Um jungen Menschen eine Stimme und Mitspracherechte zu geben, wurde 2024 das Jugendbüro in Braunschweig gegründet. Hier werden verschiedene Projekte betreut, u.a. das Jugendparlament, in denen sich junge Menschen aktiv für ihre Rechte und Interessen einsetzen können.
- Leben & Freizeit
- Soziales Miteinander
- Das Jugendbüro in Braunschweig
Ein Megaphon für junge Stimmen
Wie sich unter dem Jugendbüro Braunschweig junge Leute politisch engagieren können.
Junge Menschen wachsen heute mit Krisen auf, deren Folgen ihre Zukunft prägen werden: Klimawandel, Kriege und eine zunehmend polarisierte Gesellschaft. Gleichzeitig werden viele der politischen Entscheidungen darüber von älteren Generationen getroffen. Kein Wunder also, dass sich viele Jugendliche nicht gehört und politischen Entscheidungen machtlos ausgeliefert fühlen. Um ihnen eine Stimme und Mitspracherecht zu geben, wurde 2024 das Jugendbüro in Braunschweig gegründet.
Von der Schulbank in die Stadtpolitik
Zentral gelegen in der historischen Oberpostdirektion an der Friedrich-Wilhelm-Straße, wird das Büro von sechs Sozialarbeitenden hauptamtlich betreut. Jeder Person obliegt ein anderes Schwerpunktthema, unter dessen Titel sich verschiedene Projekte sammeln. Eines davon ist das Jugendparlament (JuPa), betreut von Lotte Ziel. Die 33-jährige begleitet das eigenständig arbeitende Jugendparlament bei seinen Sitzungen und hilft bei Verwaltungsaufgaben rund um Finanzen und Koordination. Im Parlament sitzen 19 Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die sich in Ausschüssen der Stadt für die Belange junger Menschen einbringen. „Einer unserer Aufträge ist es, Demokratie zu fördern und den Jugendlichen zu zeigen, dass sie nicht den politischen Entwicklungen machtlos ausgeliefert sind, sondern die Möglichkeit haben sich einzubringen“, erklärt Lotte Ziel.
Zukunftsweisende Fähigkeiten vermitteln
Unterstützt wird sie während der JuPa Sitzungen von ihrer Kollegin Rebecca Schlißke, die bereits seit zwei Jahren im Jugendbüro hauptamtlich Projekte rund das Thema digitale Jugendbeteiligung leitet. Hierzu gehören zum Beispiel Workshops für Schulklassen, um den Kindern Medienkompetenz im Umgang mit digitalen Tools für den Schulalltag näherzubringen. Daneben gestaltet Rebecca Schlißke monatlich wechselnde Angebote, die sich an gesellschaftlichen und politischen Themen wie Wahlen, Nachhaltigkeit oder Antirassismus orientieren: „Unser Wunsch ist es eigentlich, dass die Themen von den jungen Menschen selbst kommen, damit wir etwas erarbeiten, das sie auch interessiert. Darauf aufbauend gestalten wir dann ganz niedrigschwellige Angebote, wo man einfach spontan vorbeikommt, ohne Anmeldung, ohne Kosten, und sich an das Thema herantasten kann.“ Ziel der Angebote, erklärt die junge Sozialpädagogin, sei es, den Jugendlichen das Handwerkszeug für eine kritische Meinungsbildung mitzugeben. Eine Fähigkeit, die insbesondere in Hinblick auf einen Anstieg an Desinformationen durch KI-generierten Content immer wichtiger wird.
Persönlichkeiten stärken
Neben Weiterbildung und Beteiligung ist auch Chancengleichheit ein wichtiges Anliegen des Jugendbüros. Hierunter fällt zum Beispiel das Format „Discover EU Inclusion", in welchem jungen Menschen mit geringeren Chancen im Alter von 18 bis 21 Jahren dabei geholfen wird, per Interrail Europa zu entdecken. Die Planung übernehmen die Jugendlichen selbst und lernen so ganz nebenbei, sich selbst zu organisieren. Unterstützung erhalten sie hierbei von der Sozialarbeiterin Lea Berkmann. Die 24-jährige macht ihr Berufsanerkennungsjahr im Jugendbüro im Themenbereich „internationale Jugendarbeit“ und möchte durch ihre Arbeit den Jugendlichen dabei helfen, ihre Persönlichkeit zu stärken: „Das passiert bei allen unseren Aufgaben, die wir hier im Jugendbüro machen, aber ich bekomme das auch ganz spezifisch bei Discover EU zurückgespiegelt. Da kriege ich manchmal direkt die Rückmeldung, dass sich die Jugendlichen viel selbstbewusster oder irgendwie sicherer als Person fühlen.“
Eine Beobachtung, die auch die anderen Mitarbeitenden des Jugendbüros teilen. „Jetzt gerade so beim Jugendparlament kriegt man das ganz hautnah mit“, ergänzt Lotte Ziel. Einige der Jugendlichen der letzten und aktuellen JuPa Periode haben bei der Kommunalwahl für den Stadtrat kandidiert: „Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie engagiert die jungen Menschen sind, wie gut informiert, wie souverän sie dastehen und ihre Meinung vertreten. Das finde ich sehr inspirierend.“ Eine Inspiration, die sich auch positiv auf ihr Privatleben auswirkt, erzählen die drei Sozialarbeiterinnen: „Die aktuellen globalen politischen Situationen können sehr frustrierend und belastend sein. Dann zu sehen, dass in dieser Generation so viele Menschen sind, die etwas gegen diese negativen Entwicklungen machen wollen und das nicht einfach so hinnehmen, ist sehr schön und auch für unsere Arbeit super sinnstiftend“, berichtet zum Beispiel Rebecca Schlißke.
Inga Stang
Mitbestimmung für alle
Doch um eine Zukunft zu gestalten, die auch wirklich für alle lebenswert ist, sei es wichtig, ein möglichst diverses Abbild der Wünsche und Bedürfnisse der jungen Menschen Braunschweigs zu bekommen. Dafür gingen manche Projekte aus dem Themenbereich „Kinder- und Jugendbeteiligung“ direkt in die verschiedenen Wohnviertel der Stadt, um dort mit Schulen und Jugendzentren zusammen zu schauen, wie man die Jugendlichen aktiver in gesellschaftspolitische Fragen einbinden kann. Auf diesem Weg wurde zum Beispiel erst 2026 eine große Jugendkonferenz in der Weststadt unter dem Motto „Sprich West! – Mitreden statt meckern“ organisiert. Im Themenbereich „Spielplatzangelegenheiten“ werden sogar ganz direkt Wünsche der anwohnenden Jugendlichen und Kinder in die Planungen für neue Spielplätze eingebunden und nach Möglichkeit realisiert.
„Es ist einfach wichtig, ganz viele verschiedene Meinungen einzuholen und nicht nur die von eher privilegierten jungen Menschen, die häufig bereits wissen, wie man sich einbringt. Wir wollen daher versuchen, eine möglichst große Bandbreite von jungen Menschen mit verschiedenen Hintergründen zu erreichen, weil die Lebensrealitäten sehr unterschiedlich sein können“, erklärt Lea Berkmann. Wer auf diesem Weg bereits in jungen Jahren Selbstwirksamkeit und demokratische Prinzipien kennenlernt, sei dafür gewappnet, sich auch in Zukunft stärker für die Gemeinschaft und dessen Wohl einzusetzen. In den Händen dieser jungen Menschen, so die Mitarbeitenden des Jugendbüros, ist unsere Zukunft auf jeden Fall sicher.
Inga Stang