salder 2025 mit der Künstlerin FRANEK vor ihrem Werk „Ist hier ein Nashorn im Raum?“

Kann oder muss man einem Format wie dem Salon Salder eine persönliche Handschrift geben?

Im Jahr 2001 habe ich meinen ersten Salon kuratiert, als ich dieses Format von meinem Vorgänger Alexander Baier übernommen habe. Die Fußstapfen waren groß. Mein festes Ziel war es, den Salon erfolgreich weiterzuführen. Schnell wurde er zu einer Herzensangelegenheit für mich. In diesem Format kommen viele Ebenen zusammen: die Förderung niedersächsischer Künstlerinnen und Künstler, die Vermittlung zeitgenössischer Kunst sowie die Repräsentation der Stadt Salzgitter. Im Laufe der Jahre habe ich den Salon inhaltlich und formal weiterentwickelt – von der Gleichgewichtung der künstlerischen Gattungen bis hin zu thematischen Ausstellungen und der Integration literarischer Arbeiten. Gerne möchte ich die Idee des Salons – das Zusammenspiel aller musischen Bereiche – noch weiter ausbauen. 
 

"Jeder Salon ist für mich ein Highlight. Jeder ist anders, geprägt von unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Konstellationen. Jeder Salon besitzt seine eigene Dynamik und Besonderheit. Aus jedem Jahr ließen sich besondere Geschichten erzählen. So geht es mir allerdings mit jeder Ausstellung, die ich mache, eine jede soll besonders sein."

Stephanie Borrmann über den "Salon Salder"

Welche Rolle spielen Netzwerke in Ihrer Arbeit?

Netzwerke spielen eine wesentliche Rolle. Mein größtes und zugleich wichtigstes Netzwerk sind die Künstlerinnen und Künstler selbst, von denen mich einige über mein gesamtes Berufsleben hinweg begleiten.

Darüber hinaus besteht in der Region durch die Braunschweigische Landschaft ein sehr gut funktionierendes kulturelles Netzwerk. Die Städtischen Kunstsammlungen sind Mitglied der Arbeitsgruppe Kunst und mit den Galerien der anderen Kommunen sowie der künstlerischen Vereinigungen eng vernetzt. Daraus entstehen regelmäßig gemeinsame Projekte zur Stärkung von Kunst und Kultur in der Region.

Haben Sie das Netzwerken auch in Ihr persönliches Leben integriert?

Wenn man im kulturellen Bereich arbeitet, kommt es zwangsläufig zu einer Vermischung von beruflichen und privaten Netzwerken. Mein privates Netzwerk besteht vor allem aus meiner Familie und meinen Freunden, die mir Rückhalt geben und für die ich sehr dankbar bin. Einige meiner Freunde sind Künstlerinnen und Künstler. Mit ihnen kann ich mich über meine Arbeit austauschen, Ideen diskutieren, Zweifel reflektieren oder neue Perspektiven entwickeln – ebenso wie einfach gemeinsame Zeit jenseits des Berufsalltags zu genießen.