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„Typisch Harz“: Wildbratwürste, Edelkorn und 500 andere Dinge

  • Datum: 8. März 2021
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Blick in die Brennblase der Klosterbrennerei Wöltingerode. (Bildrechte: Bernd Gottsleben)
Foto von Klaus Sievers
Klaus Sievers
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Was ist typisch Harz? Als gebürtiger Harzer fällt mir einiges dazu ein - was Lebensart, Feste, Speisen oder Produkte betrifft. Doch ein Blick auf die Internet-Seite „Typisch Harz“ zeigt mir, dass ich noch viel dazulernen kann.

Derzeit sind mehr als 500 hochwertige Produkte und Dienstleistungen mit dem Qualitätssiegel zertifiziert, welches vom Harzer Tourismusverband organisiert und betreut wird. Einige davon sind für mich im engeren Sinne nicht wirklich typisch für den Harz, aber sei es drum: Der Kampagne geht es vor allem darum, Interesse für Produkte aus dem Harz zu wecken und damit für den Harz insgesamt zu werben - bei den Einheimischen, aber natürlich vor allem bei den vielen Besuchern aus dem In- und Ausland.

„Wir wollen damit ein regionales Bewusstsein für Harztypische Produkte schaffen, deren Bekanntheitsgrad auch über die Region steigern und regional nachhaltige Wirtschaftskreisläufe fördern und stärken“, stellt Carola Schmidt fest, Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes.
Bisher sind 69 Betriebe aus dem gesamten Harz mit ihren Produkten dabei, wie bewerten diese die Kampagne? Ich habe bei einigen nachgefragt.

Die Antworten waren durchweg positiv. Der Tenor: Die Idee einer Regionalmarke ist gut, das Konzept ist schlüssig, der Tourismusverband sei mit seinen Marketing-Aktivitäten sehr rührig, die Betriebe profitierten davon.

Das Logo für das Label „Typisch Harz“
Das Logo für das Label „Typisch Harz“ (Foto: Harzer Tourismusverband)

Von der Schmorwurst bis zum Naturstrom

Mit seinem breiten Ansatz spiegelt das Label inzwischen auch die Vielfalt der Wirtschafts- und Tourismusregion Harz wider. Da gibt es zunächst die Klassiker, etwa den Kräuterlikör „Schierker Feuerstein“, das Harzer Rote Höhenvieh oder auch echte Buchenholzkohle von einer Originalköhlerei bei Hasselfelde.
Ansonsten reicht das Spektrum von der Harzer Schmorwurst über Honig vom Klostergut, Gosebier aus Goslar oder Baumkuchen aus Wernigerode bis zum Naturstrom, der vor allem auf Harzer Wasserkraft setzt.

Die Auszeichnung „Typisch Harz“ wird in neun Kategorien vergeben, vor allem für tierische oder pflanzliche Lebensmittel. Es werden auch ganze Betriebe für ihre gastronomischen Konzepte zertifiziert - beispielsweise das Brauhaus Goslar, die Marienteichbaude in Bad Harzburg, der Klosterkrug in Wöltingerode oder das Rodelhaus in Braunlage mit seinem Slow-Food-Konzept. Leider sind sie derzeit coronabedingt alle geschlossen.

Einige Betriebe haben das Label auch für spezielle Harzer Speisen bekommen. Meine Empfehlung: Wildbratwürstchen „Propst Antonius“ mit Cassissenf, die im Klosterkrug serviert werden.
Und schließlich werden auch traditionelle Harzer Handwerke zertifiziert: Etwa die Glasmanufaktur Derenburg, einige der wenigen noch produzierenden Mundglashütten in Deutschland, oder die Töpferei Harz-Keramik in Altenau, die schöne Tier- und Holzmotive auf ihren Tassen und Schalen anbietet.

Das Brauhaus Goslar gleich am Marktplatz. (Foto: privat)

Die besondere Geschichte des Harzer Roten Höhenviehs

Eine besondere Geschichte ist für mich die des Harzer Roten Höhenviehs. Es ist eine der ältesten und ursprünglichsten Nutztierrassen in Deutschland. Es graste jahrhundertelang auf den Harzer Bergwiesen, war dann vor 50 Jahren fast ausgestorben. Engagierte Züchter haben sie wiederbelebt, etwa Daniel Wehmeyer vom Biohof Düna bei Osterode oder der Brockenbauer Uwe Thielecke in Tanne, beide ebenfalls Teil der Kampagne „Typisch Harz“. Das magere und geschmacksstarke Fleisch des Höhenviehs wird heute in einigen Harzer Lokalen serviert - beispielsweise im Rodelhaus Braunlage.

Und wie bekommt man das Label „Typisch Harz“? Jeder Betrieb aus einem der fünf Harzer Landkreise kann beim Harzer Tourismusverband einen Antrag stellen. Er muss Produktionsunterlagen und Herkunftsnachweise dazu liefern. Dann entscheidet eine Expertenkommission, der Vertreter von Agrarmarketinggesellschaften, Tourismusverbänden sowie von beteiligten Betrieben angehören. Das Label wird für drei Jahre verliehen, kann aber verlängert werden.
Die Bedingungen: Die Produkte müssen aus dem Harz stammen, sollten eine gewisse Tradition haben und sie sollten möglichst nachhaltig produziert werden.

„In der Region gut leben“

Tatsächlich sind viele Traditionsbetriebe und Traditionsprodukte auf der Liste der Regionalmarke aufgeführt. Einige gib es schon seit Jahrhunderten - beispielsweise den Bad Harzburger Mineralbrunnen oder die Korn-Schnäpse der Klosterbrennerei Wöltingerode.

Ein Traditionsbetrieb ist auch die Fleischerei Kluß in der Goslarer Altstadt. Fleischermeister Henning Kluß führt den 100 Jahre alten Betrieb in der vierten Generation und setzt bei den Wurstspezialitäten auf überlieferte Familienrezepte. Bei der Regionalmarke ist er mit mehreren Produkten dabei, etwa mit der Harzer Schmorwurst, dem Goslarer Bierbeißer oder der Goslarer Biersalami.

„Die Regionalmarke Typisch Harz zeigt, dass man gerade in der Region gut von- und miteinander leben kann“, meint Kluß. Das sei in diesen ökobewussten Zeiten eines nachhaltigen Wirtschaftens schon wichtig. „Wir nutzen nicht nur die Regionalmarke, sondern stellen auch unsere eigene Marke immer mehr auf verlässliche regionale Produkte um. Wir beziehen unser Fleisch aus der Region, die Aufzuchtbetriebe sind Neuland-zertifiziert“, sagt Kluß, der in seinem Laden übrigens auch „Typisch-Harz“-Produkte von anderen Betrieben verkauft.
Noch fehle ihm etwas das Miteinander der Beteiligten, er hoffe aber auf Nachahmer.

Die Regionalmarke könne - so meint Kluß - dazu beitragen, den Harz und seine Produkte bundesweit und international bekannter zu machen. Leider konzentriere sich das kulinarische Interesse immer noch auf nur einige wenige deutsche Regionen.

„Das kulinarische Interesse beschränkt sich leider nur auf sehr wenige deutsche Regionen."

Fleischermeister Henning Kluß, Goslar

Ähnlich denkt auch Braumeister Odin Paul. Er ist Chef des Brauhauses Goslar, das in einem 300 Jahre alten denkmalgeschützten Haus gleich am Marktplatz sitzt. Das Label „Typisch Harz“ könne helfen, das immer noch etwas altbackene Image des Harzes abzubauen, weil es „die Landschaft  und die tollen hier hergestellten Produkte bewirbt und in den Fokus rückt“.

In seiner Brauereigaststätte braut Paul normalerweise nach traditioneller Art spezielle Biere, auf der Speisekarte stehen möglichst nur Produkte, die aus der Region kommen. Zertifiziert wurden die Biersorten Helle Gose, Dunkle Gose und das Rammelsberger Pils.

Ein Bierglas mit dunklem Bier.
Rammelsberger Pils, eine Spezialität des Brauhauses Goslar. (Foto: Klaus Sievers)

Brände und Liköre aus der Klosterbrennerei

Mit einer ganzen Batterie von Bränden und Likören befeuert die Klosterbrennerei Wöltingerode das Label „Typisch Harze“ und kann dabei auf eine jahrhundertealte Tradition bauen. Hergestellt werden die Spirituosen aus Getreide von den eigenen Feldern des Klostergutes, aus eigenem Brunnenwasser und in speziellen kupfernen Brenngeräten.
Das ausgezeichnete Angebot reicht vom Edelkorn „Propst Johannes“ über den Wodka „Eisbrecher“ bis zum feinen Likör „Harzipan“.

Im eigenen Hofladen, der auch in Corona-Zeiten geöffnet ist, können diese Spirituosen, aber auch Wurstwaren und andere landwirtschaftliche Produkte gekauft werden.
Nicht nur die Brennerei, sondern das gesamte Klostergut ist meiner Meinung nach immer einen Tagesausflug wert.

 

 

Ein Traditionsunternehmen ist auch das Café Peters in Bad Harzburg. Es ist eine Institution in der Kurstadt - schon meine Großmutter hat hier mit ihren Freundinnen Kaffee getrunken und von den leckeren Torten genascht.

Die Spezialität des Hauses seit fast 100 Jahren: Die Sponblätter, eine zarte Versuchung aus einer kross gebackenen Mandel-Marzipan-Masse, die mit einer Edel-Zartbitterkonfitüre überzogen wird. Weil die Blätter durch das Backen gebogen sind, sehen sie aus wie Späne - auf Harzer Platt heißt das Spone.

„Durch die Zertifizierung Typisch Harz wurde unser bereits besonderes Produkt noch einmal aufgewertet und einem noch breiteren Kundenkreis  zugänglich gemacht“, meint Iris Ellinghaus, die mit ihrem Mann das Traditionshaus heute führt. Das Café hat derzeit coronabedingt geschlossen, ein Laden mit vielen Köstlichkeiten der Konditorei hat aber von Freitag bis Sonntag geöffnet.

„Genuss mit Aussicht“ auf dem Baumwipfelpfad

Carola Schmidt hat schon einige Aktionen und Veranstaltungen für dieses Jahr geplant, um die Regionalmarke zu unterstützen.
Sofern die Pandemie-Situation es zulässt, sollen einige interessante Veranstaltungen stattfinden. In Bad Harzburg ist zum Beispiel im Juli ein Fest unter dem Motto „Genuss mit Aussicht'“ geplant, das abends auf dem  Baumwipfelpfad stattfinden soll. Auf der 100 Meter langen Strecke in luftiger Höhe werden sich Betriebe mit Kostproben ihrer Produkte vorstellen. Dazu gibt es Live-Musik. Es könnten schöne kulinarische Stunden in einer lauen Sommernacht werden.
Die Eintrittskarten sind limitiert, der Vorverkauf soll im Mai beginnen.

Drücken wir die Daumen.

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