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Boarding Houses – Von klein und ländlich bis groß und urban

Ein Zimmer in einem Boarding House in Lengede. (Bildrechte: Alarah Huppertz)

Boarding Houses sind vollmöblierte Apartments, die sich auf Lang- und Kurzzeitaufenthalte spezialisiert haben. Die Gäste bleiben im Regelfall nur einige Tage, aber manchmal auch länger. Wir haben uns zwei Beispiele angesehen: das Yard Boarding Hotel in Wolfsburg und die Villa Mathilde in Lengede. Beide erfüllen das Konzept mit Leben – im Großen wie im Kleinen.

Der Bundesverband der DEHOGA definiert ein Boardinghouse als einen Beherbergungsbetrieb, der sich an Langzeitnutzer in städtischer Umgebung wendet. Die Ausstattung der Zimmer seien an privaten Wohnungen ausgerichtet – das heißt zum Beispiel auch mit einer Küche.

Der Service reiche von sehr geringem Angebot bis zu einem hotelmäßigen Service. Das lässt viel Interpretationsspielraum und dementsprechend unterschiedlich sind die Varianten, die der Markt bereithält.

Ein Zimmer in einem Boarding House in Wolfsburg. Die Wände sind weiß gestrichen, die Türen, der Fußboden und die offenliegenden Dachstreben sind aus Holz.
Die Gäste des Wolfsburger Yard Boarding Hotels sind überwiegend Geschäftsleute. Aber auch Familien nutzen die Wohnungen für Wochenendtrips und Ähnliches, so Betriebsleiter Stefan Mielke. (Foto: Yard Boarding Hotel KG)

Das Yard Boarding Hotel in Wolfsburg – Nachhaltigkeit im großen Maßstab

„Unser Angebot richtet sich in erster Linie an Geschäftsreisende, welche berufsbedingt einen längeren Aufenthalt in Wolfsburg planen“, sagt Stefan Mielke, Leiter des Yard Boarding Hotels Nordsteimke in Wolfsburg. Der Betrieb zählt sicher zu den größeren Varianten des Konzepts.

Mielke teilt die Gäste in ein Langzeit- und in ein Kurzzeitsegment ein. In letzterem blieben die Gäste im Schnitt rund zwei Nächte. Die Gäste, die länger bleiben, nutzen das Angebot des Hotels für ein bis sechs Monate. „Wir hatten aber auch schon Aufenthalte von über einem Jahr.“

Besonders die Größe der Appartements mache den Unterschied zu herkömmlichen Hotels aus, so Mielke. Die Zimmer seien zwischen 32 und 55 Quadratmeter groß und die Gäste könnten entscheiden, ob sie sich selbst versorgen oder auf den Roomservice des Yard Boarding Hotels zurückgreifen wollen. Im Gegensatz zu Monteurswohnungen, die in erster Linie auf Zweckmäßigkeit angelegt seien, lege das Yard Boarding Hotel Wert auf Komfort.

„So zählten zu den 8.000 bis 10.000 Gästen jährlich auch Familien und Urlauber, Menschen, die einen Neuwagen abholen wollen oder einfach nur Freunde besuchen möchten“, sagt der Leiter. Übrigens bemüht sich das Boarding Hotel um Nachhaltigkeit – das geht vom Einsatz naturbelassener Materialien in der Ausstattung bis hin zum Verzicht auf vorportionierte Lebensmittel und stattdessen der Rückgriff auf regionale und saisonale Produkte für das Frühstück. Selbst die Wäscherei, so Mielke, arbeite CO2-neutral.

Die Villa Mathilde – ein Boarding House als lebendes Projekt

Auch Alarah Huppertz führt ein Boarding House, wenn auch in kleinerem Maßstab. Sie und ihr Partner sind die Besitzer der Villa Mathilde in Lengede, in dem sie auch selbst leben. Vier Zimmer im oberen Stockwerk vermietet das Paar. „Unsere Gäste sind hauptsächlich Monteure, aber auch Kurzzeitmieter, die von hier aus eine dauerhafte Bleibe suchen, oder Studenten, die für ein Praktikum in die Region gekommen sind“, erzählt sie. In den Zimmern gibt es für die Gäste ein großes Bett, einen Fernseher und W-LAN. Eine Küche gibt es auch. Wer länger als einen Monat bleibt, erhält einen Preisnachlass.

Ein bis zwei Zimmer sollen immer vermietet sein, damit die Neben- und Reinigungskosten gedeckt sind. „Das hat seitdem recht gut bis hin zu deutlich besser als geplant funktioniert“, sagt Huppertz, die selbst das Erdgeschoss des Hauses bewohnt. Hin und wieder gäbe es kurzfristige Absagen oder Gäste erscheinen erst gar nicht. „Aber auch mit solchen Situationen können wir inzwischen gelassener umgehen.“

Die Zimmervermietung ist aber nur ein Teil des Projekts. Das 1927 gebaute Haus auf dem 1600 Quadratmeter großen Grundstück soll in erster Linie ein Raum für Kreativität sein. „Das Ziel ist es, so viel Altes wie möglich zu erhalten“, sagt Huppertz. Und an dem Ausbau des historischen Gebäudes im Landkreis Peine wachse sie auch selbst. „Für mich persönlich ist es eine unglaubliche Chance, für die ich sehr dankbar bin.

Und an dieser Chance lässt sich ihre Follower bei Instagram teilhaben. Seit Kauf des Hauses im Spätsommer 2020 kann man ihr dort beim Werkeln und Erneuern zuschauen. Für die Zukunft plant Huppertz, den Dachboden und den angrenzenden Stall in Angriff zu nehmen. Dann wird auch über die eigentliche Villa hinaus getüftelt oder, wie sie sagt, „Haus und Grundstück immer wieder neu entdeckt und definiert.“

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