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„Ruhe in Frieden“ – Wie Gifhorner die D-Mark zu Grabe getragen haben

  • Datum: 2. September 2016
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 (Bildrechte: Mariska Neuwirth)
Foto von Mariska Neuwirth
Mariska Neuwirth
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Ein prominentes und wohl bundesweit einzigartiges Grab ist im Mühlenmuseum Gifhorn zu sehen. Hier ruht die Deutsche Mark – in Frieden und seit nunmehr 15 Jahren. 

Der 31.12.2001 markierte das Ende der Deutschen Mark (DM) als gültige Währung. Ein Tag später wurde diese durch den Euro ersetzt und aus „Haste mal ’ne Mark?“ wurde „Haste mal ’nen Euro?“. Und heute, 15 Jahre nach dem Niedergang der D-Mark stellt sich vor allem eine Frage: „Haste eigentlich noch ’ne Mark?“. Unsere Region kann definitiv mit „Ja“ antworten. Denn im Mühlenmuseum Gifhorn liegt die Deutsche Mark begraben.

Am letzten Tag der Deutschen Mark als gültige Bargeldwährung wurde diese mit einem festlichen Trauerzug im Mühlenmuseum Gifhorn symbolisch zu Grabe getragen.Etliche Gifhorner nahmen in Trauerkleidung an der Beisetzung teil und erwiesen der Mark die letzte Ehre.

Ein bundesweit einzigartiges Spektakel

„Wir haben einen Sarg mit D-Mark in einem 80 Jahre alten Leichenwagen durch ganz Gifhorn bis zum Grab gefahren“, erzählt Horst Wrobel, einer der Initiatoren. Er und seine Freunde wollten dabei nicht nur die Deutsche Mark, sondern auch die alte Trauerkutsche noch einmal so richtig zur Geltung kommen lassen. Die Zugpferde wurden geschmückt, Männer trugen Zylinder und Frauen weinten in große Handtücher. „Das war schon eine wahnsinnige Sache“, betont Wrobel. Sie hätten damals recherchiert, aber nirgendwo anders in der Region habe es eine ähnliche Aktion gegeben. Und sie mussten unzählige Presseanfragen aus ganz Deutschland beantworten.

Trauern, frieren und feiern (Foto: Mühlenmuseum Gifhorn)

Die „letzten Worte“ sprach Adolf Langlotz als „Pfarrer“: „Gehe in Frieden, ruhe Dich aus, wenn der Euro nicht hinhaut, holen wir dich wieder raus.“ Dies ist trotz immenser Eurokrisen und der Brandmarkung des Euro als Teuro immer noch nicht geschehen und wird wohl in naher Zukunft auch nicht passieren.

Wer trotzdem des öfteren Sehnsucht nach „damals, als alles besser war“ und der guten alten Mark verspürt, kann im Mühlenmuseum Gifhorn ihr Grabmal besuchen, in alten Zeiten schwelgen und unserem Euro nochmals ordentlich Mut zusprechen. Und Horst Wrobel zufolge tun das viele Menschen. „Hier sind täglich Besucher am Grab“, berichtet er. „Die gucken sich das an und lachen meistens.“

Hier ’ne Mark, da ’ne Mark

Nicht nur in Form des Grabmals taucht die Deutsche Mark immer mal wieder in unserem Leben auf. Meistens läuft sie mir über den Weg, wenn ich einen Blick auf Spendengläser in Banken, Geschäften oder Schnellrestaurants werfe. Nicht selten blitzt dort, unter etlichen Cents begraben, die eine oder andere silberglänzende D-Mark hervor. Aber auch in Supermärkten mogelt sich öfter mal ein Pfennig oder Markstück in die Kasse.

Wie mir meine Verkäuferin des Vertrauens mitteilt, ist sie in letzter Zeit häufig auf die alte Währung in der Kasse gestoßen. Nun kontrolliert sie die Barzahlung der Kunden lieber doppelt. Kein Wunder, denn laut Bankenverband sind immer noch rund 13 Milliarden D-Mark im Umlauf (Stand: 31.12.2014). Davon sind 6,81 Milliarden reines Münzgeld. Aber wie kommt es dazu, dass nach 13 Jahren immer noch so viel Bares in den deutschen Haushalten vorhanden ist und nicht umgetauscht wurde?

Die meisten DM-Hüter besitzen vor allem Münzgeld und Fünf- oder Zehnmarkscheine. Der Weg zur Deutschen Bundesbank, um diese kleinen Beträge umzutauschen, lohnt sich für manch einen schlichtweg nicht. Einen Euro erhält man dort für 1,95583 D-Mark. Der Umtausch ist übrigens unbegrenzt möglich.

Ein weiterer Grund ist, dass viele Menschen gar nichts von ihrem „Glück“ wissen. So ist es bereits bei mehreren Wohnungsauflösungen zu überraschenden Entdeckungen gekommen. Nicht nur in alten Kaminschächten, sondern auch eingenäht in Vorhängen wurden Banknoten von immensem Wert gefunden.

Emotionaler Wert steht über Geldwert

Warum die DM-Hüter ihr gesamtes Kleingeld nicht damals in einem Rutsch umgetauscht haben? Aus sentimentalen Gründen. Laut einer Umfrage besitzen 74 Prozent Münzen oder Banknoten als Erinnerungsstück und messen ihnen einen nostalgischen Wert bei.

Aber nicht nur ein emotionaler Wert bildet sich über die Jahre hinweg heraus. Auch Sammler von Sondermünzen bewahren ihre einzigartig geprägten Raritäten sicher im hauseigenen Safe auf und schaffen sich somit eine kleine, aber feine Geldanlage.

Frage ich meine Freunde, was sie mit der Deutschen Mark verbinden, antworteten die meisten von ihnen witzigerweise dasselbe: die bunte Tüte beim Bäcker. Für meine Generation war die Deutsche Mark unser erstes Taschengeld. Das erste Geld, über das wir selbst verfügen konnten und das uns lehrte, mit ihm umzugehen. Auch wenn wir es für den bunten Süßigkeitenmix beim Bäcker ausgaben, waren wir doch unheimlich stolz, mit unserer eigenen Mark bezahlen zu können.

Auf dem Nachhauseweg vom Bäcker kamen wir dann immer am Kaugummiautomaten vorbei, der im Austausch von 20 Pfennig unsere gewölbten Hände mit kandierten Erdnüssen oder Kaugummikugeln füllte. Und wenn man auf dem Gehweg einen Pfennig fand, steckte man ihn rasch in die Hosentasche. Schließlich brachte der ja Glück. Tatsächlich haust einer dieser berühmten Pfennige immer noch in meinem Portemonnaie. Denn ein Glückspfennig ist doch irgendwie viel mehr Wert als ein Glückscent, oder nicht?

Ruhe weiterhin in Frieden, Deutsche Mark.

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