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„Gewinnen beginnt im Kopf“ – im Leben wie im Sport

  • Datum: 18. Februar 2019
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Erfolgsfamilie_Maik, Philine und Sophie Löhr in action (Bildrechte: Jörg Gruner)
Foto von Bärbel Mäkeler
Bärbel Mäkeler
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Hapkido, Taekkyon, Kummooyeh … schon mal gehört? Taekwondo, ja, diese Sportart kenne ich vom Hörensagen aus der Selbstverteidigung. In Roklum in der Samtgemeinde Elm-Asse nahe bei Schöppenstedt wohnt Maik Löhr, der gleich mehrere Kampfsportarten beherrscht. Er wurde 2018 zum Wolfenbütteler des Jahres gekürt und mich interessiert, was Maik Löhr interessiert. Ich nehme zwei Stichwörter mit: Krankenpflege und aktiver Kampfsportler.

Auf dem Weg nach Roklum, das aus Städtersicht gelinde gesagt etwas abseits liegt, frage ich mich, was jemanden antreibt, auf dem Dorf einen Kampfsportverein – nicht etwa Kaninchenzucht oder Münzensammeln – mit Leben zu füllen.

Engagement in der Pflege

Begrüßt werde ich von Familienhund Stella sowie Maik und Barbara Löhr. Bei Kaffee und Keksen beginnt Maik Löhr davon zu erzählen, was ihn beruflich umtreibt. Er spricht davon, wie gern er seinen Job als stellvertretender Stationsleiter der Krankenpfleger im Klinikum Wolfenbüttel ausübt. Dort vermittelt er einmal in der Woche ehrenamtlich chronisch schmerzkranken Patienten seine Philosophie beim sogenannten Schmerzsport. „Gewinnen beginnt im Kopf“, sagt er, „im Leben wie im Sport.“ Das gilt auch und vor allem bei schmerzgeplagten Menschen, meint er.

Maik Löhr
Maik Löhr (Foto: Bärbel Mäkeler)

„Ihr lebt hier im Paradies!“

Neben dem Fulltime-Job lebt er für den Kampfsport. Wie es dazu kam? Maik Löhr ist in Roklum aufgewachsen. Er zeigt aus dem Fenster: gleich gegenüber wohnen die Eltern. Umtriebige Vorbilder. Der Vater engagierte sich beruflich im Betriebsrat, nach Feierabend in der Kirche und bei der AWO. Die Mutter ist Altenpflegerin, das alles prägt fürs Leben. Als Junge interessiert ihn Fußball überhaupt nicht und der Vater rät ihm, doch Selbstverteidigung zu machen – und das wird sein Ding. Dort beginnt sein „Feuer für den Kampfsport“ zu lodern, das immer wieder neue Funken sprüht.

Im Gespräch erzählt er enthusiastisch von den Sportarten, als da wären: Kummooyeh, das ist koreanischer Schwertkampf und Bogenschießen mit dem Reiterbogen, verbunden mit Meditation, das intensives Training voraussetzt. Auch Teakkyon, ein koreanischer Kampfsport, gehört zu seinen Disziplinen. Dieser Sport ist sogar UNESCO-Weltkulturerbe, erfahre ich.

Ich will natürlich wissen, ob der Roklumer auch die Herkunftsländer der Sportarten besucht hat. Hat er. Mit glänzenden Augen berichtet Löhr von Reisen nach Tokio und Seoul, Begegnungen mit Meistern, die im jeweiligen Sport hierzulande mit einem Beckenbauer oder Jogi Löw gleichzusetzen sind. Ein berühmter koreanischer Meister hat Roklum sogar mal besucht und fuhr wieder weg mit den Worten „Ihr lebt hier im Paradies!“

Sports Chanbara – ein Sport für die ganze Familie

Am meisten begeistert Maik Löhr „Sports Chanbara“, die moderne Art des ursprünglichen japanischen Schwertkampfes der Samurai. Dieser Sport zählt weltweit 300.000 Player und kommt vor allem bei Kindern gut an. Im Spochan Deutschland Vorstand, Deutschlands Verband für Sports Chanbara, engagiert sich der 46-Jährige als Vice-Präsident. Seit 2009 ist er bei den deutschen Meisterschaften immer auf einem der drei Treppchen dabei. Die Sportart scheint ansteckend zu sein oder mindestens familiär vererbbar, denn beide Töchter, Sophie (20) und Philine (18), treten schon seit Jahren in seine Fußstapfen. Bei den Europameisterschaften haben sich die beiden Schwestern 2014 und Philine 2016 einen der ersten Plätze erkämpft.

Was ist es, was alle daran schätzen, frage ich vorsichtig, schließlich handelt es sich um einen Sport mit Schwertern. Ich könnte mir vorstellen, dass der Sport nicht ganz ungefährlich ist. In den asiatischen Sportarten geht es sehr respektvoll und höflich zu, erfahre ich. „Es ist ein demokratischer Sport, er ist nämlich für alle: für Jung und Alt, für Groß und Klein, für dicke und dünne Menschen, Frauen wie Männer.“

Von Schwertern und anderen Kunstwerken

Um mir die Bandbreite des Schwertsports zu veranschaulichen, holt Maik Löhr einige Schwerter und legt sie auf den Tisch. Hierbei wird im wahrsten Sinne des Wortes greifbar, dass Kampfsport völlig ungefährlich sein kann. Die ein Meter langen Schwerter sind aus unterschiedlichen Materialien. Das Luftschwert beispielsweise ist eine absolut spielerische Variante, es besteht am Griff aus festem Schaumstoff und der Rest wird aufgepumpt. Löhr legt noch andere, scharfe Schwerter aus Eisen vor mich auf den Tisch, die ich ehrfürchtig und entsprechend vorsichtig berühre. Für mich echte Highlights der Schmiede- und Intarsienkunst. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus, was für außergewöhnlich verzierte Exemplare von Schwertern bei den Löhrs zu bewundern sind. Von den kunstvollen Bogen will ich erst gar nicht reden … Sowieso ist das für mich eine andere Welt. Wörter, die ich nie gehört habe, sie mir buchstabieren lassen muss, schwirren durch den Raum und später finde ich sie noch nicht einmal im Internet!

Für jeden Sport eine Tasche

Um mal etwas pragmatischer zu werden, erkundige ich mich danach, was die Löhrs beim Sport so anhaben. Was ich denn sehen möchte, fragt mich Maik Löhr. Wie, jeder Sport hat andere Anzüge? Aber ja! Da kommt Barbara Löhr ins Spiel und kommt mit Ausrüstungsutensilien wie Helm, Arm- und anderen Schützern bepackt zurück. Dafür gibt’s jeweils passende Taschen in ungewöhnlichen Formen und alle drei Aktiven der Familie haben natürlich eine Tasche je Sportart. Ich kenne nur gewöhnliche Sporttaschen und Golfbags …

Zur Ausrüstung beziehungsweise zur Kleidung gehören im Kampfsport auch die Gürtel, die etwas über den Rang ihres Trägers aussagen. Maik Löhr hat den schwarzen Gürtel in allen genannten Sportarten. Auf einen Gürtel ist Maik Löhr besonders stolz, es ist der schwarze Gürtel des World-Kommooyeh-Verbandes mit offiziellem Logo und seinem Rang: „Head Instructor“.

Die Erfolgsfamilie Löhr wird nie frieren, geht es mir durch den Kopf – bei den vielen T-Shirts, Jacken, Anzügen, die alle mit Logos der unterschiedlichen Sportarten und des Yong-Vereins Wolfenbüttel bedruckt oder bestickt sind.

Schwarzer Gürtel
Schwarzer Gürtel (Foto: Bärbel Mäkeler)

Der Yong-Verein Wolfenbüttel – von Meditation bis Schwertkampf

Apropos Yong-Verein Wolfenbüttel: Es scheint ein aktiver Verein zu sein und auf meine Frage hin, wie viele Frauen denn mitmachen, bin ich erstaunt. Der Verein zählt 48 Frauen und 83 Männer, die das lebendige Vereinsleben mit Zeltlagern und saisonalen Feiern zelebrieren. Sicherlich hat der Verein durch seine äußerst zivilen Preise für Kinder und Familien solch hohen Zulauf. Es würde mich nicht wundern, wenn Maik Löhr bei der Festlegung der Beiträge seine Finger im Spiel gehabt hätte…

Eigentlich nur so aus Gag, um das seitenfüllende, mit Infos vollgepackte Gespräch langsam zu beenden, frage ich, was Löhr denn sonst noch so macht oder gemacht hat. Da muss der engagierte Löhr nicht lange nachdenken: Kulturausschuss Gemeindearbeit, Jugendarbeit, Zeltlager ... Ich klappe meine Kladde zusammen und kann nur zusammenfassen: Was für ein Engagement! Bleibt da noch Zeit für Ehefrau Barbara? Da gucken die beiden sich an und grinsen: „Ja, donnerstagabends“, da haben beide nichts vor.

Ich hinterlasse Familie Löhr ein Chaos an Schwertern, Bogen und Werbematerialien auf dem Esstisch, Sporttaschen auf dem Teppich, an Türen hängenden Anzügen … spannend war’s! Danke für den Einblick in eine ganz andere Welt – und das in Roklum an der Asse.

Eigene Logos
Eigene Logos (Foto: Bärbel Mäkeler)

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