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Bausteine des Lebens – Amino aus Frellstedt liefert Aminosäuren in die ganze Welt

  • Datum: 16. Januar 2017
  • Kommentare: 1
 (Bildrechte: Amino GmbH)
Foto von Andrea Hoferichter
Andrea Hoferichter
Alle Beiträge (11)

Die Amino GmbH im beschaulichen Frellstedt kann man eigentlich nicht verfehlen. Wie bunte Legohäuser leuchten Produktions- und Lagerhallen vor grauem Winterhimmel, die Fassade aus glänzenden blauen, grünen und weißen Steinen. Geschäftsführer Dr. Lutz Thomas empfängt mich in seinem Büro, Krawatte und Socken  – na klar – im gleichen Farbkonzept.

Das Unternehmen aus dem Landkreis Helmstedt stellt Aminosäuren her und bereitet sie auf. „Wir arbeiten hier nach den strengen Regeln der GMP, der guten Herstellungspraxis, die für alle Medizinprodukte vorgeschrieben ist“, betont Thomas. Rund 90 fähige Mitarbeiter, Schnelligkeit und Flexibilität seien weitere Erfolgsfaktoren. Das kleine Unternehmen beliefert mehr als ein Dutzend der weltweit größten Pharmaunternehmen.

Für Kranke und Säuglinge

Aminosäuren sind die Grundbausteine des Lebens. Sie sind für viele Körperfunktionen unverzichtbar und stecken vor allem in Eiweißen. Von den 20 eiweißgebundenen Aminosäuren im Körper müssen acht mit der Nahrung aufgenommen werden. „Wenn man sich normal ernährt,  gibt es in der Regel keine Probleme“, berichtet Thomas. Wer aber wegen einer Krankheit nichts essen kann, ist auf eine Zufuhr von außen angewiesen, über einen Tropf oder eine Sonde. Dann kommen die Aminosäuren aus Frellstedt ins Spiel. Ein zweites wichtiges Anwendungsgebiet sind Muttermilchersatzprodukte für Säuglinge.

Gehörte zur Zuckerfabrik (Foto: Amino GmbH)

Der Standort ist übrigens kein Zufall. Auf dem Gelände wurde einst Flüssigzucker aus Rübenmelasse produziert und als Nebenprodukt seit 1958 auch Aminosäuren. Vor gut zehn Jahren wurde aus dem zweite Standbein das erste und die Zuckerproduktion eingestellt.

Pulver mit Maggi-Note

Seither wächst das Unternehmen. Die alten Gebäude der Zuckerfabrik werden nach und nach abgerissen und neue gebaut. Auf dem Gelände herrscht deshalb Helmpflicht. Ich setze ein rotes Exemplar auf, als mich Stefanie Poppenhäger zu einer Betriebsbesichtigung abholt. Sie ist Lebensmittelchemikerin und „Sachkundige Person“ gemäß Arzneimittelgesetz. Wir starten im Rohwarenlager, wo in zehn Meter hohen Regalen säckeweise Rohaminosäuren und Aktivkohle für deren „Aufreinigung“ lagern. Ein leichter Geruch liegt in der Luft. „Das sind die Aminosäuren. Viele mögen den Duft. Er hat so eine Art Maggi-Note“, sagt die Lebensmittelchemikerin.

Als Nächstes geht es in die Produktionshallen. Dazu muss ich weiße Einwegkleidung überziehen und den Helm gegen eine weiße Haube tauschen, wegen der hohen Reinheitsstandards. Die Tour führt vorbei an riesigen Kesseln, Trichtern und Rohren aus blinkendem Edelstahl. Hier werden die oft gelben oder bräunlichen Rohaminosäurepulver zunächst in Wasser gelöst, mit Kohle gemischt und nach der Aufreinigung aus der Lösung zurückgewonnen. Sie werden gefiltert, zentrifugiert und im Vakuum getrocknet. Das Ergebnis sind hochreine, schneeweiße Aminosäurepulver, die in Kartons, Trommeln oder Plastikkisten abgefüllt werden.

Aus der Quarantäne auf den Postweg

Der ganze Prozess ist hoch automatisiert. Ob alles reibungslos klappt, können Mitarbeiter in der Leitzentrale auf acht Bildschirmen verfolgen. Nebenbei erledigen sie noch eine Menge Papierkram. Die entscheidenden Prozessschritte müssen auch schriftlich dokumentiert und diese Dokumentationen noch einmal geprüft werden.

Das verpackte Produkt kommt übrigens zunächst einmal in ein „Quarantäne“-Regal. Erst wenn die Qualitätssicherung eine Probe der Charge für gut befindet, werden die Pakete auf Paletten gestapelt und für den Versand freigegeben.

Zum Schluss des Rundgangs darf ich ein bisschen Aminosäurestaub probieren. „Das ist Leucin, das auch zum Beispiel als Trennmittel in Süßstoff enthalten ist“, erklärt Stefanie Poppenhäger. Für die Süße indes tut diese Aminosäure hingegen nichts. Sie schmeckt nur ein bisschen bitter.

Vom großen und kleinen Bahnhof

Blogger und Journalisten sind übrigens eher seltene Gäste. Häufiger kommen alte und neue Kunden, um sich die Produktionsstätte anzusehen. „Dass hier Vertreter von 15 der Top-20-Pharmaunternehmen der Welt ein- und ausgehen, macht uns schon ein bisschen stolz“, sagt Geschäftsführer Thomas.

Doch nicht nur dieser „große Bahnhof“ ist gut für das Unternehmen in Frellstsedt, sondern auch der ortseigene kleine. Schon heute reisen viele Mitarbeiter jeden Tag bequem mit der Bahn an, etwa aus Braunschweig oder Magdeburg. Und das Unternehmen wächst. Thomas ist überzeugt: „Eine gute Verkehrsanbindung an die Städte der Region ist definitiv ein Pluspunkt, auch um neue Kräfte anzuwerben.“

1 Kommentar

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Martina hat geschrieben

Interessant! Ich habe mich beim Vorbeifahren schon gefragt, was das wohl ist. Finde ich auch extrem gut, dass nicht in ein neues Gewerbegebiet gegangen wurde. TOP