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Die Wahrheit liegt auf dem Platz

  • Datum: 30. Januar 2019
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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Nachsähen und Wässern. (Bildrechte: Ingo Bartels)
Foto von Ingo Bartels
Ingo Bartels
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Das ist zwar eine alte Fußball-Binsenweisheit, passt aber perfekt zu meinem Besuch bei Peter Sauer, der die Leitung der Platzpflege beim Bundesligisten VfL Wolfsburg innehat. Ich besuchte seinen Arbeitsplatz in der Volkswagen Arena und erhalte einen Einblick in das umfangreiche Aufgabengebiet eines Greenkeepers.

Mähen, düngen, wässern

Wer jemals Fußball gespielt hat, weiß, wovon ich rede, wenn ich Ackerplatz sage, und was dieser für das Spiel bedeutet. Beim VfL Wolfsburg treffe ich eher auf einen Teppich. Dieser ist das Ergebnis der Greenkeeper, die täglich daran arbeiten, dass die Plätze des VfL in einem einwandfreien Zustand sind. Meine erste Frage an Peter Sauer lautet daher auch, welche Aufgaben ein Greenkeeper hat. „Mähen, düngen, wässern“, lautet seine knappe Antwort. Nehmen wir den Bereich Mähen: Der VfL-Rasen ist mit dem Muster hell/dunkel gemäht. Auf der hellen Fläche läuft der Mäher hoch und auf der dunklen Stelle runter. Die Vorteile sind vielfältig. Neben der besseren Optik dienen die Felder dem Schiedsrichter bei Abseitsentscheidungen als Orientierung. In regelmäßigen Abständen wird die Mährichtung gedreht, damit die Grasnarbe sich auch wieder aufrichten kann, denn beim Mähen nach unten wird diese runtergedrückt.

Bei meinem Besuch ist Länderspielpause. Das Thema Düngen ist daher sehr aktuell, denn die Mannschaft hat erst wieder in drei Wochen ein Heimspiel. „Die Nachsaat braucht sieben bis zehn Tage“, erklärt mir Peter Sauer und ergänzt: „Wir machen jetzt eine Schlitznachsaat, sodass die Samen gut vom Boden aufgenommen werden. Vor dem Spiel erfolgt dann eine normale Nachsaat. Durch die 22 Spieler plus Schiedsrichter auf dem Feld, wird die Saat mit den Stollen in den Rasen eingetreten. Direkt nach dem Spiel wird von den Mitarbeitern der Platzpflege die riesige Beleuchtungsanlage auf das Spielfeld geschoben. Diese bleibt ganze 48 Stunden auf einer Stelle stehen. Wenn sie weitergeschoben wird, kann nebenbei bereits gemäht, gedüngt und gewässert werden. Das Wässern erfolgt über einen Rasensprenger, den die Greenkeeper auch über eine App steuern können. Das Ziel ist, dass der Rasen zum nächsten Heimspiel wieder in einwandfreiem Zustand ist. In den Sommermonaten, insbesondere während dieses Jahrhundertsommers, kommt die Beleuchtungsanlage nicht rund um die Uhr zum Einsatz. Das Licht, beziehungsweise die Sonne, sorgt für das richtige Wachstum. Die Mitarbeiter müssen zudem darauf achten, dass die vielen Schattenplätze in der Arena ausreichend mit Licht versorgt werden, da dort die Sonne nur zwei bis drei Wochen im Jahr scheint. Eine dieser Rasenflächen befindet sich direkt vor dem Gästeblock.

27 Mann stark

Das Team von Peter Sauer ist groß, die Sportanlagen und das Aufgabengebiet auch. So betreuen sechs Mitarbeiter die Volkswagen Arena mit allen Plätzen auf dem Gelände.

Vier Mitarbeiter sind im Porschestadion im Nachwuchsleistungszentrum und vier am VfL-Stadion am Elsterweg beschäftigt. Dazu kommen noch zwölf Aushilfen. Bei der morgendlichen Besprechung werden die Aufgaben samt Verteilung besprochen. Die Flexibilität seiner Mitarbeiter ist Peter Sauer sehr wichtig. Seit dem 1. Oktober 2015 ist er Leiter Platzpflege beim VfL Wolfsburg und ein wahrer Fachmann. Er wuchs in Baden-Württemberg landwirtschaftlich auf, denn seine Eltern betrieben einen Spargelbau. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Chemiker und qualifizierte sich zum Greenkeeper und Head Greenkeeper weiter. In den USA schloss er das Certificate in Turf Grass Management erfolgreich ab. Er arbeitete unter anderem beim bekannten Golfclub St. Leon Rot und bei der TSG Hoffenheim, ehe er zum VfL Wolfsburg wechselte. Seine Mitarbeiter sind seit Jahren in der Rasenpflege tätig und haben ein Gespür dafür, wie man den Rasen behandeln muss.

Sommerpause nur für die Profifußballer

In der Sommerpause wird es für das Team sehr anstrengend, denn dann müssen die Plätze nach einer langen Bundesligasaison wieder runderneuert werden. In sechs bis acht Wochen müssen sie wieder bespielbar sein. Dazu zählen Aufgaben wie das Lockern, Besanden und Renovieren der Plätze. Am Ende der Saison werden die Hybridplätze, wie sie in der Volkswagen Arena und auf dem großen Trainingsplatz vor der Arena zu finden sind, abgefräst. Als Hybridrasen wird ein Naturrasensportbelag bezeichnet, der durch Kunstfasern verstärkt wurde. Diese wurden übrigens 18 Zentimeter in den Boden eingenäht. Diese Systeme versuchen, die optimalen Spieleigenschaften eines Naturrasens mit der Robustheit und Belastbarkeit eines Kunststoffrasens zu vereinen. Daher ist es sehr wichtig, dass sich Peter Sauer mit dem Trainerteam und den Spielern austauscht. Ist beispielsweise zu viel Sand auf dem Rasen, können sich die Spieler offene Wunden zuziehen. Zudem darf der Platz nicht zu trocken sein. Daher flachsen die Spieler manchmal auch und fragen: „Peter, hast du auch gewässert?“ Die Spieler und Trainer honorieren aber auch den guten Zustand der Plätze, da sie wissen und sehen, wie viel Arbeit in der Platzpflege steckt.

Ohne großen Fuhrpark sind die vielfältigen Aufgaben der Platzpflege nicht zu meistern.
Ohne großen Fuhrpark sind die vielfältigen Aufgaben der Platzpflege nicht zu meistern. (Foto: Ingo Bartels)

Peter Sauer erzählt mir, dass es selbst in der Bundesliga Vereine gibt, die ihre Mannschaften ein bis zwei Tage vor dem Heimspiel noch auf dem Platz trainieren lassen. „Aber das macht den Platz kaputt“, sagt er. Ein schlecht gepflegter Platz ist schwerer zu bespielen und keine Freude für die Fußballer. Für Peter Sauer ist deshalb der Kontakt zu den Spielern und Trainern wichtig, um die Rasenplätze zu schonen und sie im bestmöglichen Zustand zu präparieren. Beim VfL Wolfsburg sind die Plätze selbst in den Wintermonaten noch in einem sehr guten Zustand. Das liegt auch daran, dass die Trainingsbedingungen im Allerpark sehr gut sind. Der hybride Trainingsplatz wird überwiegend im Winter verwendet, da er beheizt werden kann.

Der Rasen unter dem Mikroskop

Damit der Rasen optimal gepflegt werden kann, zieht Peter Sauer Bodenproben, die er selbst im Büro unter das Mikroskop legt und analysiert. Diese Aufgabe fällt gut drei- bis viermal jährlich an, um die richtige Mischung für den Dünger zu bestimmen. Denn mit dem Dünger können die Rasenkrankheiten behandelt werden. „Wenn wir mal unsicher sind, schicken wir die Bodenproben in ein Labor und haben in der Regel binnen 24 Stunden Klarheit“, erzählt mir der Leiter der Platzpflege und zeigt mir das Mikroskop in den Büroräumen der Greenkeeper. Bei der Blattanalyse, die nur bei Bedarf anfällt, geht es direkt ins Labor und kommt nach einer Woche wieder zurück.

Unter dem Mikroskop wird die Qualität der Grashalme festgestellt und mögliche Krankheiten identifiziert. (Foto: Ingo Bartels)

K.O. Kriterien für den Rasen

Zwei wichtige Aspekte nennt der Rasenexperte:
1. Ganz oben auf der Liste stehen zu wenig Beleuchtungseinheiten für den Rasen.
2. Zu viel Training auf dem Platz.
Zu viel Training ist insbesondere dann ein Problem, wenn der Platz, beziehungsweise das Stadion, städtisch ist und der Platzaustausch nicht jährlich finanziert werden kann. Beim VfL Wolfsburg gehören alle Platzanlagen der Fußball-GmbH, die selbst entscheiden kann, wann ein Platz ausgetauscht werden muss.

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