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Perschmann lebt die „Glokalität“ – das grösste Kalibrierlabor Deutschlands

  • Datum: 13. September 2016
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 (Bildrechte: Hch. Perschmann GmbH)
Foto von Klaus Sievers
Klaus Sievers
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Alle Messgeräte, die in der Wirtschaft im Einsatz sind, müssen regelmäßig geprüft werden, ob sie genau arbeiten. Für diese Kalibrierungen akkreditieren Institutionen wie die PTB Speziallabore. Das Unternehmen Perschmann in Braunschweig betreibt das größte Labor dieser Art in Deutschland.

Internationale Orientierung und lokale Verankerung in der Heimatregion – mit dieser Strategie der „Glokalität“ ist das Traditionsunternehmen Perschmann in Braunschweig sehr erfolgreich. „Unsere Stärke ist die Verwurzelung in dieser Region“, erklärt Justus Perschmann, der das Familienunternehmen in der fünften Generation führt. Stark gemacht hat das Unternehmen zunächst der Handel mit Qualitätswerkzeugen vor allem für die Metallbranche. Inzwischen ist Perschmann auch das größte akkreditierte Kalibrierungslabor in Deutschland.

Das Unternehmen als Heimat

Kann ein Unternehmer mit einer so weiten Perspektive etwas mit dem Begriff Heimat anfangen? Justus Perschmann: „Heimat ist ein Ort, an dem man sich wohlfühlt, an dem man meist aufgewachsen ist, dem man sich zugehörig fühlt, an dem Menschen leben, die zu einem passen.“ Er bezieht diese Definition sowohl auf sich als auch auf das Unternehmen. Und beim Unternehmen versteht er Heimat sogar im doppelten Sinn: Ein gut geführtes Unternehmen könne auch Heimat für seine Mitarbeiter sein. Perschmann: „Das begreifen die meisten oft erst, wenn sie nach vielen Berufsjahren im Unternehmen in den Ruhestand gehen.“

Seine Mitarbeiter sollen sich im Unternehmen wohlfühlen. Dazu gehört zunächst ein Führungsstil, der auf offener Kommunikation und persönlicher Wertschätzung beruht. Außerdem gibt es eine Reihe von Angeboten wie Gesundheitsprogramme, flexible Arbeitszeiten, Heimarbeit oder ein Mutter-Kind-Büro, wenn es mal mit der Kinderbetreuung draußen nicht klappt. Und dazu gehört beispielsweise auch der Neubau eines schmucken Verwaltungsgebäudes, in diesem Jahr in Betrieb genommen, der ökologisch nachhaltig mit Naturmaterialien errichtet und mit regenerativen Energien betrieben wird. Das alles soll „Lust auf Firma“ machen, wie das hauseigene Motto heißt. Insgesamt beschäftigt die Firmengruppe 460 Mitarbeiter, davon 230 in Braunschweig. Die anderen arbeiten an den Standorten Berlin, Nürnberg und Posen in Polen.

Größtes Kalibrierlabor in Deutschland

Das Traditionsunternehmen steht stabil auf zwei Beinen. Es begann vor 150 Jahren, als Heinrich Perschmann am Hagenmarkt in Braunschweig einen Laden für Eisen- und Messingwaren eröffnete. Heute liefert Perschmann Qualitätswerkzeuge für die Metallbe- und -verarbeitung an Gewerbe- und Industriekunden und ist damit vor allem in der Stammregion Braunschweig besonders stark.

Seit 1993 bietet die Perschmann Calibration GmbH zudem das Kalibrieren von Messgeräten und Prüfmitteln als Dienstleistung an. Sie ist von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig als Kalibrierungslabor akkreditiert worden. Beim Kalibrieren werden Messgeräte daraufhin geprüft, wie genau sie arbeiten. Dabei werden ihre Messdaten mit denen von hochpräzisen und genormten „Normalen“ verglichen, die von der PTB  (die alle „Urmaße“ verwaltet) zertifiziert werden. Die Normalen müssen mindestens zehnmal genauer sein als die zu prüfenden Messgeräte. Das Perschmann-Labor darf 50 verschiedene Messgrößen prüfen, vor allem Zeit, Gewicht, Länge, Temperatur, Drehmoment und einige elektrische Größen.

Inzwischen werden in zwei Laboren – in Braunschweig und Nürnberg – oder vor Ort in Betrieben mit 130 Mitarbeitern täglich 3.000 Kalibrierungen vorgenommen. Perschmann: „Wir sind inzwischen das größte akkreditierte Labor in Deutschland.“ Er sieht im In- und Ausland noch große Wachstumschancen.

Unternehmens-Chef Justus Perschmann (Foto: Hch. Perschmann GmbH)

Strategische Partnerschaft im Werkzeughandel

Seit 20 Jahren arbeitet das Unternehmen in einer strategischen Allianz mit vier anderen selbstständigen Mittelständlern des Werkzeughandels in Deutschland zusammen. Sie nennt sich nach dem größten Partner „Hoffmann Group“ und setzt jährlich über eine Milliarde Euro um. „Hoffmann Group ist unsere Dachmarke, darunter gibt es die vier Regionalmarken der Partner“, erläutert Perschmann. Die Gruppe macht den Einkauf – weil es so unter anderem günstigere Preise gibt – sowie das Produktmanagement und das Marketing gemeinsam. Es gibt einen gemeinsamen Katalog, der in diesem Jahr vier Bände mit rund 70.000 Artikeln umfasst. Gemeinsam betreiben die fünf Partner auch einen E-Shop im Internet. Alle anderen Funktionen, vor allem den Vertrieb und die Logistik, nehmen die Partner eigenständig wahr. Beim Vertrieb haben sich die Partner – mit Zustimmung des Kartellamtes – die Absatzgebiete aufgeteilt. Perschmann ist zuständig für Südostniedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Polen. Perschmanns Fazit: „Wir haben einen Teil unserer Selbstständigkeit aufgegeben, dafür aber ein Stück Zukunftssicherung gewonnen.“

Gutes Geschäft in Polen

Mit der Hoffmann-Gruppe, die insgesamt in 50 Länder liefert, ist auch Perschmann gewachsen. Im vergangenen Jahr habe man mit rund 10.000 Kunden etwa 100 Millionen Euro umgesetzt, berichtet Perschmann. Sein Ziel: Bis 2020 den Umsatz um 50 Prozent zu steigern. Das soll vor allem durch ein noch größeres Sortiment und ein noch stärkeres Wachstum in Polen erreicht werden. Dort beschäftigt Perschmann 65 Mitarbeiter und ist – auf noch niedrigem Niveau – bereits Marktführer. Perschmann: „Ich sehe in Polen ein großes Wachstumspotenzial. Es ist ein Land mit einer großen und breiten Industriestruktur und tollen Menschen.“

Die Verbundenheit des Unternehmens Perschmann zum Heimatstandort Braunschweig drückt sich auch in seinen Sponsoring-Aktivitäten aus. Da werden besondere Akzente gesetzt, beispielsweise in der Förderung der Bürgerstiftung Braunschweig oder des benachbarten Jugendzentrums im Stadtteil Wenden. Jugendliche des Ortes und Auszubildende von Perschmann nehmen gemeinsam an Aktionen teil. Zugleich werden die Mitarbeiter ermutigt, sich selbst sozial zu engagieren. Beispielsweise haben sich einige an Projekten der Aktion „Brücken bauen“ des Vereins zur Förderung körperbehinderter Kinder in Braunschweig beteiligt.

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