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Wasservergnügen und Wasserversorgung - Die Talsperren im Harz

  • Datum: 11. Juni 2020
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Ein Stausee mit Bergen im Hintergrund im Landkreis Goslar. (Bildrechte: Harzwasserwerke)
Foto von Klaus Sievers
Klaus Sievers
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Die Eckertalsperre ist mir die liebste von allen Talsperren im Harz. Der kleinste und älteste Stausee unserer Region liegt malerisch unterhalb des Brockenmassivs, umrahmt von Bergen, felsigen Klippen, dunklen Wäldern und grünen Wiesen. Hier ist es immer ruhig. Kaum zu erahnen, welch vielfältige Funktionen die Talsperren erfüllen.

Zuständig für die Eckertalsperre sowie die Grane- , Innerste- und Okertalsperren sind die Harzwasserwerke. In unserem Mittelgebirge gibt es aber noch mehr, sogar überdurchschnittlich viele Talsperren.

Eine der niederschlagsreichsten Regionen Deutschlands

„Das liegt daran, dass der Westharz eine der niederschlagsreichsten Regionen in Deutschland ist“, klärt mich Norman Droste auf, Sprecher der Harzwasserwerke.

Deshalb dienen die Talsperren zunächst auch dem Hochwasserschutz, um Überflutungen des Harzvorlandes zu verhindern. Zugleich versorgen sie zwei Millionen Menschen in weiten Teilen Niedersachsens mit bestem, weil sehr weichem Wasser.

In Kraftwerken unterhalb der Staumauern wird zudem umweltfreundlicher Strom aus Wasserkraft erzeugt. Und natürlich bieten alle Talsperren wunderbare Freizeit- und Sportmöglichkeiten und sind damit attraktive Ausflugsziele, nicht nur in diesem urlaubsarmen Corona-Sommer.

 

Die vielfältige, bergige Landschaft im Landkreis Goslar wird vom Brocken dominiert.
Die vielfältige Harzlandschaft mit ihren Talsperren wird vom Brocken dominiert. (Foto: Harzwasserwerke)

„Trinkwasserversorgung für die nächsten Monate gesichert“

Ich habe den Eindruck, dass die Talsperren derzeit relativ voll sind - zumindest im Vergleich zu den trostlosen, leeren Bildern der Dürresommer in den beiden Vorjahren.

„Der Winter war zwar trocken, aber es gab dann einige regenreiche Wochen im Februar und März “, erklärt Droste. Die vier Talsperren sind derzeit zwischen 56 und 84 Prozent gefüllt. Droste: „Selbst wenn der Sommer erneut trocken und sehr heiß wird, ist die Trinkwasserversorgung für die nächsten Monate gesichert.“

Das liegt auch an einem cleveren und durchdachten Wassermanagement, welches drei Talsperren und einige kleine Flüsse in einem Verbundsystem miteinander vernetzt.

Zwei blaue Röhren verlaufen in einem Tunnel.
Im Wasserwerk der Granetalsperre. Von hier werden Städte in weiten Teilen Niedersachsens mit Trinkwasser versorgt. (Foto: Harzwasserwerke)

Wichtigster Trinkwasserspeicher: Die Granetalsperre

Zentraler „Trinkwasserspeicher“ ist die Granetalsperre, hinter deren Staudeich das größte Wasserwerk Niedersachsens arbeitet und das Wasser über große Leitungen bis hinunter nach Bremen „schickt“.

Von der Okertalsperre führt ein 7,5 Kilometer langer unterirdischer Stollen zur Granetalsperre, durch den bei Bedarf Wasser abgeleitet werden kann.

Von der Innerstetalsperre kann gegebenenfalls Wasser über eine Druckrohrleitung in die Grane-Sperre gepumpt werden. Und schließlich führt vom Flüsschen Radau oberhalb von Bad Harzburg ein Stollen zum Oker-Grane-Stollen. Mit diesem Verbundsystem kann die Trinkwasserversorgung optimal gesteuert, Schwankungen in einzelnen Talsperren ausgeglichen werden.

Weil aus der Oker- und Innerstetalsperre direkt kein Trinkwasser gewonnen wird, sind hier viele Freizeitaktivitäten auf dem Wasser und am Ufer erlaubt. Bei der Grane-Trinkwassertalsperre sind sie dagegen eingeschränkt.

Wald, Wiesen, ein Stausee und im Hintergrund der Brocken.
Die Eckertalsperre. Im Hintergrund der Brocken. (Foto: Harzwasserwerke)

Auf der Eckertalsperre: Eine Mauer auf der Mauer

Auch die Eckertalsperre dient der Trinkwasserversorgung. Sie ist für mich auch wegen ihrer Geschichte etwas Besonderes. Gebaut 1943, verlief mehr als vier Jahrzehnte die innerdeutsche Grenze mitten durch den Stausee, teilte sogar die Staumauer.

Auf der Staumauer stand eine Mauer, mit Eisenspitzen und Stacheldraht gesichert. Der westliche Teil der Staumauer war frei zugänglich. Ich habe bei Wanderungen oft einen Abstecher dorthin gemacht, bin vor der Mauer gestanden und habe nach „drüben“geschaut - und dort, auch am Ufer, nie jemanden gesehen. Es war eine unheimliche Stimmung an einem doch landschaftlich friedlichen Ort.

„Es war eine unheimliche Stimmung an einem doch landschaftlich friedlichen Ort."

Ein Grenzstein auf einer Staudamm-Mauer.
Der ehemalige Grenzstein erinnert an die frühere Grenze: Hier stand auf der Mauer der Eckertalsperre eine Grenzmauer. (Foto: Harzwasserwerke)

Steiler Aufstieg auf den Brocken

Unterhalb der Staumauer steht das Wasserwerk, das damals zum Westen gehörte und noch heute unsere Region mit Trinkwasser versorgt, vor allem die Städte Goslar, Wolfenbüttel, Braunschweig und Wolfsburg. Für mich ist die Eckertalsperre und ihre Umgebung eines der schönsten Wandergebiete im ganzen Harz. Auf beiden Seiten kann man (auch auf dem Bike) wunderbare Touren machen, hinauf zum Torfhaus oder auf den Brocken. Sehr lohnenswert ist auch der zehn Kilometer lange Rundweg um die Talsperre.

Der Aufstieg zum Brocken ist schon anstrengend. Hinter der Staumauer beginnt ein Weg, der oberhalb des Stausees zur Scharfenstein-Klippe führt. Hier stand früher eine Kaserne für Grenzsoldaten, heute gibt es eine Rangerstation. Dort beginnt über den früheren militärischen Kolonnenweg, direkt an der ehemaligen Grenze, der steile Aufstieg. Von Bad Harzburg auf den Brocken sind es rund 14 Kilometer mit einem Höhenunterschied von mehr als 1000 Meter - mehr geht im Harz nicht.

Ein Waldbach, über den sich eine Brücke spannt. Darauf stehen zwei Menschen.
Schöne Wanderung an der Ecker, dem Quellfluss der Talsperre. (Foto: Harzwasserwerke)

Okertalsperre: Segeln, Baden, Tauchen

Die Okertalsperre ist die größte Talsperre im Westharz und offen für viele Freizeitaktivitäten. An der Westseite führt eine Bundessstraße nach Altenau, auf der Ostseite gibt es einen asphaltierten Forstweg. So kann man zu Fuß, per Bike oder Skates eine abwechslungsreiche Rundtour um den größten Stausee-Arm machen, die 18 Kilometer lang ist.

Stille Seitentäler mit Quellflüssen bieten auf der ruhigen Ost-Seite Möglichkeiten für Abstecher, etwa in das romantische Kalbe-Tal, dessen Forststraße bis fast hinauf zum Torfhaus führt. Auf der Straßen-Seite gibt es dafür mehrere Ausflugslokale, unter anderem den bekannten Windbeutelkönig.

Auf der Talsperre sind Segeln, Ruderboot oder Kanu fahren erlaubt, am Bootshaus der TU Clausthal gibt es einen entsprechenden Boots-Verleih. Von April bis November kann man sich auch fahren lassen: Dann schippert der Ausflugsdampfer „Aquamarin“ über den Stausee.

Außer in der Nähe der Staumauer darf auch überall gebadet werden - allerdings sind die Ufer häufig steil und steinig. Zugleich ist die Talsperre ein ganz besonderes Tieftauch-Revier: Im West-Arm des Stausees können geübte Tieftaucher bis zu den Gebäude- und Mauerresten des ehemaligen Ortes Schulenberg tauchen, der mit dem Bau der Talsperre ab 1954 aufgegeben und dann geflutet worden ist. Für solche Tauchgänge ist allerdings eine Anmeldung beim Tauchsport-Landesverband Niedersachsen nötig.

Die Innerste-Talsperre bietet ähnliche Freizeitmöglichkeiten. Das Baden ist hier aber bequemer, weil die Ufer flacher und weicher sind. Beliebt ist die Talsperre auch bei Anglern.

Das Ufer eines Stausees, auf dem Wasser ein Schlauchboot.
Der Oderteich im Landkreis Goslar eignet sich auch wunderbar zum Baden oder Bootfahren. (Foto: Harzwasserwerke)

Wandern und Biken rund um die Granetalsperre

An der Granetalsperre gibt es „nur“ Wander- und Radfahrmöglichkeiten, dafür aber ausgesprochen schöne und ruhige Touren. Eine asphaltierte Forststraße führt rund um den Stausee und ist knapp 15 Kilometer lang. Auch hier kann man Abstecher in stille Seitentäler machen. Am Ende des Ost-Armes des Stausees beginnt ein Forstweg, der durch das beschauliche Granetal hinauf nach Hahnenklee führt - für mich eine der schönsten Wandertouren im Westharz.

Ein Stausee mit Bergen im Hintergrund im Landkreis Goslar.
Die Granetalsperre im Landkreis Goslar: Eine wunderbare Welt aus Wasser und Bergen. (Foto: Harzwasserwerke)
UNESCO-Weltkulturerbe

Oberharz: Baden in 50 Teichen

Die Harzwasserwerke sind auch für das Oberharzer Wasserregal zuständig, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Das ist ein einzigartiges System von 150 Teichen, 500 Kilometern Wassergräben und 31 Kilometern unterirdischen Wasserläufen. Das ganze System wurde vom 16. bis 19. Jahrhundert einzig mit dem Ziel geschaffen, Wasser zu sammeln, zu speichern und in die Bergwerke zu leiten. Dort trieb es große Wasserräder an, mit deren Energie Erze gefördert und Grubenwasser nach oben gepumpt wurde.

Diese Teich- und Grabenlandschaft im Oberharz ist ein wunderbares Wander-und Bike-Revier. In rund 50 Teichen darf man heute auch baden. Ein Tipp: Der Kiefhölzer-Teich nahe Festenburg, an der Straße zwischen Clausthal- und Altenau. Der große Badeteich mit flachem Ufer wird von einer großen Wiese mit Bäumen gesäumt - ideal für Familienausflüge.

Mein Favorit aber ist der Oderteich. Eigentlich ist es ein Stausee, der 1722 fertiggestellt wurde und 170 Jahre lang die größte Talsperre in Deutschland war.

Heute werden mit seinem Wasser noch kleine Wasserkraftwerke in St. Andreasberg betrieben. Ansonsten bietet er viel Natur und einen rustikalen, 4,5 Kilometer langen Rundwanderweg. Wer sich danach abkühlen will, sollte in der abgetrennten Badezone ein Bad im kühlen und dunklen Moorwasser des Stausees genießen.