Zum Inhalt springen

Stadionfunk Eintracht Braunschweig: Nur noch feiern …

  • Datum: 17. Mai 2022
  • Kommentare: 0
Eintrachtfans stehen auf dem Rasen des Stadions. (Bildrechte: Kay Rohn)
Foto von Kay Rohn und Malte Schumacher
Kay Rohn und Malte Schumacher
Alle Beiträge (52)

Am Samstag war Viktoria Köln zu Gast im Eintracht-Stadion. Ein Spiel, zwei Perspektiven. Unsere Regionäre Malte Schumacher und Kay Rohn berichten.

So feierten die Fans nach dem Spiel

Malte Schumacher:

Quarantäne-Absonderungsverordnung

Der Matchday ist der letzte Tag meines vom Gesundheitsamt angeordneten Quarantäne-Zeitraums – am 9. Mai wurde ich positiv auf Corona getestet. Ich hatte/habe eher leichte Symptome, einen eher milden Verlauf – ich kann also nicht klagen. Dank des Siegeswillens im eigenen Überlebenskampf in Liga 3 hat Viktoria Köln mit dem völlig unerwarteten 2:0-Heimsieg gegen Lautern am 8. Mai obendrein dafür gesorgt, dass es heute im Eintracht-Stadion um nichts mehr geht – außer um’s Feiern. Nur leider: ohne mich.

Auch schade ist, dass sich gute Freunde als Stadion-Gäste angesagt haben für heute: Martin, der gerade von München nach Berlin umgezogen ist, und Schorse, der zum ersten Mal seit langer Pandemie-Zeit mal wieder aus Rio de Janeiro nach Europa/Braunschweig reisen kann. Tja, dumm gelaufen – treffen kann/soll/darf ich die beiden nicht. Schon gar nicht im Stadion. Ich zelebriere also nochmal und ganz alleine einen „Sofa-Aufstieg“. Martin schickt schon früh am Mittag ein erstes Bild aus dem Business-Bereich – er ist dort Kay in die Arme gelaufen …

Eintracht-Stadion – jetzt und immer!

Ich erwerbe derweil online ein 1923er-Paket im Rahmen der „Stadion-Namensretter-Kampagne“ der Eintracht. Hintergrund: Die Stadt Braunschweig als Eigentümerin des Eintracht-Stadions muss die Namens-Rechte neu vermarkten, und ein breites Bündnis von Menschen und Institutionen aus der Eintracht-Familie hat ein Crowdfunding-Projekt dafür aufgelegt. So kann sich jeder nach seinen Möglichkeiten daran beteiligen, dass wir auch weiterhin ins „Eintracht-Stadion“ gehen können. Ich find’s gut, ich bin gern dabei.

Jan-Hendrik Marx ist ein Guter

Gegen 13.15 Uhr wird „Magenta-Experte“ Jan-Hendrik Marx eingeblendet, und ich starte mit meinen Ansalyse-Gedanken. Denn der Bursche war ein wichtiger Transfer im Winter, auf der Rechtsverteidiger-Position war ganz dringend Handlungs-Bedarf. Und alleine an ihm ist meiner Meining nach die gute Arbeit von Michael Schiele erkennbar: Er hat Marx Zeit dafür gegeben, sich zu entwickeln, sich festzuspielen. Und wohl scheint er sich hier auch zu fühlen, sagt er gerade.

Ein Mann in einer Vereinsjacke gibt ein Interview.
Jan-Hendrik Marx leistet Malte gerne Gesellschaft. (Foto: Malte Schumacher)

Michael Schiele und die Eintracht – das passt!

Überhaupt, dieser Trainer – der passt zu uns wie die Faust auf’s Auge. Zusammen mit Peter Vollmann, Dennis Kruppke und vielen anderen hat Michael Schiele ziemlichg schnell eine verschworene Mannschaft gebildet, die für mich unerwartet den sofortigen Wiederaufstieg geschafft hat. Unser Zweitliga-Mit-Absteiger Würzburg fällt noch tiefer, die Kickers müssen runter in das Massengrab Regionalliga. Und der andere Zweitliga-Mit-Absteiger Osnabrück hatte mit dem Aufsteigs-Rennen nur mal ganz kurz wirklich was zu tun. Die Eintracht dagegen hat einigermaßen verlässlich gepunktet.

Aktuell: Deutschlands Fahrstuhl-Mannschaft Nummer 1

Die Aufgabe unseres Trainers ist nun, die Eintracht in Liga 2 dauerhaft zu etablieren. Im Moment sind wir Deutschlands Fahrstuhl-Mannschaft Nummer 1: 2011 sind wir in Liga 2 aufgestiegen, und seitdem ging es in elf Jahren sechs mal rauf oder runter für uns, inklusive des einjährigen Praktikums in Liga 1. Das macht mürbe, und das bietet keine Grundlage dafür, konsolidiert und gefestigt etwas Fundiertes aufzubauen. Zudem ist dies auch ein Image, auf das ich gern verzichten kann: die Fahrstuhl-Truppe von der Oker …

Was ist nun zu tun?

Der Kader ist so zu verstärken, dass wir von Beginn an mithalten können in Liga 2 ab dem 15. Juli. Unsere Konkurrenten um den Klassenerhalt werden sein: Magedeburg, Regensburg, Sandhausen, Rostock, Karlsruhe sowie Lautern oder Dresden. Was wir dafür brauchen, ist Investitions-Bereitschaft. Diese wurde in den letzten Tagen von allen Beteiligten auch bereits zugesichert. Zudem wird unser Budget nun wieder wachsen – so steigen z.B. die TV-Einnamen von unter 1 Million in der Dritten auf über 7 Millionen in der Zweiten Liga. Immerhin.

Abgänge und Verhandlungen

Vor dem Anpfiff heute wurden verabschiedet: Kobylanski, May, Schlüter, Bauer, Hartmann, Consbruch, Müller. Mit Kijewski, Schultz, Strompf, Bangsow und Ihorst gibt’s Vertrags-Gespräche. Wir können uns also erneut einstellen auf einen „personellen Umbruch“. Gleichwohl: Geld schießt keine Tore, und Geld verhindert auch keine Tore. Es braucht einen klaren Plan für Verstärkungen, es braucht auch ein wenig Glück dabei. Und neue Spieler müssen in das funktionierende Kollektiv passen.

Die Doppel-Sechs

Nikolaou und Krauße sind der Hammer. Ich liebe das Spiel von Robin Krauße, wegen solcher Leute schaue ich Fußball. Ackern, grätschen, andere motivieren, auch mal selber draufballern. Nie aufgeben, viel kommunizieren, ohne anderen damit auf den Sender zu gehen. Die beiden sind im besten Alter, Jahrgang 1993 und 1994, und sie harmonieren gut miteinander. Auch hier aber machen Verletzungen und Sperren Ersatz-Optionen notwendig …

Fußballfans zeigen eine Choreografie.
Die Choreo für den Namen Eintracht-Stadion. (Foto: Malte Schumacher)

Sommerpause

Mittlerweile ist das Spiel gegen Viktoria kurz vor dem Ende, wir liegen 0:1 hinten – aber das interessiert mich nicht wrklich. Viele Bilder trudeln ein von all‘ meinen Stadion-Buddies – Danke dafür! Meine Schwägerin Carola hatte eine super Sicht auf die Südkurven-Coreo zum Thema „Stadion-Name“, und die Event-orientierten BesucherInnen machen sich gerade fertig für „ihren Platzsturm“. Und ich, hier in meiner Quarantäne? Ich mache mir jetzt ein Bier auf und freue mich auf die Sommerpause. Und danach sehen wir uns wieder – in unserem Eintracht-Stadion.

Kay Rohn:

Der Aufstieg beginnt in Meppen

Samstag, 7. Mai 2022, Auswärtsfahrt, 9:30 Uhr geht es am Stadion los. Unterwegs auf der Raststätte viel blau-gelb aber auch ein großer Bus mit grün-weißen Inhalt. Die Einen fahren nach Meppen, die Anderen nach Köln… Ich bin fest davon überzeugt, dass wir heute aufsteigen. Die Ausgangslage spricht für uns. Wir haben es selbst in der Hand. Meppen braucht keine Punkte mehr, sie werden auch in der nächsten Saison in der 3. Liga spielen. Der Auftritt von unseren Jungs sehr mutlos, wenig Entschlossenheit aber auch keiner der jetzt mal voran geht. Der schnelle Gegentreffer zu Anfang macht die Situation nicht besser. Die mentale Belastung scheint leider zu groß zu sein. Auch in den letzten zehn Minuten, Meppen spielt nur noch zu zehnt, fällt auf dem Platz keinem so richtig etwas ein. Kein Flügelspiel, keine Schnelligkeit, die Niederlage ist berechtigt.

Ja, verdienter Aufstieg

Ganz persönlich habe ich den Aufstieg einen Tag nach dem Spiel in Meppen im Stadion gefeiert. Der Frust vom Spiel noch in den Knochen, die letzten Minuten Viktoria Köln gegen Kaiserslautern noch live am Bildschirm verfolgt und dann mit dem Fahrrad zum Stadion. Die Mannschaft hat das Kaiserslauternspiel im Stadion auf der Großfläche erlebt. Die Freude ist riesig, die Spannung, die sich bei ihnen entlädt, ist fühlbar. Auch wenn sie in Meppen keinen guten Auftritt hatten, auch wenn sie nicht beim Aufstieg auf dem Feld standen, dieser Aufstieg ist verdient. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der gesamten Eintracht. Von der Geschäftsstelle, dem Stuff, der Mannschaft, Präsidium, Aufsichtsrat bis zu den Fans. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Verein schon lange nicht mehr so gut aufgestellt war, wie jetzt.

„Sogenannte Fans“

Eine Woche später machen einige „sogenannte Fans“ das Fußballfest kaputt. Es gibt bedrohliche Gewaltszenen gegen einen Ordner im Bereich vor der Südkurve. Während des Spiels wird dieser, warum auch immer, von mehreren „sogenannten Fans“ verfolgt und offensichtlich bedroht. Vier Minuten vor Ende der Spielzeit sind es wieder diese Fans, die über den Zaun gehen und dafür sorgen, dass ein Platzsturm das Spiel vorzeitig beendet. Das braucht wirklich niemand. Dazu wird wieder einmal eine hohe Strafe auf den Verein zukommen. Während des Spiels geht eine La-Ola-Welle durch das Stadion. Von der Gegengeraden über die Nordkurve und Tribüne zur Südkurve. Alle machen mit, nur eine Gruppe „sogenannter Fans“ nicht. Da werden alle Eintrachtwerte mit Füßen getreten. Das macht mich müde, da geht die Lust verloren, das ist keine Eintracht. Die Berichterstattung und die Kommentare in den Sozialen Netzwerken geben mir Recht, dass ich nicht der Einzige war, der das so gesehen hat.

Das Team

Feiern können, laut singen, auf Stühlen und Bänken tanzen. Der Aufsteiger ist eine einzige, ausgelassene Rasselbande. Alle gehören dazu, das spürt man. Es ist schön anzusehen, dass hier ein Team gebildet wurde. Und das in so kurzer Zeit. Auf diesem Team, auf einem Gerüst aus diesem Team können wir aufbauen. Das heißt Abschied nehmen. Vor dem Spiel konnten endlich mal wieder Abgänge aus dem Kader gebührend verabschiedet werden. Zu zeigen, dass wir dankbar gegenüber den Spielern sind. Eine lange vermisste Geste des Vereins.

Strategie

Oft höre ich den Satz: „Na hoffentlich bleiben die jetzt auch drin und holen die richtigen Spieler“. Das lasse ich nicht gelten und kann das nicht so stehen lassen. Nachdem wir eben noch einen Zweijahresplan hatten, den wir mit dem Aufstieg abschließen konnten, braucht es jetzt einen längerfristigen Fünf-bis-zehn-Jahresplan, der klärt, wo wir in fünf und in zehn Jahren stehen wollen und wer wir als Verein sein wollen (Freiburger oder Union Berlin oder St. Pauli oder Bayern München (wohl eher nicht). Daraus müssen die Ziele für die nächsten Jahre abgeleitet werden. Z. B. welche Rolle ein NLZ dabei spielt. Ich habe Vertrauen in unsere aktuelle Struktur im Verein. Dennis Kruppke wird bei der Kaderzusammenstellung jetzt sicher neue Impulse setzen. Ich bin wie immer sehr gespannt auf die Zusammensetzung der neuen Mannschaft und wünsche allen, die nicht mehr bei uns spielen in der nächsten Saison alles Gute.

Das Spiel endete nach 86 Minuten mit 0:1 für die Viktoria aus Köln.