Netzwerken der besonderen Art: Das Stratum 0 in Braunschweig ist Treffpunkt für alle, die nicht nur nach einer Werkstatt, sondern nach einer Community von Gleichgesinnten suchen - ganz gleich ob zum gemeinsamen Coden, zum Häkeln oder einfach nur, um zusammen abzuhängen.
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Stratum 0 - Treffpunkt und Community für Macher*innen
Netzwerken in "Braunschweigs Wohnzimmer" für Bastler, kreative Köpfe und Tech-Enthusiasten
Lars Andresen ist seit vielen Jahren aktives Mitglied im Trägerverein „Stratum 0 e.V.“ und hat hautnah miterlebt, wie der Verein von einem kleinen Projekt zu einem der wichtigsten Adressen für Macher*innen in der Region geworden ist. Initiiert wurde das Projekt 2011 im Umfeld von Informatikstudierenden der Technischen Universität Braunschweig: „Das Konzept Hackerspace kannte man schon, aber es gab sowas noch nicht in Braunschweig", erinnert sich Lars Andresen. „Im Mai trafen sich dann die ersten 42 Leute im damaligen Café Dialog und bei der Menschenmenge war klar, dass etwas passieren muss.“ Kurzerhand wurde eine Satzung geschrieben, der Verein gegründet und bereits sieben Monate später, im Frühjahr 2012, die ersten Werkstatträume im Braunschweiger Schimmelhof bezogen.
Stratum 0
Alles, was das Macher*innen-Herz begehrt
Die 63 Quadratmeter wurden dem Verein jedoch schnell zu klein. Immer mehr Leute wollten mitmachen, die modernen Maschinen kennenlernen und sich mit den Besonderheiten der Technik vertraut machen: „Damals waren 3D-Drucker zum Beispiel noch nicht so verbreitet. Das war dann eins der ersten Geräte, die wir hatten.“ Nur zwei Jahre später vergrößerte sich das Stratum 0 daher auf 145 Quadratmeter. Letztes Jahr wurden weitere 90 dazu gemietet und der Space so um neue Workshopräume, eine Metall- sowie eine Fahrradwerkstatt erweitert. „In der Metallwerkstatt haben wir eine CNC-Fräse, die noch ein bisschen im Aufbau ist, eine kleine Drehbank, natürlich auch eine Standbohrmaschine, Schweißgerät und einen Schweißtisch. Eine kleine Sandstrahlkabine wird gerade aufgebaut. Wir planen auch noch Schlüsselfräsen und weiteres. Aber auch wenn man nur sein Fahrrad irgendwie reparieren möchte, haben wir Zentrierständer, Kurbelabzieher und noch viel mehr. Oder auch Teile zum Hydrauliköl tauschen.“ Neben den neuen Werkstattbereichen gibt es außerdem noch eine Holzwerkstatt, einen Frickelraum für sauberere Bastelarbeiten, 3D-Drucker, einen Lasercutter, einen Textilbereich zu Nähen, Plotten, Sticken und mehr sowie eine Lötelektronik-Bastelecke mit allem was man das Bastler*innenherz begehrt.
Stratum 0
Eine Plattform, viele Interessengruppen
Das Stratum 0 ist jedoch weit mehr als nur eine offene Werkstatt: „Der Verein und die Räume sind eine Plattform für Leute, um sich zu treffen oder um Interessensgruppen zu beherbergen. Da gibt es verschiedenste Gruppierungen,“ erklärt Lars Andresen. Eine dieser Gruppen nutzt das Stratum 0 zum Beispiel, um an sogenannten „Capture The Flag“- kurz CTF Events aus der Cybersecurity-Szene teilzunehmen: „Man tritt dort gegeneinander in Gruppen an, und der Veranstalter stellt einen bestimmten Server bereit, wo man vorgefertigte, also absichtlich platzierte Sicherheitslücken finden muss. Wenn man diese gefunden hat und der erste ist, bekommt man die Flag, reicht diese auf einer Webseite ein und erhält Punkte.“ Eine andere technikaffine Gruppe sind die sogenannten Freifunker, die sich dem Aufbau und Betrieb eines freien Funknetzes in Braunschweig widmen. Daneben gibt es aber auch Gruppen wie das „Malkränzchen“, die sich jeden Montag zum gemeinsamen Malen, Zeichnen und Basteln im Stratum 0 trifft. „Manche Gruppen sind richtig organisiert und haben sogar Sprecher, andere sind eher lose Gruppen,“ berichtet Lars Andresen. Auf der Homepage des Stratum 0 sind die verschiedenen Gruppen übersichtlich aufgelistet und die jeweiligen Termine im öffentlichen Kalender einsehbar. „Entweder man hat einen konkreten Anlass, weswegen man vorbeikommen möchte oder man findet auf der Webseite eine Gruppierung, die einen interessiert. Dann findet man im Kalender wahrscheinlich auch, wann die sich treffen.“
Die Community steht im Vordergrund
Prinzipiell ist jeder im Stratum 0 willkommen, jedoch sei es wichtig, so Lars Andresen, dass man sich erst einmal mit den Örtlichkeiten und auch der Community vertraut macht, bevor man direkt Mitglied wird: „Wir haben es eigentlich lieber, dass Interessenten erstmal so vorbeikommen und die Leute kennenlernen, ob das so passt, bevor sie einen Mitgliedsantrag stellen. Denn man hat als Mitglied auch ein paar Rechte und Pflichten.“ Hier ist vor allem gegenseitiges Vertrauen ein wichtiges Stichwort, da die Mitglieder rund um die Uhr Zugang zu den Räumen haben und gemeinsam für das Sauber- und Instandhalten der Werkstätten und Gemeinschaftsräume zuständig sind.
Auch das Interesse an Gemeinschaft sollte zumindest grundlegend vorhanden sein, denn im Stratum 0 steht nicht nur das Werken, sondern die Community im Vordergrund: „Ich denke, es geht vielen darum einfach einen Raum zu haben, wo man sich treffen und austauschen kann. Wo gleichgesinnte Leute abhängen und wo man vielleicht auch mal an Sachen basteln kann, die man zu Hause nicht basteln würde.“ Herzstück dieser Gemeinschaft ist der sogenannte Chillraum. In diesem Multifunktionsraum steht allen eine Couchlandschaft, verschiedene Tische, Beamer und Leinwand sowie eine Konsole zur Verfügung. „Man sagt auch über uns, dass wir so das Wohnzimmer unter den Hackerspaces sind,“ erzählt Lars Andresen lachend. „Andere sind teilweise sehr viel techniklastiger oder sehr viel kleiner, ungemütlicher oder haben kein Sofa und Küche. Bei uns treffen sich auch Leute zum Stricken, Häkeln und Basteln oder einfach so, hängen ab, zocken auch mal was, alles ein bisschen wohnzimmermäßig. Manche nennen es auch Jugendzentrum für Erwachsene. Der Begriff kommt, glaube ich, auch ganz gut hin.“
Stratum 0
Einfach mal vorbeikommen!
In diesem Jahr wird das Stratum 0 aller Voraussicht nach wieder am bundesweiten Tag des offenen Hackspaces Ende März mitmachen. Ein guter Zeitpunkt, um das Konzept und die Menschen erst einmal ganz unverbindlich kennenzulernen. Doch auch sonst, so Lars Andresen, möchte er Menschen dazu aufrufen einfach einmal vorbei zu kommen: „Hier ist immer irgendwas los, meistens nachmittags und abends. Oder man fragt im Matrix-Chat oder schickt eine Mail.“