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„Nicht alle Helden tragen einen Umhang“ – Starke Frauen im Handwerk

  • Datum: 16. August 2016
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 (Bildrechte: Martina Zingler)
Foto von Martina Zingler
Martina Zingler
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Zumindest, wenn es nach Birgit Homanns Sohn geht. Der 20-Jährige lernt im elterlichen Betrieb das Handwerk des Lackierers und trägt den markigen Spruch auf einem speziell auf dieses Handwerk gemünzten T-Shirt. Seine Mutter managt den kleinen Familienbetrieb. Sie ist nicht nur Chefin, sondern packt auch ordentlich mit an. 

Bei meiner Ankunft auf dem Gelände der zukünftigen Lackiererei in der Engeroder Straße steht Birgit Homann auf dem Baugerüst, in zünftiger Latzhose, die Farbrolle in der Hand. Die Gebäude werden noch gestrichen, Freunde und Familie helfen kräftig mit. Die Chefin hat außerdem Currywurst und Pommes für das Team gemacht. „Und schon 15 Kannen Kaffee gekocht“, meint sie verschmitzt. Die quirlige Frau ist ein Allrounder. Schneiderin habe sie gelernt, erzählt sie. Und noch immer ist das Schneidern ihr Steckenpferd. Die vierfache Mutter hat zeitweise auch selbstständig in diesem Beruf gearbeitet. Für ihre selbst genähten Handtaschen kam sogar einmal ein Fernsehteam nach Salzgitter.

Von der Mode zur Farbe

Doch wie gelangt man von der Schneiderei in den Besitz einer Lackiererwerkstatt, will ich wissen. „Mein Mann wurde arbeitslos. Er ist Lackierermeister“, erzählt Birgit Homann. Ihnen bot sich die Chance, eine Lackiererei in Elbe im Landkreis Wolfenbüttel zu übernehmen. Die Homanns griffen zu, Birgit leitete auch dort schon den Betrieb. Drei Jahre ging das so.

Ihre familiären Bindungen führten sie jetzt jedoch wieder zurück nach Salzgitter-Bad. Das Gelände an der Engeroder Straße gehörte bereits ihren Urgroßeltern. „Meine Oma hat hier Zweiradmechanikerin gelernt, mein Opa hat 1955 mit dem Handel von Mofas und Rollern begonnen.“ 1980 übernahm ihr Vater den erfolgreichen Zweiradhandel, baute die große Halle, die bald das Büro, Farblager und eine große Lackiererkabine mit Abzug beherbergen wird. „Wir haben schon immer als Familie gearbeitet: Meine Großmutter führte die Bücher, meine Mutter und ich haben die Kunden betreut“, so Homann. „Ich kenne es gar nicht anders.“

Da verwundert es auch nicht, dass die Lackiererei heute ähnlich aufgestellt ist. Für die Lohnbuchhaltung beschäftigen die Homanns eine Angestellte, alles andere erfolgt in Eigenregie. Lackierermeister Maik Homann führt die Lackierarbeiten aus. Der Sohn hat gerade seine Lehre begonnen und sieht im elterlichen Betrieb seine Zukunft. Auch die Chefin ist sich nicht zu schade, selbst mit Hand anzulegen. „Wenn Not am Mann ist, helfe ich bei den Vorarbeiten.“ Vorarbeiten, das heißt säubern, abkleben, auch mal schleifen. Meistens werden Autos oder Motorräder zum Lackieren gebracht, auch Küchenfassaden bedürfen häufig einer Auffrischung. Sogar ein Flugzeug haben die Homanns schon lackiert. „Allerdings wurde es in Einzelteilen angeliefert“, schmunzelt die Chefin.

Neuanfang in Salzgitter

Den alten Kundenstamm aus dem Elber Raum möchten sich die Homanns erhalten. Mit dem eigenen Lkw können Autos und Motorräder nach Salzgitter geholt werden. „Und doch ist es hier ein Neustart für uns“, meint Birgit Homann. Sie setzen auf Mundpropaganda, um neue Kunden vor Ort zu gewinnen. Und auf die Anziehungskraft der Familie. „An Samstagen, wenn wir hier arbeiten, haben wir ganz viel Besuch. Und es gibt immer einen Kaffee und Kekse, manchmal auch selbst gebackenen Kuchen, je nachdem, wie es meine Zeit zulässt.“

Das ist aber nicht typisch für eine Chefin, meine ich. „Ach, ich kann schon delegieren und die Arbeit verteilen“, so Homann. „Aber wie gesagt, wir sind ein Familienbetrieb. Da bin ich auch gerne Mädchen für alles.“ Oder einfach eine Heldin des Alltags.

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