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Aus Verantwortung für die nächste Generation - Der WaldfürMorgen e.V.

  • Datum: 17. November 2021
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Stäbe, an deren Ende Bäume gepflanzt wurden und werden. (Bildrechte: Verena Sohns)
Foto von Verena Sohns
Verena Sohns
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„Aus Forschungen weiß man, dass Panikmache und Negativdarstellungen zum Klimawandel eher zu Ablehnung und Verleugnung führen“, sagt Gertrude Endejan-Gremse. Sie ist Vorsitzende des Vereins Waldfürmorgen e.V.. Ihr Verein will positiv motivieren - durch Erleben und Handeln. Ein Interview.

Waldfürmorgen e.V. wurde im Januar 2020 in Goslar als Organisationsplattform von 18 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Rechtzeitig zum Goslarer Stadtjubiläum 2022 möchte Gertrude Endejan-Gremse ein besonders ehrgeiziges Projekt umsetzen - jedes Kind der Stadt soll einen eigenen Baum zu pflanzen können und so ein Leben lang mit Goslar verbunden sein.

Das Logo des Vereins WaldFürMorgen e.V.
Das Logo des Vereins WaldFürMorgen e.V. (Foto: WaldFürMorgen e.V.)

Wie entstand diese Idee, was war der Auslöser?

Vor zwei Jahren wurde die 50-Pfennig-Münze, die eine Kulturfrau darstellt, 70 Jahre alt. Die Kulturfrauen haben eine gigantische Aufforstung nach dem Krieg bewerkstelligt.
Die heutige Situation löste bei uns die Frage aus: Wie ist es mit der Verantwortung unserer Generation? Was können wir tun?

Geleitet hat uns, verbunden mit dem bevorstehenden Stadtjubiläum, die Idee, Kindern und Jugendlichen den Wald vor der Haustür näher zu bringen, die Verantwortung für die Natur und für den für uns Menschen so notwendigen Wald.

So wurde im Sommer 2019 die Idee zur Vereinsgründung geboren. Zweck des Vereins ist die Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege sowie die Bildung von Bewusstsein über die Natur und Verbreitung von Wissen über Wald, Baum und Klimawandel.
Dazu haben wir Mitstreiter gesucht und gefunden: Die Stadt Goslar, der Stadtforst, die Bürgerstiftung und der Künstler Andreas Greiner waren von Anfang an mit im Boot.

Sie haben mittlerweile noch sehr viel mehr Unterstützer und Förderer gewonnen. Ist der Verein ganz bewusst als lokales Projekt auf die Region, auf Goslar ausgerichtet?

Ja, es geht ganz bewusst um die Identifikation mit dem Goslarer Stadtwald, in dem wir die Umweltbildung hautnah, sichtbar und erlebensnah durchführen können.
Der Goslarer Stadtwald hat wie viele andere Wälder mit Folgen des Klimawandels, Borkenkäferbefall und Stürmen, zu kämpfen.

Ein Holzschild mit dem Logo des Vereins auf der ersten Pflanzfläche.
Ein Holzschild mit dem Logo des Vereins auf der ersten Pflanzfläche. (Foto: Verena Sohns)

Wie kann man aus Ihrer Sicht Naturbewusstsein und Naturerfahrung vermitteln, ohne Ängste zu schüren?

Durch positives Erleben, das ist ein Prinzip waldpädagogischer Arbeit - durch die handwerkliche Betätigung, in der Natur sein und die Möglichkeit, Wissen durch praktisches Erleben zu erwerben, verbindet sich innerlich diese Erinnerung mit dem Thema Verantwortung für unsere Umwelt positiv.
Inzwischen gibt es zahlreiche Pflanzaktionen und Bemühungen, das Umweltbewusstsein der Jugend aktivieren.

Angesichts Fridays for Future und anderen Bewegungen – müssten nicht eigentlich die Erwachsenen stärker sensibilisiert werden? Wie binden Sie die Eltern und Lehrer/innen ein?

Wir haben im letzten Jahr die künstlerisch gestaltete Fläche im Wesentlichen mit Kindern und ihren Eltern an Samstagen und Sonntagen bepflanzt und dort mit in vielen Gesprächen und Aktivitäten wie Baumscheiben sägen, sie bemalen und verteilen die Familien erreicht.
Daraus ist ein großes Interesse entstanden, auch von Vereinen und Firmen, selber Hand anzulegen und für den Wald etwas zu tun! Inzwischen wurden zusätzlich 40 Hordengatter gebaut.

Viele Menschen sind in den Wald gekommen, haben die zerstörten Flächen wahrgenommen und erlebt, welche Arbeit und Freude es macht, in die kahlen Flächen neue Bäume zu pflanzen.  
Auf diese Weise setzen sie sich mit dem Mischwald auseinander und haben das Gefühl, etwas tun zu können. Die Bereitschaft der Menschen, etwas beizutragen, ist ungeheuer groß. Das wirkt sich mit Sicherheit auch auf ein klimabewusstes Leben aus.

Stäbe, an deren Ende Bäume gepflanzt wurden und werden.
Jeder Stab steht für einen neuen Baum. (Foto: Verena Sohns)

Sollen in Zukunft weitere Waldflächen bepflanzt werden oder gibt es noch andere Ideen?

Wir haben für diese Pflanzperiode noch etliche Anfragen für weitere Hordengatter. Die bepflanzten Flächen müssen gepflegt werden; das gemeinsame nachhaltige Kümmern braucht Zeit und Kraft.
Mit dem Achtsamkeitspfad können wir weitere Aktivitäten organisieren, vielleicht auch zusätzliche Angebote für Touristen machen.

Die Idee, vor Ort „Klimakönner“-Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher anzubieten, ist auch schon länger vorhanden. Da wir aber ein kleiner Verein von Ehrenamtlichen sind, sind unsere Möglichkeiten beschränkt. Wir hoffen, weitere Mitstreiter zu gewinnen.

Ist zum Goslarer Stadtjubiläum eine besondere Aktion geplant?

Das lassen wir kreativ auf uns zukommen. Unsere Aktivitäten laufen das ganze Jahr über - bis Ende April pflanzen wir im Rahmen von Waldaktionstagen mit Klassen, es gibt Pflegetage, Ferienpassangebote und vieles mehr.

Auf einen Termin freuen wir uns besonders: Am 24. April 2022 findet um 15 Uhr ein Gottesdienst auf der Fläche statt - zum Dank für die erfolgten Pflanzungen und zur Bitte um Gottes Segen. Das Leitthema ist der Mönch Franz von Assisi mit seinem Sonnengesang. Dazu werden Konfirmanden Bilder malen, die auf der Fläche an den Gattern den Rückweg entlang aufgehängt werden.

Infoschild am Zugang eines Waldweges.
Auf dem Weg zur Pflanzspirale – Flächen des Vereins Wald für morgen. (Foto: Verena Sohns)

Ausprobiert: Der neue Achtsamkeitspfad

Am Wanderheim in Wildemann bei Goslar lädt ein kurzer Rundweg dazu ein, eine Mini-Auszeit zu nehmen. An sechs Stationen, die jeweils mit einem Schild gekennzeichnet sind, sollen Waldbesucher ganz bewusst den Wald atmen, sehen, fühlen und hören.

Wir starten unsere kleine Wanderung am ersten Schild. Um zu erfahren, was es mit den Stationen genau auf sich hat, haben wir die dazugehörige Audiodatei angetippt. Eine freundliche Stimme leitet uns an und wir atmen tief ein und aus. Zur Ruhe kommen.

Der kurze Pfad ist eine nette Einladung, einmal ganz bewusst und in Ruhe die herbstlich verfärbten Bäume zu betrachten, die Hand auf die raue Rinde eines Baumstammes zu legen oder deutlich zu hören, wie laut das Laub unter den Füssen raschelt. Die Station Hören verlangt allerdings ein selektives Gehör oder hohe Konzentration, wenn man Waldgeräusche wahrnehmen will. Etwas ungünstig gegenüber der Straße platziert, bleibt es nicht aus, dass eher der vorbeirauschende Autoverkehr im Ohr bleibt. Aber vielleicht hört man auch nur was man gewohnt ist.

 

 

Weiter geht es, entlang alter Nadelbäume und bemooster Hänge. Eine Bank am Fluss lädt zu einer Rast ein. Für Besucher ist der Pfad eine schöne Einstimmung für die nächste Wanderung, auf der man gleich alle Sinneserfahrungen noch einmal anwenden kann. Nicht denken oder planen, einfach mal sich selbst und die Natur wahrnehmen, wie sie gerade in dem Moment ist.  Wer achtsam ist, kann solche Empfindungen überall erleben und sollte dafür das Handy bewusst einmal im Rucksack lassen.