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Beim Bildhauer-Workshop wird der Stein mit der Hand bearbeitet. Rainer Scheer

Den Kopf frei bekommen
Drei Strategien zum wirkungsvollen Stressabbau

Zur Bewältigung von Stresssymptomen wird heute sehr erfolgreich auf Bewegung, Entspannung, gesundes Essen und ausreichend Schlaf gesetzt. Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Strategien, die den Kopf frei machen und uns einfach gut tun. Wir haben uns einige davon angeschaut.

Darum ist Stressabbau wichtig für gutes Wohlbefinden

Dauerhafter Stress, vor allem, wenn wir ihn als negativ empfinden, kann unsere Gesundheit beeinträchtigen. Wir werden anfälliger für Krankheiten, langfristig können sogar verstärkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Beschwerden im Verdauungstrakt und psychische Störungen auftreten. Zunächst einmal beeinträchtigt zu viel Stress aber generell unsere Leistungsfähigkeit, unser soziales Miteinander und unser Wohlbefinden. 

Kreativ sein hilft beim Abbau von Stress. Milena Ruhr
Kreativ sein hilft beim Abbau von Stress.

Kreativ werden und in den Flow kommen

Wer schon einmal das Gefühl hatte, in einer Tätigkeit völlig aufzugehen und dabei in einen „fließenden“, rauschartigen mentalen Zustand gekommen ist, wird das verbreitete Phänomen des kreativen „Flows“ erlebt haben. Oft sprechen Künstlerinnen und Künstler davon, diesen Zustand zu erleben. Aber auch handwerkliche Tätigkeiten können ihn hervorrufen. Wer nicht allein zuhause aktiv werden möchte, kann in der Region auf ein breites Angebot an Kreativkursen zurückgreifen. Malerei, Töpfern oder Bildhauern - die eigene Komfortzone mal zu verlassen, wirkt sich positiv auf Geist und Körper aus. 

Der Bildhauer Rainer Scheer bietet in seiner Werkstatt in Wolfsburg Steinbildhauer-Workshops an und hat auch den „Flow“-Zustand schon erlebt: „Freilich lässt sich dieser Zustand nicht erzwingen, sondern kann nur über die richtigen Rahmenbedingungen ermöglicht werden: unterbrechungsfreies, konzentriertes Arbeiten ohne starken Zeitdruck über mehrere Stunden.“

Scheer hat seine Arbeit so eingerichtet, dass diese Rahmenbedingungen möglichst häufig erfüllt werden: Ein gleichmäßiger Tagesablauf, die Löschung aller Social-Media-Accounts und das Abschalten aller Benachrichtigungen auf dem Smartphone haben ihm dabei geholfen. „So bin ich nicht nur produktiver, sondern vor allem insgesamt zufriedener - Flow inklusive“, sagt er.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen schon mit einer gewissen Vorfreude in seine Kurse, sind dann aber doch positiv überrascht, wie viel sie an einem Tag erreichen. Zufrieden sind in der Regel alle nach jedem Tag an ihrem Werk, denn es ist ja gerade die Erfahrung der Selbstwirksamkeit, der Kontrolle und eines greifbaren Ergebnisses, die zufrieden macht. Das wirkt gegen Stress und depressive Stimmung, ähnlich wie Sport. „Und natürlich sorge ich für eine gute Stimmung und gebe so viel Hilfestellung wie notwendig, damit jeder einzelne in seinem Tempo arbeiten kann“, so Scheer.

Digital Detox - Von der Couch direkt zum Tatort

Digitale Medien sind in unserem Alltag stets präsent. Für das Gehirn bedeutet die permanente Berieselung eine Anstrengung. Es braucht auch Ruhephasen, um Informationen und Eindrücke verarbeiten zu können oder auch Unnützes zu löschen. Fehlt diese Möglichkeit der Regeneration, fühlen wir uns gestresst. Die Lösung kann dann „Digital Detox“ heißen, also ein bewusster Verzicht auf alle digitalen Medien. 

Besonders im Trend sind Wanderungen nach speziellen Kriterien wie Urban Hiking (Stadtwandern) bis hin zum Pilgern. Aber auch ein Buch bietet viel Potential, gedanklich in eine andere Welt abzutauchen. In der Region leben gleich mehrere Autoren der so beliebten Regional- oder Lokal-Krimis. Nach der Lektüre in die Fußstapfen der Ermittler zu treten und die „Tatorte“ aufzusuchen, lässt das Gelesene nochmal besonders lebhaft vor Augen treten.

Digital Detox heißt auch, wieder mehr Berührungspunkte mit der realen Welt zu haben.  Zusammen mit Freunden oder Familienmitgliedern auf Spurensuche zu gehen, kann uns wieder erden. Warum also nicht mal dem jungen Juristen Konrad von Velten aus Susanne Ganterts historischen Regionalkrimis durch die mittelalterlichen Wälder Wolfenbüttels oder quer durch das Braunschweiger Land zu folgen? Oder mit den Protagonisten des Braunschweiger Autors Hardy Crueger in die Abgründe entlang der Oker eintauchen und mit Beate Winters Kommissar Frommelt die vermeintliche Idylle des dörflichen Umlands von Gifhorns zu entlarven? Ist erst einmal die Fantasie geweckt, fehlt der Reiz der digitalen Medien sicher nicht mehr.

Alles im Rhythmus – Warum uns Bewegung zu Musik so gut tut

Musik macht gute Laune. Wer kennt das Gefühl nicht: Wenn wir mitreißende Mucke hören, hebt sich automatisch die Stimmung und es zuckt uns in den Füßen. Diesen Effekt nutzt Oana Mranyo-Vlah Tag für Tag in ihrem kleinen Studio in Helmstedt. Die Gruppenfitnesstrainerin bietet beispielsweise Zumba, Krafttraining, funktionelles Training und gemeinsam mit ihrem Mann Alex Salsa-Kurse an. 

Ganz egal, was auf dem Programm steht: Die Musik bestimmt den Rhythmus. Sie gibt den Takt vor und ersetzt stumpfes Zählen. Wer sich jemals alleine im Fitnesscenter mit den Gewichten gequält hat, weiß das besonders zu schätzen. „Die Tanz-Fitness-Revolution hat eigentlich mit Zumba begonnen. Dieser Kurs hat unser Verständnis für Workout für immer verändert“, berichtet Oana.

Oana Mranyo-Vlah Oana Mranyo-Vlah
Gruppenfitnesstrainerin Oana kennt die gesundheitsfördernde Wirkung mitreißender Musik.

Bei „Happy You by Oana“ empfinden die Teilnehmer/-innen das gemeinsame Workout nicht mehr als solches. „Man fühlt sich eher wie auf einer Tanz-Fitness-Party“, schmunzelt Oana. In ihren Gruppenfitness-Kursen kombiniert sie Bewegungen mit niedriger und hoher Intensität zu einem kalorienverbrennenden Intervalltraining. 
 

Oana Mranyo-Vlah

„Wenn dich die Rhythmen erst mal gepackt haben, wirst du verstehen, warum beispielsweise Zumba überhaupt nicht als Workout wahrgenommen wird.“

Oana Mranyo-Vlah, Fitnesstrainerin und Gründerin von "Happy You by Oana"

Doch warum tut uns rhythmische Bewegung zur Musik so gut? Es ist bekannt, dass beim Sport die Glückshormone Dopamin und Endorphin ausgeschüttet werden. Kommt dann noch Musik hinzu, ergibt sich ein weiterer positiver Effekt für unsere Gesundheit: Wissenschaftler haben festgestellt, dass Musik das Stresshormon Cortisol reduzieren kann. Und so gilt Tanzen sogar als Heilmittel gegen Depressionen und andere psychische Beschwerden. Die rhythmische Bewegung zu fröhlicher, schneller Musik steigert einer Studie zufolge schon nach wenigen Minuten Wohlbefinden, Energie und mentale Stärke. Wenn das kein Grund ist, wieder einmal die oder den Liebste/-n zu schnappen und das Tanzbein zu schwingen! Oder gleich einen Fitnesskurs mit Oana zu belegen ...