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INDUSTRIEKULTUR Café | Kultur und Mobilität im Braunschweiger Lande


Fortbewegung ist eine menschliche Grundkonstante: Bauer, Knecht und Magd gingen mit Pferd und Pflug aufs Feld, die Waren wurden auf dem Wagen oder in der Kiepe auf den Markt der nächsten Stadt gebracht. Mit der Konstruktion von Räumen durch Straßen- und Verkehrssysteme, Plätzen und Gebäuden wandelt sich die Welt gleichsam zu einem Zeichen-Kosmos, der von den Zeitgenossen erkannt und gedeutet wurde, zumal die messbare Zeit an Kirchturmuhren zu einem wichtigen Faktor in diesem kulturellen Koordinatensystem geworden war. Und weil mit Menschen und Waren auch Informationen und Gedanken auf Wanderschaft gegangen sind, um verbreitet zu werden, gewannen zeitgenössische Medien an Bedeutung, um Symbole, Bilder und Erzählungen im Rahmen kultureller Deutungssysteme wie „Raum und Zeit“ zu verbreiten.
Welche geschichtlichen Spuren im Braunschweiger Land sich in diesem Rahmen verorten lassen, möchte das Forum Industriekultur e.V. am 17. November zeigen.
Der Journalist und Kulturhistoriker Uwe Day lädt ein zu einer kleinen Expedition in die regionale Kultur- und Mediengeschichte von „Mobilität“ und „Zeit und Raum“. Er greift ausgewählte Beispiele auf, um sie anderen Fragen zu unterziehen. Warum konnte Herman Botes „Eulenspiegel“ ohne Mobilität nicht zu Weltruhm gelangen? Was lässt sich aus Knigges „Reise nach Braunschweig“ mit Blick auf die vormoderne „Event-Kultur“ und die Tücken des damaligen Reisens herauslesen? Welche Rolle spielte die geschichtliche Deutung der braunschweigischen Staatseisenbahn im 19. Jahrhundert für eine „braunschweigische“ Identität 60 Jahre später? Was haben die Welt-Bilder im „Diercke-Atlas“ mit den „mental maps“ im nationalistischen Zeitalter der geistigen Landnahme zu tun? Wie ließ sich die Natur vor der Haustür durch eine national geprägte Touristik erfahren? Womit haben die Nationalsozialisten die individuellen Mobilitätswünsche nach US-Vorbildern bedient? Was von Braunschweig steckte im „Bomber‘s Baedeker“? Warum eignete sich der „Volkswagen“ in der Bundesrepublik als Symbol für einen „deutschen“ Weg in die westliche Moderne? Und was hat ein Braunschweiger Auto-Hochhaus mit dem Image der USA vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu tun?
Veranstaltungsort
Silberquelle
Kalenwall 4
38100 Braunschweig

Veranstalter
Forum Industriekultur e.V.
In den Springäckern 66
38100 Braunschweig