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„Die waren wie Engel“ –
5 Fragen an Caroline Schweder, Architektin aus Brasilien

Das Portrait einer jungen Frau vor einer Steinmauer. (Bildrechte: ADP Thomas Funke GbR)

Unsere Region braucht Fachkräfte. Viele Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen sind auf sie angewiesen, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Das Welcome Center der Region hilft internationalen Fachkräften bei vielen Fragen und Problemen, die nach dem Ankommen entstehen. Die Brasilianerin Caroline Schweder hat uns über ihren ersten Kontakt mit dem Welcome Center erzählt, aber auch von ihrem Job, den kleinen Unterschieden zu ihrer Heimat und was sie von unserer Region hält.

Caroline, du bist Architektin. Welchen Job machst du genau und was sind deine Aufgaben dabei?

Ich arbeite im Architektenbüro ADP Thomas Funke in der Roggenmühle in Lehndorf, wo es mir auch aufgrund der Lockerheit sehr gut gefällt. Ich übernehme dort in der Regel fünf von neun Phasen für ein Projekt, also von den Plänen bis zu den Entwürfen für einen Bauantrag. Bauleitung und Kostenkalkulation mache ich noch nicht, dafür aber Zeichnungen und Entwürfe.
Momentan arbeiten wir an einer Projektentwicklung namens „Schöne Heide“ rund um den Romantik-Park in Wolfsburg, das ist vor der IT-City von Volkswagen. Dort entwickeln wir ein Projekt unter anderem für Hotels, Restaurants, und ein Fitness-Center.

Was ist dir im Zusammenhang mit der Arbeit oder dem Einleben hier in der Region leicht gefallen, was nicht?

Bis jetzt habe ich noch Probleme mit der Sprache, das gefällt mir nicht so gut – ich hätte natürlich mehr Autonomie in meiner Muttersprache. Auf der Arbeit stört mich das manchmal.
Ich habe aber davon profitiert, dass ich 2015 bis 2017 schon einmal mit einem Stipendium hier in Braunschweig war und auch damals schon begonnen habe, die Sprache zu lernen. Aus dieser Zeit habe ich hier auch noch Freunde, ich musste also nicht von null anfangen. 

Eine junge Frau sitzt vor einer Backsteinwand.
Caroline Schweder kann sich gut vorstellen, in unserer Region ihren Lebensmittelpunkt zu behalten. „Braunschweig bietet mir trotz der überschaubaren Größe alle Möglichkeiten", sagt sie. (Foto: ADP Thomas Funke GbR)

Bei welchen Herausforderungen konnte das Welcome Center dir entscheidend helfen – und wie bist du auf das Welcome Center gekommen?

Das Welcome Center hat sich in meinem Sprachkurs in der Volkshochschule vorgestellt. In dem Moment dachte ich zwar, dass ich das Angebot eigentlich gar nicht mehr brauche: Ich hatte schon einen Deutschkurs gemacht und bereits ein Jobangebot. Aber ich dachte OK, warum nicht? Es ist ja immer gut, mehr Leute kennenzulernen und sich noch besser zu informieren.
Und als die Jobsuche doch schwieriger wurde, es Probleme mit dem Visum und den Behörden gab und die Pandemie sowieso alles erschwert hat, haben die Leute vom Welcome Center mich in allen Angelegenheiten super unterstützt. Die waren wirklich wie Engel!

„Ich hätte es nicht ohne das Welcome Center geschafft, das war eine super Hilfe für mich.“

Caroline Schweder

Was sind die größten Unterschiede zu deinem Herkunftsland im Berufsumfeld?

Das erste, was mir einfällt, sind tatsächlich Ordnung und Pünktlichkeit (lacht).
Und uns Brasilianern fällt es nicht leicht, „Nein“ zu sagen, wir machen immer ein Riesengespräch daraus. Hier in Deutschland sagte man mir, dass es überhaupt nicht als unhöflich empfunden wird, „Nein“ zu sagen. Das finde ich gut.
Bezogen auf meinen Beruf ist der größte Unterschied, dass in Brasilien die Architekten zu 80 Prozent als Innenarchitekten arbeiten. Ich wollte dagegen mehr in der Bauplanung arbeiten.

Was gefällt dir an der Region Braunschweig-Wolfsburg? Könntest du dir vorstellen, auch zukünftig - vielleicht mit der Familie - in der Region zu bleiben?

Die Größe der Stadt gefällt mir gut. Ich komme aus Blumenau im Süden Brasiliens und ist so groß wie Braunschweig. Diese Stadt bietet mir trotz der überschaubaren Größe alle Möglichkeiten, dazu sind mit Firmen wie Volkswagen und Siemens viele wichtige Namen der deutschen Wirtschaft hier vertreten.

Natürlich ist es nicht einfach für mich, weit weg von der Familie zu wohnen, vor allem von meinen Eltern!
Aber ich kann mir gut vorstellen, mein Leben hier aufzubauen, hier Kinder zu haben, so planen mein Freund und ich das auch. Hier ist es sicher, das ganze System funktioniert viel besser als in Brasilien. Hier habe ich alles, wovon ich geträumt habe.

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