Zum Inhalt springen

Schwere Industrie
und leichte Leckereien – #ALLESDA … im Peiner Land

 (Bildrechte: Christian Bierwagen)

Im Landkreis Peine gibt es viel zu entdecken. Nicht nur Handwerk und Industrie, sondern auch spannende Sportarten und lukullische Köstlichkeiten. Außerdem erstaunlich viele Eulen…

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie bei einem Spaziergang durch Peine immer wieder auf Eulen stoßen. Die Jakobikirche ist ebenso wie viele Häuser rund um den Marktplatz mit Bildern dieses mystischen Vogels verziert. Jährlich im Herbst findet mit dem „Eulenmarkt“ ein dreitägiges Fest statt und selbst im Eingangsbereich des Stadtparks hockt seit 1992 auf einem Findling eine 70 cm hohe bronzene Eule. Was hat es damit auf sich? Nun, die Gelehrten und Historiker streiten sich bis heute, wann und warum die Eule gewissermaßen zum Maskottchen der Stadt wurde. Eine häufige Lesart ist jedoch diese: In der Zeit der Hildesheimer Stiftsfehde von 1519-1523 wurde die Burg Peine insgesamt dreimal belagert, konnte aber nicht bezwungen werden. Und da die Eule in der Mythologie als Sinnbild für Wachsamkeit und Standhaftigkeit gilt, wurde sie zum inoffiziellen Wappentier der Stadt. Dazu passt auch die Inschrift des Findlings:

„Peine was maket so veste dat de Ule bliev sitten im Neste“

frei übersetzt:

„Peine war gebaut so fest,
dass die Eule blieb sitzen im Nest.“

Wenn Industrie auf Handwerk trifft

Peine ist die Wiege der regionalen Stahlindustrie. Der 1914 in Peine entwickelte Stahlträger mit parallelen Flanschen ist heute weltweit als „Peiner Träger“ bekannt. Das Peiner Stahlwerk wurde 1858 als Ilseder Hütte gegründet und arbeitet heute unter dem Namen Peiner Träger GmbH. Mit rund 1.000 Mitarbeitern werden jährlich rund eine Million Tonnen Stahl produziert, darunter auch 400 Tonnen für die Anfang 2017 eröffnete Elbphilharmonie in Hamburg.

Doch die Stadt Peine ist nicht in ihrer industriellen Historie verhaftet geblieben. Neben der industriellen Fertigung schwerer Erzeugnisse finden wir in Peine heute auch eine Heimat der liebevollen Manufakturarbeit. Der Hersteller Pelikan beispielsweise deckt die gesamte Breite des Bürobedarfs ab. Gegründet wurde das Unternehmen 1832 von einem Chemiker als Farben- und Tintenfabrik. Besondere Berühmtheit erlangte Pelikan durch seine robusten und bei Schülern beliebten Füllfederhalter, aber auch durch seine farbstarken Tinten. Heute liegt bei Pelikan der Fokus auf edlen Schreibgeräten, die teilweise noch immer in Handarbeit gefertigt werden.

Mekka der Schreibkultur – die Pelikan-Manufaktur in Peine
Unsere Redaktion war vor Ort und hat den Mitarbeitern bei der Produktion über die Schulter geschaut.

Hand angelegt wird auch bei der Schokoladenmanufaktur Rausch, die im Jahr 2018 ihr hundertjähriges Jubiläum feiert. 1918 als Confiserie in Peine gestartet, beschäftigt das Unternehmen heute mehr als 400 Mitarbeiter, die am Stammsitz in Peine und der Schokoladenfabrik in Berlin sowie im Schokoladenhaus am Berliner Gendarmenmarkt feinste Schokoladen herstellen und verkaufen.

Auf Manufakt(o)ur: Zu Besuch im Rausch SchokoLand in Peine

In der Braumanufaktur Härke wird seit mehr als 660 Jahren Bier gebraut. Der erste Gerstensaft wurde 1356 abgefüllt. Heute werden sechs Sorten hergestellt – vom klassischen Pilsener über Weizenbier und Alkoholfreies bis zum Amber Ale im zeitgemäßen Craft Beer Style.

Bier aus regionalen Zutaten – die BrauManufaktur Härke in Peine
In der Brauerei Härke im Zentrum Peines wird seit 1890 Bier gebraut, anfangs in einer Gasthausbrauerei.

Ganz gleich, ob Sie sich für edle Schreibgeräte, zart schmelzende Schokolade oder das kühle Blonde interessieren – die drei Unternehmen können besichtigt werden. Die spannenden Führungen vermitteln einen lebendigen Eindruck und laden zum Ausprobieren, Verkosten und Shoppen ein.

Hopfen und Malz, Leberwurst und Schokolade

Noch mehr Köstlichkeiten gefällig? Lüddekes Hofladen bietet Spezialitäten für Fleischliebhaber nach dem Motto „Eigene Tiere, eigenes Futter, eigene Schlachtung“. Neben Fleisch- und Wurstspezialitäten aus eigener Herstellung gibt es dort auch ganz verrückte Dinge, nämlich Mettwurstpralinchen mit Vollmilchschokolade und süße Mettwurst.

Dazu passt Leberwurst-Eis, das das Eiscafé Bernauer herstellt – offiziell allerdings nur für Hunde. Zweibeinige Genießer können sich an mehr als 60 fleischlosen, aber dafür umso köstlicheren Eissorten erfreuen.

Das kleine Café hat sich zum Treffpunkt für Eisliebhaber aus der gesamten Region entwickelt (Foto: christo.cc)

„Top Employer“ und Selbstverwirklichung

Wussten Sie, dass im Kreis Peine nicht nur in den zuvor genannten Unternehmen, sondern auch in anderen Branchen preisgekrönte Arbeitsplätze zu bieten hat? Sinnhafte Arbeit, hochwertige Produkte und nachhaltiges Wirtschaften – das sind die Anforderungen insbesondere der umkämpften Generation Y an ihren zukünftigen Arbeitsplatz. Und das alles gibt es in Peine, beispielsweise bei Christmann Informationstechnik, dem Automotive-Zulieferer Faurecia sowie den Maschinenfabriken Stoll. Bis heute haben einige dieser Unternehmen eine zweistellige Zahl von Auszeichnungen wie „Fabrik des Jahres, „Top Employer“ oder auch Innovationspreise erhalten. Hier treffen Innovationskraft und eine gute Work-Life-Balance aufeinander – sicherlich einer der Gründe dafür, dass der Landkreis bei Fachkräften immer beliebter wird.

Automotive-Zulieferer Faurecia (Foto: Marvin Reepschläger)

Doch auch Individualisten, die sich in ihrer Freizeit selbst verwirklichen möchten, finden in Peine Gleichgesinnte – zum Beispiel im Verein KiP Kunst im Peiner Land e.V., wo sich mehr als 20 Künstler zusammengefunden haben und beliebte Veranstaltungen wie die Tage der offenen Ateliers ausrufen. In der Alten Stellmacherei des einstigen Meisters Hermann Thies prägen Kunst, Musik und Literatur das Geschehen, hinzu kommen Kindernachmittage, Vorträge, Lesungen und Kurse, die den Besuchern eine vielfältige Kulturpalette bieten. Im Kunsthof Mehrum erleben Sie Kreativität und individuelle Formen künstlerischen Schaffens in ländlichem Flair: Regelmäßig öffnet der Kunsthof seinen Landhausgarten – hier lässt sich streunen, verweilen, Kunst und Natur genießen. Und bei der Offenen Pforte geben mehr als 25 Privatleute ihre Gärten frei und machen sie für jedermann zugänglich: So wird die ganze Vielfalt der Gartenkultur und des Gärtnerns erlebbar. Dabei geht es nicht nur um einen bestimmten Gartentyp. Jeder, der Interesse fürs Gärtnern zeigt und den Austausch mit Gleichgesinnten sucht, kann teilnehmen. So bietet das Projekt auch Raum für neue Kontakte oder einfach die Möglichkeit zur Erholung in schöner Umgebung.

Das Projekt „Offene Pforte“: 27 Gartenbesitzer im Landkreis Peine öffnen mehrmals im Jahr ihre grünen Oasen für jeden – auch für Sie! (Foto: Allianz für die Region GmbH / Jörg Scheibe)

Baden, Discgolf und Musik aus Schottland

Aber auch Nichtkünstler gehen in Peine nicht baden – beziehungsweise doch. Hier gibt es zahlreiche attraktive Badestellen für jeden Geschmack: Der Eixer See, der Wehnser See, der Kiessee Wipshausen, der Pfannteich Hohenhameln und das Freibad Bettmar bieten gute Wasserqualität und viel Erfrischung. Wer lieber trocken bleiben möchte, der besucht den Discgolf-Club „Eulennest“ (da ist sie wieder, die Eule …) und spielt Golf mit einer Art Frisbee-Scheibe. Diese besondere Sportart, bei der auf abwechslungsreichen Parcours die runde Scheibe zielgenau in einen Korb geworfen werden muss, erfreut sich in der Region seit einigen Jahren einer extrem steigenden Beliebtheit. 

Der Eixer See bietet einen feinen Sandstrand, eine Liegewiese und ein Volleyballfeld (Foto: Christian Bierwagen)

The Peiner at the Gate of Dawn

And now for something completely different: Peine hat sogar einen eigenen Schottischen Kulturclub. Er wurde 1985 gegründet, um die schottische Musik und Kultur einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Offenbar ein Treffer ins Schwarze – denn das Highland Gathering zieht inzwischen eine fünfstellige Zahl von Besuchern aus ganz Deutschland an. Jedes Jahr bauen Schotten und solche, die es werden wollen, im Stadtpark ihre Zelte auf. Dann gibt’s Whisky und Kunsthandwerk, Kilts in allen möglichen Mustern, original schottische Geschenke und Leckereien vom Grill. Musiker messen sich bei den „Peine International Pipe Band Championships“, um die deutschen Meister in der Kunst des Dudelsack- und Trommelspiels zu finden.

Vorheriger Artikel
Ob Hightech oder Slow-Food – im Landkreis Wolfenbüttel ist #AllesDa
Nächster Artikel
Kreis Helmstedt: Hier lebt Geschichte