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@dieserbaran: Ein Siebzehnjähriger erobert die Vines-Welt

  • Datum: 30. August 2016
  • Kommentare: 0
 (Bildrechte: Inga Stang)
Foto von Inga Stang
Inga Stang
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Erst 17 Jahre jung und schon jetzt ein Internet-Star: Baran, unter dem Namen @dieserbaran auf Instagram bekannt, hat sich mit kurzen Videoclips auf Instagram, sogenannten Vines, in die Herzen tausender Fans gefilmt. 

Baran ist 17 Jahre alt, hat gerade seinen Schulabschluss gemacht und hängt in seiner Freizeit gerne mit seinen Freunden ab, „Chillen in Lounges oder Bars“, wie er selbst sagt. Doch eine Sache unterscheidet diesen Baran von vielen anderen Jugendlichen in seinem Alter: 160.000 Abonnenten auf Instagram.

„Ich war nie der Typ, der früher bei Instagram aktiv war, aber meine Freunde eben“, erzählt Baran bei unserem Treffen in der Braunschweiger Innenstadt. Kenn ich. Auch meine Freunde haben alle Instagram, aber ich? Nö, leider nicht. Dabei ist Instagram mittlerweile zur Standard-App geworden. Fast alle meine Freunde und so ziemlich jeder Jugendliche heutzutage benutzt den Onlinedienst zum Teilen von Fotos und Videos. Für viele ist es neben Snapchat das „neue“ soziale Netzwerk. Facebook, pff, das ist ja so was von 2010 …

Instagram-Nische Vines

„Irgendwann hab ich auch angefangen, Bilder unter meinem Namen @dieserbaran hochzuladen. So ging das damals los“, erzählt Baran, der seinen Nachnamen geheim halten möchte. Im Gegensatz zu den meisten anderen Instagramern (so werden Instagram-Nutzer genannt) füllt er seinen Kanal aber nicht mit halbnackten Selfies, Fotos seines Mittagessens mit dem Hashtag „#Foodporn“ oder Bildern, die aussehen, als kämen sie aus einem „Schöner Wohnen“-Katalog. Denn Baran macht Vines.

Vines sind kurze Videos, meist um die 15 Sekunden lang, in denen witzige Geschichten aus dem Alltag unterhaltsam dargestellt werden. Das Gefühl „Wenn Pfandflaschen deinen Arsch retten“, „Wenn du noch was von der Tafel abschreiben musst und der Lehrer es wegwischt“ oder auch „Wenn man die Nacht durchmachen will und der Freund einpennt“ sind nur drei von Hunderten von Beispielen, die Baran in kleinen Geschichten filmisch festgehalten hat.

Kennt ihr das, wenn man mit dem Fuß in die scheiss Hosenlöcher kommt?😂

Ein von dieserbaran (@dieserbaran) gepostetes Video am 2. Jun 2016 um 7:59 Uhr

„Es gibt nur eine kleine Szene von Leuten in Deutschland, die Vines drehen und die man deshalb ‚Viner‘ nennt“, erzählt Baran. Aufgeschnappt wurde der Vine-Trend aus den USA und der Türkei, wo viele Internet-Stars bereits mit ihren kurzen Clips ordentlich Geld verdienen. Innerhalb Deutschlands hat sich erst in den letzten Jahren eine aktive Viner-Szene entwickelt.

Hypes kommen, Hypes gehen

„Wir kennen uns alle untereinander und sind Kollegen“, erzählt Baran, zu dessen Freundeskreis unter anderem der Viner @Oemersel mit 286.000 Abonnenten gehört. Doch wer erfolgreich sein will, muss auch für stetig aktuellen Inhalt auf seinem Profil sorgen, erklärt Baran: „Wenn ich öfter Videos mache, steigt der Follower-Zahl. Wenn nicht, verliert man im schlimmsten Fall sogar welche. Der Hype kommt und geht wieder, hin und her, je nachdem, wie aktiv man grade ist.“

„Meine Eltern dachten am Anfang immer, ich drehe mit meinen Freunden kurze Videos, damit wir uns die dann später angucken können, schlafen gehen und ein bisschen lachen“, erzählt Baran. „Im Endeffekt haben sie auch gemerkt, wie sich das verbreitet hat. Cousins, Tanten und Onkel außerhalb Braunschweigs haben sie auf meine Vines angesprochen und Freunde, deren Kinder mir auf Instagram folgen.“

Liebesbriefe und hysterische Fans

Auch in der Schule wissen von den Lehrern bis zum Direktor alle über Barans Vines Bescheid. Am Anfang wurde er auch in Braunschweigs Innenstadt von Fans angesprochen. Mittlerweile, so erzählt er, kenne man ihn aber schon hier. „Wenn ich in Hamburg oder Köln bin, ist das schon was anderes. Da kommen eher Fans zu mir und sprechen mich an.“

Viele seiner Fans sind minderjährig. Besonders junge Mädchen fliegen auf den modischen Jugendlichen, schicken ihm Liebesbriefe oder Bilder. Nicht immer bleibt es dabei so harmlos: „Ein paar übertreiben es echt. Einmal hat mir ein Mädchen ein Foto geschickt, auf dem sie sich meinen Namen in den Arm geritzt hat. Das ist schon schlimm. Ich hab ihr dann gesagt, das ist unsinnig und sie soll mit sowas aufhören. Grade die jungen Mädchen wissen teilweise gar nicht, was sie da machen.“

Insgesamt ist die Fangemeinde Barans jedoch bunt gemischt. Zwischen acht und 40 Jahren ist alles dabei, erzählt er. Geld verdient er, indem er Werbung über sein Profil postet. „Das ist aber nur stundenweise und wird anschließend wieder gelöscht“, erzählt er. „Ich mache das aber eher selten.“

Chillen und neue Ideen (Foto: Inga Stang)

In einem Jahr geht er von der Schule ab. Bis es so weit ist, hat er noch einige Pläne, die er umsetzen will, um sich nach der Schule selbstständig zu machen. „Ich werde bald noch einen eigenen Youtube Channel aufmachen und dann richtige Vlogs und Videos mit Pranks machen“, erzählt Baran. Vlogs sind Video-Blogs, also eine Art Video-Tagebücher und Pranks bedeutet Streiche. Außerdem überlegt Baran, seine eigene Modemarke zu gründen und verhandelt dafür gerade mit einer Firma.

Ich bin beeindruckt, dass „Youtuber“ und „Viner“ mittlerweile schon so etwas wie ein Berufswunsch zu sein scheint. Aber irgendwie wünsche ich mir für Baran, dass es sich bei seinem Erfolg wirklich nicht nur um einen Hype, sondern um eine langfristige Basis handelt, die ihm seinen Lebensunterhalt finanzieren wird. Zum einen, weil er wirklich sympathisch ist und zum anderen, weil ich selten so viel Freude daran gehabt habe, meine freie Zeit zu vertrödeln wie mit Vines von @dieserbaran.

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