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KuFa-Haus, "Randaleure", Braunschweig KuFa

Musik, Kunst und Kultur verbinden
Miteinander wachsen in regionalen Netzwerken

Soziokulturelle Zentren sind Orte der Begegnung. Hier trifft man sich, um gemeinsam Musik zu machen und zu hören, zu politischen Diskussionen, Workshops – und immer auch zum Netzwerken. Das Miteinander, die Gemeinschaft und nicht zuletzt die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, stehen im Fokus. Autorin Inga Stang stellt drei soziokulturelle Zentren in Braunschweig vor. 

Die soziokulturellen Zentren Nexus, B58 und das KufA Haus sind die Hotspots der regionalen Musik und Subkultur. Seit Jahren bieten sie lokalen Künstler/-innen ein Zuhause und holen Acts in die Region, die für viele kommerzielle Veranstalter eher unattraktiv sind. Organisiert sind die Konzerte überwiegend ehrenamtlich. Wer Lust hat, aktiv Kultur mitzugestalten, findet hier vielfältige Möglichkeiten zur Teilhabe und Gemeinschaft, bei der das Miteinander an erster Stelle steht. 

Das KufA Haus – ein Ort voller Facetten 

Das KufA Haus ist das jüngste und gleichzeitig größte soziokulturelle Zentrum Braunschweigs. Zwar begann der Trägerverein KufA e.V. bereits 2002 nach Schließung des damaligen FBZ, nach einer neuen Location für Konzerte mit bis zu 300 Personen zu suchen, doch sollte es viele Jahre dauern, bis ein passendes Objekt gefunden war. Schließlich einigte sich der Verein mit der Westand GmbH sowie der Stadt Braunschweig und durfte 2019 in den Neubau am Westbahnhof ziehen. Das Projekt wird bis heute von der Stadt Braunschweig gefördert, damit Gruppenräume und Konzertsaal kostengünstig für Vereine, Initiativen sowie Künstler- und Musiker/-innen zur Verfügung gestellt werden können. 

KuFa Konzert Restorchester KuFa
KuFa, Konzert KuFa
KuFa Braunschweig, Kunstausstellung KuFa
KuFa-Haus, "Randaleure", Braunschweig KuFa
KuFa Konzert Restorchester KuFa
KuFa, Konzert KuFa
KuFa Braunschweig, Kunstausstellung KuFa
KuFa-Haus, "Randaleure", Braunschweig KuFa

Diverse Gruppen von Sport bis Kunst sind im Haus untergebracht und treffen sich jeden Donnerstag zum Austausch bei Getränken im KufA Bistro. An diesem Tag sind auch Neulinge herzlich willkommen, die vielfältigen Aktionsmöglichkeiten im KufA Haus kennenzulernen und das Richtige für sich zu finden. Um mehr als 15 Veranstaltungen pro Monat realisieren zu können, kann sich der Verein jedoch nicht nur aufs Ehrenamt verlassen. Bisher kümmerten sich deshalb primär Geschäftsleitung und Vorstand um die Akquise und Organisation von Konzerten. Im kommenden Jahr soll diese Struktur erstmals gelockert werden, damit auch Ehrenamtliche sich noch stärker aktiv in das Musikprogramm einbringen können. 

KuFa Sommerfest 2025, Braunschweig KuFa
Das Sommerfest 2025 wurde komplett ehrenamtlich organisiert. Ein Konzept, dass künftig noch häufiger zum Tragen kommen soll.

Das Nexus – vom besetzten Haus zum selbstverwalteten (Sub-)Kulturprojekt  

An der Frankfurter Straße, zwischen Teutloff und Alba, ist das Nexus beheimatet. Während heute an den Wochenenden meist laute Musik die Räume des Hauses erfüllt, war das Gebäude bis in die siebziger Jahre in der Hand der Hugo-Luther-Werke. 1979 musste der Betrieb Konkurs anmelden und das Industriegebäude stand leer. 

Nachdem Anfang der Achtziger ein Versuch der HBK, dort Ateliers einzurichten, gescheitert war, wurde der Leerstand 1993 besetzt, saniert und in einen Kulturbetrieb verwandelt. Nach vielen Jahren des Kräftemessens einigte sich der Trägerverein „Zur Förderung unabhängiger Kultur“ 1999 schließlich mit der Stadt Braunschweig auf einen Nutzungsvertrag so, dass das Nexus 2005 offiziell eröffnet werden konnte.

Um die 100 Leute sind heute ehrenamtlich im Nexus tätig und kümmern sich von der Instandhaltung des Hauses bis zum Programm um alles, was bei einem selbstverwalteten Kulturort so anfällt. Rund vier bis fünf Events pro Monat werden vom Team organisiert und ziehen überregionale Bands und Künstler/-innen in die Löwenstadt. Doch auch wenn im Nexus mal keine öffentlichen Events stattfinden, klingt und summt es durch das Gebäude. Drei Proberäume für Bands sind im Keller untergebracht, während der Veranstaltungssaal für Chorproben, Theatergruppen und mehr genutzt wird. 

Das B58 – Home of local Music

Das B58 ist ein Kinder- und Jugendzentrum der Stadt Braunschweig mit dem Schwerpunkt Musik und Jugendkultur. Seinen Namen trägt das Zentrum aufgrund seiner Adresse am Bültenweg 58 in Braunschweigs Nordstadt. Junge Menschen, die selber Musik machen, finden vor Ort nicht nur insgesamt zehn Musikübungsräume, sondern auch niedrigschwellige Auftrittsmöglichkeiten zum Beispiel bei der Open Stage oder im Vorprogramm größerer Acts. 

Viele Namen der lokalen Musikszene haben hier ihre ersten Schritte auf dem Weg zu bekannten Live Acts gewagt, wie die Skaband “Loudog”, die Hardcore Truppe von “a Traitor like Judas” oder die “Forkupines”. Auch heute noch sind diverse Nachwuchsbands in der Musikeretage unter dem Dach des Hauses anzutreffen und nutzen die Möglichkeit, selbst Konzerte zu organisieren. Das Spielen eines Instruments ist jedoch keine Pflicht um mitzumachen: Alle Musik- und Kulturbegeisterten jungen Menschen sind willkommen und können sich in der Programmplanung ganz nach musikalischer Vorliebe austoben. 

B58, Braunschweig Frank Tobian
Das B58 ist eine der wichtigsten Institutionen für Nachwuchsmusiker/-innen in der Region.

Voneinander und Miteinander lernen 

Voraussetzung, um im B58 Konzertabende mitzugestalten, ist das Engagement im Jugendkulturverein. Dieser kümmert sich ehrenamtlich um Theke, Kasse sowie Booking und Bewerbung von Konzertabenden und ist bereits seit 30 Jahren fester Partner der Kinder- und Jugendeinrichtung. 

„Wir arbeiten sehr eng mit dem Verein zusammen, um die Geschehnisse im Hause zu organisieren und um die in dem Verein Tätigen auch praktisch zu beraten, ihnen den Rücken freizuhalten, die gemeinsamen Veranstaltungen zu reflektieren und die Events vielleicht auch strategisch auf aktuelle Fragestellungen auszurichten“, erläutert Leiter Frank Tobian die Organisationsstruktur. 

Da sich das B58 schwerpunktmäßig an junge Menschen bis 27 richtet, sind stetig wechselnde Teambesetzungen im Jugendkulturverein nicht selten. „Natürlich gibt es immer so Zeiten, wo Leute ihr Studium beenden und in andere Städte ziehen. Dann kriege ich so meine schlaflosen Nächte“, erzählt Frank Tobian lachend. 

Frank Tobian, B58, Braunschweig Frank Tobian
Frank Tobian ist seit vielen Jahren Leiter des B58 und hat viele aufstrebende Bands vom Proberaum auf die Bühne steigen sehen.

Im Nexus spielt das Alter keine Rolle: „Wir haben mit der Zeit mehrere Generationenwechsel irgendwie hinbekommen“, erinnert sich Konstantin Prael, der selbst seit vielen Jahren im Haus aktiv ist. Im wöchentlichen Plenum, in welchem die Gruppe Programm und Aufgaben koordiniert, trifft sich regelmäßig ein bunter Mix aus verschiedenen Alters- und Erfahrungsgruppen: „Es gibt immer was zu tun und jeder, der irgendwie Lust hat reinzuschnuppern, kann zum Plenum kommen, sich vorstellen und teilhaben. Wir nehmen neue Leute auch ein wenig an die Hand und wollen dazu befähigen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Wir haben ja auch mal alles von anderen Leuten gelernt und uns das gemeinsam beigebracht.“ 

Eine ähnliche Struktur möchte auch das KufA Haus etablieren: „Unser neuer Vorstand setzt sich Anfang des Jahres verstärkt damit auseinander, wie wir den ehrenamtlichen Bereich ausbauen können, damit wir noch mehr neue Leute und Initiativen haben, die selbst etwas mit einbringen möchten. Wir würden uns zum Beispiel freuen, viel stärker regionale Künstler oder Künstlerinnen zu fördern“, erklärt Jürgen May, seit Frühjahr 2025 zweiter Geschäftsführer im KufA Haus und intensiv an der Umstrukturierung des Vereins beteiligt. Eine Ausnahme von der Regel war bereits das KufA Sommerfest 2025, das von den Gruppen im Haus komplett ehrenamtlich organisiert wurde. Jürgen May schwärmt: „Es ist immer sehr spannend zu sehen, wie die Leute ihre eigenen Fähigkeiten mit einbringen und sich durch eine Veranstaltung oder auch sowas wie eine Tanzgruppe in einem gewissen Rahmen selbst verwirklichen können.“  

KuFa, Sommerfest KuFa
Impression: KuFa-Sommerfest.

Mehr als nur Musik 

Alle drei Kulturzentren bieten neben Konzerten noch viele weitere, überwiegend kostenfreie Veranstaltungen an. Im KufA Haus werden zum Beispiel regelmäßig kostenfreie Kunstausstellungen und Konzerte geboten, während in B58 und Nexus der Fokus häufig bei Angeboten rund um politische Bildung liegt. „Wir versuchen, bei uns oft antirassistische Projekte zu fördern, Projekte, wo Menschen etwas über Diversität und Teilhabe erfahren können. Kulturelle Veranstaltungen, die auch empowern“, erzählt Frank Tobian. 

Nexus Braunschweig Nexus
Heute ist das Nexus einer der wichtigsten subkulturellen Orte der Stadt, der sich selbst als linken Freiraum versteht.

Im Nexus gehören politische Angebote wie Workshops oder Orgatreffen zum gemeinsamen Demoschilder Basteln schon aufgrund der Geschichte des Hauses zum festen Programm dazu. „Politische Veranstaltungen haben im Zweifel bei uns immer Vorrang vor einer Kulturveranstaltung, weil es halt einfach weniger Räume dafür gibt und Konzerte theoretisch an mehreren Orten stattfinden könnten“, so Konstantin Prael. Umso wichtiger sei es, sich mit den Werten des Kollektivs auseinander zu setzen, bevor man als Teammitglied in die ehrenamtliche Arbeit einsteigt. 

Räume des Miteinander 

Egal ob politisches Event, Konzert oder Lesung: Das eigentliche Ziel aller drei Zentren ist es, Menschen auf Augenhöhe zusammenzubringen. 

"Wir möchten in erster Linie Menschen durch Musik, Kunst und Kultur verbinden.“

Jürgen May

„Dass Personen hier Gemeinsamkeiten durch ihr Interesse an der kulturellen Entwicklung und der Förderung der kulturellen Vielfalt entdecken. Erst durch die Gemeinschaft und durch das soziokulturelle Miteinander können neue Ideen erwachsen und sich fortsetzen“, so May weiter. Auch Frank Tobian teilt diese Sichtweise: „Ich finde es wichtig, dass in Zeiten wie diesen sozio- und subkulturelle Zentren erhalten bleiben, da sie niedrigschwellige Orte sind, wo Menschen sich begegnen und etwas gemeinsam machen können.“ Konstantin Prael sieht in der ehrenamtlichen Kulturarbeit darüber hinaus auch ein Vehikel gegen das Gefühl der Machtlosigkeit in Zeiten weltweiter Konflikte: „Man kann auch mit einer Kneipe, die irgendwie kreativ geplant ist oder auch einfach nur bei einer Theken-Schicht, die ermöglicht, dass eine Veranstaltung stattfindet, Leuten was Gutes tun und Menschen aus dem Alltag herausholen. Da merkt man, was man als Team schaffen kann. Da bleibt kein Platz für Egoismus oder Ellenbogengesellschaft.“