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Der „Melonendealer“ aus Helmstedt: Was es alles im Ansar-Markt zu entdecken gibt

  • Datum: 3. August 2016
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 (Bildrechte: Marvin Reepschläger)
Foto von Miriam Grupe
Miriam Grupe
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Versteckt in einer kleinen unscheinbaren Nebenstraße mit dem klingenden Namen Schwalbenbreite finde ich den Ansar-Markt in Haus Nummer 12. Mit seinen auffälligen pinken Lettern auf weißem Grund lockt das Firmenschild die Kunden. Hier sitzt also der Melonendealer aus Helmstedt. 

Der Eingang vom Ansar-Markt ist derzeit eine Baustelle, die neuen Wände stehen bereits als Rohbau, die großen Fensterscheiben sind noch abgeklebt, es fehlt aber noch das Dach. Mir-Tadjuddin Ansari, der Inhaber des Ansar-Marktes, telefoniert gerade mit dem Baumateriallieferanten, bevor er mich empfängt. Er erklärt sogleich: „Endlich haben wir die Genehmigung, einen Imbiss zu eröffnen – der wird hier gerade gebaut.“ Helmstedt kann sich demnächst also auf eine neue gastronomische Stätte freuen.

Köstliche Melonen werden neben anderem frischen Obst und Gemüse heute draußen präsentiert. „Die Melonen bekomme ich aus Italien, Griechenland und der Türkei – hauptsächlich natürlich im Sommer, saisonbedingt“, erklärt mir Ansari. Aber der Ansar-Markt hat noch viel mehr zu bieten.

Das Geschäft besticht vor allem durch die schier unglaubliche Vielfalt des Sortiments. Was es hier alles zu sehen und zu kaufen gibt! Nilofar, die Gattin von Herrn Ansari, steht hinter der Theke mit den eingelegten Köstlichkeiten. Gefüllte Pepperoni oder Oliven in Grün und Schwarz füllt sie für die Kunden nach Wunsch ab. Auch sie ist stolz auf ihren Laden, den Mir-Tadjuddin Ansari mit ihr und noch zwei Minijobbern nun schon seit 2003 betreibt.

Vielversprechende Baupläne

„Umgezogen in die Schwalbenbreite sind wir erst im Jahr 2012“, berichtet Herr Ansari. „Der Laden ist seitdem immer im Umbau.“ Das sieht man gerade am Eingang, aber auch hinter dem Gebäude ist eine Baustelle, zu der mich Ansari führt. Hinter dem Haus liegt ein idyllischer kleiner See: „Vorne kommt der Imbiss rein, hinten möchte ich die dazugehörige Bar eröffnen, wo die Leute am See sitzen und entspannen können.“ Die Bäume, die noch bis vor Kurzem bis zur Straße standen, hat der rührige Mann vor zwei Jahren selbst gefällt, er hat immer noch Brennholzstapel davon liegen. Auch die künftige Terrasse der Bar und der Weg dorthin sind in Eigenregie gepflastert worden. Emsig wird hier hinten heute auch wieder gehämmert und geklopft, gesägt und gebaut. Der Teich mit den orangen und schwarzen Fischschwärmen, den Enten und dem kleinen blauen Boot verströmt im Kontrast dazu eine ruhige Atmosphäre. „Die Gäste sollen sich bei mir entspannen, sie können hier sitzen oder auch an den See gehen und die Fische beobachten“, schildert mir Ansari seine Vision.

Zurück im Geschäft zeigt mir Mir-Tadjuddin Ansari stolz sein gesamtes Sortiment. Mit dem Umzug hat sich dieses auch deutlich vergrößert, er verkauft jetzt neben Waren aus der Türkei arabische, persische und russische Spezialitäten. Seine Kunden sind neben Türken, Arabern und Russen auch Deutsche. So wie Oliver Kienz, der heute hier einkauft. „Leider komme ich viel zu selten hierher“, bedauert er. Vielleicht ist unser Besuch Anlass, ihm den Laden öfter in den Sinn kommen zu lassen? Herr Ansari betont: „Mir sind alle Kunden herzlich willkommen!“

30 Sorten Oliven und Butter aus aller Herren Länder

Auf dem Weg durch die Gänge entdecke ich sowohl losen Reis, der mit einer kleinen Schippe abgefüllt werden kann, als auch diverse andere Sorten in großen 5-kg-Säcken, je nach Verbrauch und Bedarf. Hier sind zudem Gewürze aus dem Nahen Osten in großen Gebinden zu finden und eine glitzernde Vielfalt an losen russischen Bonbons. Bestimmt 30 verschiedene Sorten Oliven im Glas und in der Dose aus dem Libanon, Spanien, Griechenland und der Türkei und fast ebenso viele Sorten trockene Bohnen und Linsen stehen fein säuberlich sortiert und aufgereiht im Regal. Exotisch auch die Sorten Butter, die man hier bekommen kann: arabische, persische und indische Butter, genannt Ghee.

Für die Befriedigung der Bedürfnisse der muslimischen Kunden hat Ansari keine Kosten gescheut. So hat er im Laden extra zwei verschiedene Kühlabteilungen für Fleisch- und Wurstwaren installiert, die extra nicht nebeneinanderliegen, damit die Halal-Ware nicht mit Schweinefleisch in Berührung kommt. Witzig – hier gibt es in der muslimischen Abteilung türkische Wiener-Würstchen (natürlich halal und aus Geflügel), die eindeutig anhand der typischen Verpackung und dem Namen „Wiener Sosis“ identifiziert werden können. Frischfleisch sucht man jedoch vergeblich: „Hier in Helmstedt lohnt sich keine Frischetheke für Fleisch, dafür haben wir aber Gefrorenes, zum Beispiel Lammkeule oder -schulter“, meint Mir-Tadjuddin Ansari.

Spezialitäten dürfen nicht fehlen

An der Kasse lacht mich das beliebte türkische Traditionsgebäck Baklava (Filo-Blätterteig, gefüllt mit gehackten Nüssen und bestreut mit leuchtend grünen Pistazien) an, es darf natürlich ebenso wenig in diesem Spezialitätengeschäft fehlen wie die riesigen Pakete mit dem in der Türkei äußerst beliebten Mevlana-Goran-Tee, einer Ceylon-Luxusmischung, die sich auch in Deutschland zunehmend größerer Beliebtheit erfreut.

Und dabei kommt Familie Ansari noch nicht mal aus der Türkei: Mir-Tadjuddin Ansari stammt aus Afghanistan, aus der Stadt Kabul. Seine Verwandten leben heute noch dort, auch sein Vater, der inzwischen 88 Jahre alt ist. Als Mir-Tadjuddin 1995 als Flüchtling nach Deutschland kam, durfte er zunächst drei Jahre lang nicht arbeiten. Mit der ersehnten Arbeitserlaubnis hat er vor 13 Jahren dann den Ansar-Markt eröffnet. Seine Frau Nilofar kommt ebenfalls aus Afghanistan, mit ihr hat er vier Kinder. Drei der vier Kinder haben das Abitur gemacht, einer die Fachhochschulreife und sie sind zum Studieren deutschlandweit (u. a. in Stuttgart) unterwegs. Die Jüngste ist jetzt sogar am anderen Ende der Welt zum „work and travel“ – in Neuseeland.

Auch wenn die Ansaris jedes Jahr die Verwandten in Kabul besuchen: „Seit ich den Laden habe, habe ich immer nur gearbeitet. Dann habe ich mit meiner Frau gleich vier Kinder großgezogen – da kennt man keinen Urlaub“, lacht mir der sympathische Mann entgegen und entschwindet wieder in sein Geschäft.

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