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Ein weißer VW-Käfer mit der Nummer 53.

Taktstock, Telegraf und Trikotwerbung
– 5 Erfindungen aus der Region

Wie würde der Dirigent ohne Taktstock dirigieren, welche Abfahrt hätte das Wirtschaftswunder ohne den „Käfer“ genommen – und was wären wir alle ohne Telefon? Danken wir in diesem Artikel doch einmal findigen Ingenieuren und Ingenieurinnen, genialen Mathematikern und auch einem mittelalterlichen Herrscher aus unserer Region für die ein oder andere überraschende Erfindung oder Eingebung, die unser Leben heute definitiv bereichern.

Diese Fünf Erfindungen findest Du hier:

„Das kommt von hier“ ist so ein Satz, den man in der Region Braunschweig-Wolfsburg relativ häufig sagen oder hören könnte. Das ist kein Zufall, denn in der Gegend zwischen Gifhorn und Goslar, zwischen Heide und Harz, leben und arbeiten im Verhältnis zur Bevölkerung so viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie in keiner anderen Region Deutschlands. Europaweit sogar an der Spitze ist man hier laut eurostat in den öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Revolution im Profifußball und den Bars dieser Welt: Jägermeister

56 Kräuter in den Topf, Alkohol dazu kippen, reifen lassen und fertig? Ganz so einfach ist es nicht, denn sonst wäre Jägermeister wohl nicht in der ganzen Welt bekannt. Ob in einer Insel im Indischen Ozean, einer inoffiziellen Bar am Persischen Golf oder in kalifornischen Supermarktregalen – der Autor dieser Zeilen ist dem Kräuterlikör aus Wolfenbüttel schon an den unterschiedlichsten Orten begegnet. Das ist kein Wunder, denn es gibt nicht viele weiße Flecken auf der Jägermeister-Weltkarte. „Wir exportieren unser Produkt in 150 Länder“, sagt Jägermeister-Mitarbeiterin Andrea Ostheer.

Wie erklärt sich überhaupt der Erfolg der Marke in der ganzen Welt? Ist es die „geheimnisvolle Rezeptur“, die Ostheer erwähnt, oder sind es die sage und schreibe 383 Qualitätsüberprüfungen, bevor der Likör in die Flasche kommt?

Vielleicht ist es auch der Hirschkopf und die Frakturschrift, diese Kombination, die auch im Ausland als typisch deutsch wahrgenommen wird? Möglich. Gewissermaßen als kultureller Kontrast dazu etablierte sich die Marke in den coolsten Nachtclubs dieser Erde. Diese Mischung ist es wahrscheinlich, die den Erfolg beflügelt. Immerhin, betont Andrea Ostheer, hatte die Marke immer „den Mut neue Wege zu gehen und eigene Regeln zu schreiben“. Stand heute, sagt sie, sei Jägermeister die stärkste Shot-Marke der Welt.

Eine blonde junge Frau.

„Ich trinke ihn am liebsten als eiskalten Shot gemeinsam mit Freunden.“

Andrea Ostheer, Mast-Jägermeister SE

Die ersten Schritte aus der Provinz erfolgten aber in Stollenschuhen: Zusammen mit Fußball-Bundesligist Eintracht Braunschweig veränderte Jägermeister 1973 den deutschen Fußball für immer. Geschäftsführer Günter Mast zahlte 100.000 Mark an den Verein, dafür ersetzte dieser das Vereinswappen mit dem Unternehmens-Logo.
In den folgenden Jahren trugen Stars wie Weltmeister Paul Breitner oder Nationaltorhüter „Adler“ Bernd Franke also nicht mehr den roten Löwen, sondern den Jägermeister-Hirschkopf auf der Brust – das Trikot-Sponsoring war geboren!
Tagelang wurde in jenem Frühjahr 1973 in ganz Deutschland heiß über das Thema diskutiert, auch in Zeitungen, Radio und Fernsehen. „Aber das war das, was ich wollte“, sagte der Geschäftsmann Mast einmal. Jägermeister war sozusagen in aller Munde.

Mit dem Hirschen auf der Brust: Die Bundesliga-Mannschaft von Eintracht Braunschweig mit dem Jägermeister-Markenzeichen statt dem Vereinssymbol.

In den 1980er-Jahren gab es sogar (erfolglose) Pläne, den Club in „Sportverein Jägermeister Braunschweig“ umzubenennen. Genau das hat ein anderer Getränkehersteller viele Jahre später in Leipzig bekanntlich umgesetzt. Zwar nicht mit Hirsch, dafür aber einem Bullen als Firmenlogo.

Spielwiese für Ingenieure
Technische Hochkaräter im Landkreis Gifhorn

Ohne ihn gäb´s kein Smartphone: Der Telegraf

"lol, ist ja mega :) :)"
So kurz, deutlich und etwas einfach könnte man die Entwicklung des elektromagnetischen Telegrafen durch das Braunschweiger Mathematik- und Physikgenie Carl-Friedrich Gauß kommentieren.

Zweifelhaft nur, ob Gauß das verstanden hätte: Als er zusammen mit dem Physiker Wilhelm Weber im Jahr 1833 mit dem ersten elektromagnetischen Telegrafen Spannungsimpulse durch ein Kabel schickte – über die Entfernung von einem knappen Kilometer – kamen beim Empfängergerät lediglich Signale an, die eine Bewegung bei Zeigern und Spiegeln auslösten. Dennoch: Die ersten Schritte in der modernen Telekommunikation waren mit dieser Induktionsspule getan. Bis zum Smartphone war es freilich noch ein langer Weg. Aber wie sagte Gauß einst so treffend: „Nichts ist getan, wenn noch etwas zu tun übrig ist.“

Die Bedeutung des Braunschweiger Allround-Genies für die Entwicklung von Fernsehen, Telefon und Radio ordnet Prof. Ulrich Reimers, 27 Jahre lang Leiter des Instituts für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig, dementsprechend hoch ein: „Gauß hat viele wichtige Grundlagen auch gerade für die Telekommunikation gelegt.“ Die „Gauß´sche Normalverteilung“ oder das „Additive weiße, Gauß´sche Rauschen“ seien unersetzliche Funktionen für naturwissenschaftliche und technische Messvorgänge.

Prof. Ulrich Reimers ist einer der Pioniere des Digitalfernsehens.

„Es gibt wohl keine Doktorarbeit zu unseren Forschungen, in denen Gauß´ Begriffe nicht vorkommen.“

Prof. a.D. Ulrich Reimers, TU Braunschweig

Es ist nicht weit von Reimers´ Institut zum Gaußbergpark, nur einmal über die Oker muss der Wissenschaftler spazieren. Dort schaut das historische Mathegenie als große Bronzeguss-Statue wissend und selbstsicher über Autofahrer, Radler und Fußgänger hinweg. Als ob in der Ferne bereits die nächste Erkenntnis dämmert.  „Ich habe internationale Gäste regelmäßig hierher zum Gauß-Denkmal geführt“, sagt Reimers. „Das hat für Braunschweig nämlich erhebliche Marketing-Wirkung.“

Vielleicht ist es allein die Anwesenheit von Gauß – und sei es als Denkmal – die inspiriert. Denn der Anteil Braunschweiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Entwicklung moderner Medien ist groß. Professor Reimers ist selbst Teil dieser Tradition, an seinem Institut wurde in Zusammenarbeit mit zahlreichen Unternehmen ab 1993 erst das Digital Video Broadcasting und zuletzt der neue Digitalfernsehen-Standard DVBT-2 entwickelt, den heute Milliarden Menschen auf der Welt nutzen.

Diese bahnbrechenden Pionierleistungen stehen nun auch ganz offiziell auf einer Stufe mit dem Gauß´schen Telegrafen: Die International Electrotechnical Commission stellte zu ihrem 100sten Geburtstag die Zeitlinie „Thinkers through the ages“ vor. „Darin nahmen Sie Herrn Gauß und als neuestes Mitglied auch mich auf“, sagt Reimers.

Der Braunschweiger auf dem 10-DM-Schein: Carl-Friedrich Gauß gilt als eine der wichtigsten deutschen Persönlichkeiten ever.

Könnte Carl-Friedrich Gauß das World Wide Web von heute sehen, Katzen-Videos und Tik Tok-Tänze: Was würde er wohl darüber denken? Würde er Digital Detox empfehlen oder einfach belustigt den Kopf schütteln? Natürlich wissen wir es nicht. Obwohl sich sein Gehirn, heute gut konserviert in Formalin, in der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen befindet.

Gibt den Ton an – Der Taktstock

Ludwig van Beethoven? Na klar. Der mit dem tauben Ohr. Und dem Klavier-Dauerbrenner „Für Elise“. Einer der Komponisten, dessen Namen man zumindest schon einmal gehört hat. Bei Komponist und Violoinist Louis Spohr sieht das gemeinhin anders aus. Am Gymnasium Martino-Katharineum in Braunschweig, dessen Schüler Spohr ab 1796 war, können sie mit dem Namen aber noch einiges anfangen.

Matthias Stanze, leidenschaftlicher Musiklehrer am Martino-Katharineum und einstiger Präsident der Louis Spohr Gesellschaft, erinnert jedoch an das ungewöhnliche Phänomen: „Der einstige Rum Louis Spohrs, der sogar als Wegbereiter Richard Wagners gilt, war Ende des 19. Jahrhunderts längst verblasst.“

Dabei war Louis Spohr ein Superstar, er zählte zu Lebzeiten im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Komponisten, zusammen mit Beethoven und dem italienischen Virtuosen und „Teufelsgeiger“ Niccolò Paganini. Um das Gedenken an ihn immer mit einem sinnlichen Genuss zu verbinden, initiierte Stanze den „Feinen Spohr-Achtel“ – eine Praline, die in der Konditorei Haertle erhältlich ist, direkt gegenüber dem Staatstheater.

Das Spohr-Achtel der Konditorei Haertle ist ein Gedicht - oder besser gesagt: Eine feine Komposition. Rechts in der Mitte steht Matthias Stanze, Musiklehrer am Martino-Katharinaeum.

Spohrs musikalisches Erbe ist noch heute präsent, seine Violinschule gilt als Klassiker im Geigenunterricht und wird bis heute gedruckt und genutzt.
Eine wichtige Erfindung Spohrs aber sollte die gesamte klassische Musikwelt beeinflussen, Orchester rund um die Welt manchmal zähmen, manchmal entfesseln und ihr auch einen optischen Fixpunkt bescheren: Der Taktstock.

Es war das Jahr 1820 und in London, als Louis Spohr zum ersten Mal und riesigen Erstaunen des Publikums mit einem hölzernen Taktstock dirigierte. Das Orchester musste davon erst überzeugt werden, es fühlte sich der Überlieferung nach wohl eher wie in einem Zirkus „domptiert“ als dirigiert. Geradezu taktlos also.

Heute ist der Taktstock in aller Dirigenten Hände. Auch in denen von Mino Marani, dem Ersten Kapellmeister des Braunschweiger Staatsorchesters. Genauer gesagt: In seiner rechten. In dunklem Sakko steht er im Braunschweiger Theaterpark und dirigiert ein imaginäres Orchester. Maranis Bewegungen sind schwungvoll, präzise, aber wirken gleichzeitig auch leicht und luftig. Auch ohne Taktstock dirigierte Marani schon, er fühlt sich nicht „nackt" ohne ihn.

Mino Marani, Erster Kapellmeister des Staatstheaters Braunschweig

„Dirigieren ist wie Atmen.“

Mino Marani, Erster Kapellmeister des Staatstheaters Braunschweig

„Aber der Taktstock ist schon eine enorme Hilfe, er kulminiert und konzentriert meine Bewegungen und die Informationen für die Musiker auch physikalisch auf einen kleinen Punkt, nämlich die Spitze.“ Mit der linken Hand kommuniziere er mit einzelnen Instrumentengruppen oder einzelnen Musikern innerhalb des Orchesters. „Das sind dann intuitive, universelle Gesten, die jeder versteht“, sagt er.

Kulisse Theaterpark: „Dirigieren ist wie Atmen", sagt Mino Marani, „im Optimalfall ein natürlicher Fluss."
Was haben Faust, David Bowie und Richard Wagner gemeinsam?
Sie stehen alle auf dem Spielplan des Staatstheaters

Absichtlich zertrümmert hat er seinen Taktstock – etwa wie ein Rockstar seine Gitarre – noch nicht. „Aber es ist schon vorgekommen, dass er mir beim Dirigieren aus der Hand geflogen ist“, sagt er und lacht. Den Verlust kann er verschmerzen, seine Taktstöcke bestellt Maraini im Internet, für rund 20 Euro das Stück.

Aus Holz, so wie in Spohrs Zeiten, sind die Taktstöcke nur noch selten, eher aus Karbon oder Fiberglas. Die hölzernen Taktstöcke seien oft nur noch Spezialanfertigungen. „das ist dann spezielles Holz, die Länge und der Umfang sind speziell auf die Hände des Dirigenten angepasst“, sagt Marani. Also fast so wie ein Zauberstab.

Der Taktstock ist heutzutage meist aus Karbon oder Fiberglas, seltener aus Holz.

Louis Spohr selbst hat – wie erwähnt - auch in anderen Teilen Europas seine Spuren hinterlassen. Als Konzertmeister wurde Spohr 1813 nach Wien berufen, dort traf er regelmäßig mit Ludwig van Beethoven zusammen.  Beide Musikgenies schätzten sich. Der Clou: Auch Spohrs Vorname war eigentlich Ludwig. Wir erinnern uns allerdings an den großen Komponisten meist als Louis Spohr. Der mit dem Taktstock.

Weltweiter Kult: Der „Käfer"

Am Anfang lief er ganz und gar nicht. Der Käfer, Triebwagen des westdeutschen Wirtschaftswunders, stotterte. Das Werk bei Wolfsburg lieferte 1936 nur einige Prototypen unter dem Namen „KdF-Wagen“  ab, danach wurde es vor allem zur Produktion von Militärmaterial genutzt.

Schon ein halbes Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aber lief der „Volkswagen Typ 1“ vom Band. Er wurde von der britischen Besatzungsmacht in Auftrag gegeben und schon bald darauf wegen seiner runden Form von Dach, Front- und Heckhaube von den begeisterten amerikanischen Kunden „Beetle“, also „Käfer“ genannt. Am 5. August 1955, als Sinnbild des wirtschaftlichen Aufschwungs in Westdeutschland, rollte unter großem Medienrummel der Millionste Käfer aus der Produktionshalle. Der Wagen begünstigte die Reiselust der Deutschen und brachte sie nicht nur über den Brenner nach Italien, sondern viel weiter.

Der Käfer fand seinen Weg in die ganze Welt, schon 1953 wurde der robuste Wagen in 88 Länder exportiert und legte den Grundstein für den exzellenten Ruf von Autos und Industriegütern „Made in Germany“ auf dem Weltmarkt. In Brasilien und Mexiko kam dem kleinen Wagen eine ähnlich hohe Bedeutung für die Motorisierung der breiten Bevölkerung zu wie in Deutschland, hier wurde er liebevoll „vocho“ genannt. Noch heute prägt er Straßenzüge in Mittelamerika und ist gar nicht selten auf kalifornischen Highways zu sehen.

Jürgen Kolle weiß um die Faszination, die den Käfer bis heute umgibt, denn er bekommt ihn fast täglich zu Gesicht. „Die Zuverlässigkeit, Erschwinglichkeit und auch die Einfachheit haben ihn schon sehr früh so beliebt gemacht“, sagt der Auto-Experte. Oder sollte man sagen: Auto-Historiker? Auf einem Gelände bei Hondelage im Norden von Braunschweig eröffnete Kolle nämlich vor vielen Jahren schon das Automuseum Braunschweig, eine Sammlung historischer Fahrzeuge vieler Art und unterschiedlichster Marken. Vom Wehrmacht-Kübelwagen bis zum Karmann-Sportwagen gibt es hier einige Raritäten zu sehen.

Etwas ganz Besonderes aber ist und bleiben die Käfer in seiner Sammlung. Ob der legendäre Antarktis-Käfer (Das erste funktionierende Auto auf dem Eiskontinent), ein Polizei-Käfer oder der letzte in Mexiko gebaute Käfer – automatisch lächeln hier viele Besucher und freuen sich.

Kein technischer Schnickschnack, keine reparaturanfälligen Extras, stattdessen hoher Werterhalt und aus diesen und anderen Gründen eben ein unschlagbar guter Ruf: Kein Wunder, dass Passanten und andere Verkehrsteilnehmer winken und den „Daumen hoch“ zeigen, wenn Kolle vorbeifährt. „Das Gefühl, in diesem Wagen zu sitzen, ist unvergleichlich“, beschreibt er. „Wenn der Motor anspringt, ist das Musik in meinen Ohren. So etwas hat einfach kein anderes Auto.“

Sympathieträger, Filmstar, Werbe-Ikone: Der Käfer prägte ganze Generationen von Autofahrern, von denen wohl viele ihre eigenen unvergesslichen Erlebnisse mit dem kleinen Wagen erzählen können.

Die „neue" Löwenstadt: München

Taktstöcke, Tennisbälle, Trikotsponsoring… viele Dinge, die heute unser Leben erleichtern oder bereichern, haben tatsächlich ihren Ursprung in der Region Braunschweig-Wolfsburg. So weit, so gut. Aber habt ihr bei Oktoberfest, FC Bayern oder „Stachus“ schonmal an Braunschweig gedacht?  

Zeit, umzudenken. Oder besser gesagt: Zurück. Und zwar ins Jahr 1158, als Heinrich der Löwe als Herzog von Sachsen und Bayern die Isarbrücke eines Bischofs zerstörte und, nicht weit entfernt, eine eigene errichtete. Fortan überquerten Reisende und (Salz-)Händler den Fluss über Heinrichs Brücke, was ihm Zolleinnahmen bescherte und das beiliegende Dorf („Villa Munichen“) wachsen und gedeihen ließ. Und heute? Die „Weltstadt mit Herz“ ist ein Touristenmagnet und kann sich vor Besuchern und Bewunderern kaum retten.

Die Weltstadt mit Herz - hier in der Dämmerung mit Blick auf die Frauenkirche.

Sicherlich sind die historisch bewanderten Münchner dem Braunschweiger Herzog dafür sehr dankbar. Oder? „Der Mann ist uns nicht unbekannt“, gibt Dr. Thomas Weidner vom Münchner Stadtmuseum zu, „auch wenn er wohl nie einen Fuß auf Münchner Boden gesetzt hat.“ Das hindert die Münchner allerdings nicht daran, ihrerseits eine Tradition zu Heinrich aufzubauen: „Wir erlauben uns, in der Dauerausstellung "Typisch München!" das Schlüsselbein Heinrich des Löwen auszustellen, einen Knochen, der seit dem 19. Jahrhundert eben so bestimmt worden war“, ergänzt der stellvertretende Museumsdirektor.

„Bevor Sie nun aufschrecken“, beruhigt Weidner, „und sagen: Moment mal, das ist doch alles bei uns in der Braunschweiger Welfengruft, sei angemerkt, dass es uns nicht um die Authentizität des Gegenstands geht, aber um die Authentizität des Anspruchs, den man in München damit erhoben hat.“

Dr. Thomas Weidner

„Der Mann ist uns nicht unbekannt.“

Dr. Thomas Weidner, Münchner Stadtmuseum, über Heinrich den Löwen

Immerhin: Am Alten Rathaus im Münchener Stadtteil Graggenau steht Heinrich als Statue an der Ostfront des Gebäudes. Grimmig, mit Schwert, Schild und Helm.
Deutlich prominenter ist das braunschweigische Erbe im Sport zu sehen: Die Profifußballer vom TSV 1860 München tragen den Löwen im Vereinswappen, bis heute nennt man sie die „Münchener Löwen“. Es ist eben so, liebe Münchener: Einmal Löwe, immer Löwe. Das verbindet doch!