Unsere Zeit ist geprägt durch vielfältige Veränderungen. Dazu gehören auch die Räume, in denen wir uns bewegen: Die Innenstädte werden vielfältiger, lebenswerter und klimaresistenter. Und auch klassische Naherholungsgebiete in urbanen Räumen unterliegen einer Transformation hin zu mehr Natur und biodiversen Freiräumen.
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Zeiten des Wandels
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Wo findet Transformation in urbanen Räumen statt?
Klimaresilienz, Renaturierung, Naherholung - urbane Räume werden grüner.
Pocket-Parks auf dem Vormarsch: kleine, grüne Oasen in gebeutelten Innenstädten
Unser Konsumverhalten hat sich in den letzten Jahren eklatant verändert. Der Onlinehandel wächst, Handelsflächen in den Städten werden weniger nachgefragt. Hinzu kommen immer häufiger auftretende Temperaturspitzen aufgrund des Klimawandels, die in engen Städten besonders spürbar sind. Jetzt sind neue, vielfältigere Nutzungskonzepte gefragt, die attraktive Angebote über ein reines Kaufinteresse hinaus bieten. Verbliebene Gastronomie und Handel profitieren, außerdem verspricht die Begrünung einen wichtigen Kühleffekt.
Viele Städte machen hierfür den Weg für Pocket-Parks frei: Auf bis dahin versiegelten Flächen - z.B. von ehemaligen Parkplätzen - entstehen Mini-Grünanlagen mit Platz für schattenspendende Bäume und hoher Aufenthaltsqualität. Blumenbeete, Wasserspiele, Wege und Rasenflächen laden sowohl Anwohner als auch temporäre Besucher zum Verweilen ein.
Auf 1.700 m2 wurde ein solcher Pocket-Park bereits in Braunschweig in der Kannengießerstraße umgesetzt. Am Bäckerklint, wo unverhältnismäßig viel versiegelte Fläche auf wenig Verkehrsaufkommen trifft, ist ein weiterer Pocket-Park geplant. Der Platz rund um den Till-Eulenspiegel-Brunnen ist von markanten Lindenbäumen geprägt und wurde bereits kleinerer Entsiegelungsmaßnahmen unterzogen, um die Widerstandskraft der Bäume zu stärken.
Stadt Braunschweig
Stadt Braunschweig
Stadt Braunschweig
Lebenswichtige Freiräume: Transformation naturnaher Grün- und Wasserflächen in der Region Braunschweig-Wolfsburg
Die Entsiegelung, Begrünung und ein angepasstes Regenwassermanagement im Pocket-Park Bäckerklint gehören zu einem von zehn Projekten in den Städten Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter und im ländlichen Raum, die unter ein Millionenschweres Förderprogramm fallen. Die Städte und Kommunen im Regionalverband Großraum Braunschweig wollen ihre natürlichen und naturnahen Flächen sowie urbanen Gebiete gemeinschaftlich als Blau-Grüne-Infrastrukturen weiterentwickeln und große Renaturierungsprojekte umsetzen. Zentrales Thema und verbindendes Element dabei: das Wasser.
Durch Anlage und Wiederherstellung naturnaher Grün- und Wasserflächen sollen Klimaresilienz und Biodiversität im urbanen Raum gefördert und damit nicht nur Luft- und Wasserqualität, sondern auch die Lebensqualität der Menschen vor Ort verbessert werden. Neben den Städten und Kommunen sind auch Naturschutzeinrichtungen, die Forst- und Landwirtschaft sowie die Wasserverbände mit von der Partie.
In Salzgitter gehört beispielsweise die Renaturierung der durch das Stadtgebiet fließenden Schölke sowie Umgestaltungsmaßnahmen im Stadtpark in Salzgitter Lebenstedt zum Projekt. Neue Auen-Ökosysteme sollen am Schunter-Zufluss Beberbach, an Bruno und Hässelbach in der Südheide sowie an der Innerste im Kreis Baddeckenstedt/Wolfenbüttel entstehen. Um das Wassermanagement, den Wasserrückhalt oder Starkregen- und Überflutungsvorsorge geht es im südlichen Teil von Nordsteimke (Stadt Wolfsburg), im Drömling sowie im Ise-Tal in der Südheide. Im Landkreis Wolfenbüttel wird es im Einzugsgebiet der „Blauen Wabe“ um die Entwicklung einer wasserstabilen Landschaft durch Agroforstwirtschaft und Begrünung in Neuerkerode gehen - unterstützt übrigens von der esn - Evangelischen Stiftung Neuerkerode.
Naherholungsgebiete und unberührte Naturräume werden immer wichtiger - auch für die Attraktivität der Stadt. An der Schunter und in ihrer näheren Umgebung wird in einem beispielhaften Renaturierungsprojekt wieder ein solcher Naturraum geschaffen. Was vor etwa 20 Jahren in Zusammenarbeit der Stadt Braunschweig und dem Wasserverband Mittlere Oker begonnen wurde, ist inzwischen ein ökologisches Erfolgsprojekt. Kiesbänke, Totholz, eine natürliche Fließrichtung sowie ein Uferbereich, der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten beherbergt, war Ziel der Maßnahme. Langfristig soll auch eine eigendynamische Entwicklung unter Einbeziehung der Aue erzielt werden.
Allianz für die Region GmbH| Sandra Semmler
Allianz für die Region GmbH| Sandra Semmler
Allianz für die Region GmbH| Sandra Semmler
Vom Leerstand zum vielfältigen Lebensraum: Innenstädte und Quartiere wollen „lebenswerter“ werden.
„Wohnst Du noch oder lebst Du schon?“ heißt es in einem bekannten Werbeslogan. Zutreffend ist diese Frage sicher auch für moderne Projekte der Quartiersentwicklung: bessere Wohn- und Lebensbedingungen in einzelnen Stadtteilen und kleineren Quartieren, meist mit einem ganzheitlichen Ansatz, der sowohl soziale, als auch ökonomische und nicht zuletzt ökologische Faktoren berücksichtigt. Eine hohe Lebensqualität, Klimafolgenanpassung, bedarfsgerechte Infrastruktur und Mobilität prägen solch neu gestaltete Quartiere. Beispielhaft für die Neustrukturierung und Aufwertung eines ganzen Gebietes ist sicherlich das Großprojekt Bahnstadt in Braunschweig. Hier entsteht ein neuer, moderner Stadtteil mit industriell geprägter Identität, der nicht nur Wohnen und Arbeiten auf neue Weise verbindet, sondern auch ein klimaneutrales Mobilitätskonzept verfolgt und verbindende Freizeit- und Kulturangebote anbietet.
Daniela Nielsen
BOMA+: Räume gestalten, Anbindung schaffen, Attraktivität erhöhen
Ein zentrales Innenstadtviertel in Braunschweig, das einer grundlegenden Veränderung bedarf, ist das Gebiet um den Bohlweg, das Magniviertel und das zum großen Teil leerstehende ehemalige Galeria-Gebäude. Ziel ist eine Steigerung der Aufenthaltsqualität, mehr Grünflächen, eine Neuordnung der umgebenden Verkehrsräume mit besseren Rahmenbedingungen für den Fuß- und Radverkehr ausgehend auch von neuen Wegebeziehungen zwischen Schloss-Arkaden, Schlosscarree und dem Bereich der ungenutzten Galeria-Immobilie.
Die Stadt Braunschweig und die Volksbank BRAWO eG als Eigentümerin der Immobilie suchen über ein Architekten-Wettbewerbsverfahren zukunftsfähige und attraktive Lösungen für das sogenannte BOMA+ (Bohlweg, Magniviertel und Umfeld). In einer ersten Stufe haben sechs Architekturbüros Ende 2025 bereits ihre städtebaulichen Ideen zum Projekt abgegeben. Alle Entwürfe zeigen vielfältige und inspirierende Ideen für diesen zentralen Stadtbereich um das Schloss und den Eingang zum Magniviertel auf. Ein Jury wird die Entwürfe weiter sichten und auch der Öffentlichkeit präsentieren.
Burgpassage wird zu den Stiftshöfen: Mehr Leben und Gemeinschaft in die Innenstadt
Viele Jahrzehnte prägte die Burgpassage mitten im Zentrum Braunschweigs die Einkaufslandschaft als damals längste überdachte Einkaufsstraße in Braunschweig mit zahlreichen Einzelhandelsgeschäften und Gastronomien. In die Jahre gekommen, gab es lange Zeit Stillstand und Leerstände in der einst beliebten Passage. Heute geht es voran, davon zeugt derzeit eine Großbaustelle. Mehr attraktiver Wohn- und Lebensraum, weniger Leerstände und ein Anlaufpunkt auch für Gäste von außerhalb sollen am Ende die „Stiftshöfe“ prägen. Dazu wird das anliegende Gymnasium Kleine Burg erweitert und damit eine zusätzliche Belebung der Innenstadt angestrebt.
Auf dem östlichen Teil der Fläche entstehen Wohnungen nach dem neuartigen Clusterwohnkonzept, das neben Barrierefreiheit und klimagerechter Architektur den Fokus auch auf eine positive nachbarschaftliche Atmosphäre legt. So soll es unter anderem Gemeinschaftsräume und -balkone geben. Zudem sollen gemäß dem Trend zum "Urban Gardening" vertikale Gärten an Balkonen und Aufgängen entstehen. Des weiteren wird ein Hotelbau errichtet, in den 2029 Motel One einziehen wird. Nach außen werden die historischen Fassaden zur Innenstadt erhalten, was einen besonderen Reiz ausmachen dürfte.
Struktur-Förderung Braunschweig GmbH
Kultur statt Konsum: „Haus der Musik“ entsteht in prägnantem Kaufhauskomplex
Die Ära der großen Kaufhauskomplexe in den Innenstädten scheint vorbei: Immer mehr Filialen müssen schließen, die Kaufhauslandschaft konsolidiert sich. Nachdem der Galeria-Karstadt-Kaufhof-Konzern das sogenannten „Karstadt Einrichtungshaus“ am Gewandhaus schließen musste, stand die weitere Nutzung des architektonisch auffälligen Gebäudes lange zur Diskussion - bis die Entscheidung fiel, ein „Haus der Musik“ dort einziehen zu lassen. Es soll der städtischen Musikschule ein neues Zuhause bieten und zugleich ein Konzertsaal mit überregionaler Anziehungskraft beheimaten.
Ein Architekturwettbewerb zur Umgestaltung des Gebäudekomplexes fand bereits statt. Der Entwurf des siegreichen Architekturbüros ADEPT aus Kopenhagen sieht vor, die Grundstruktur des bisherigen Gebäudes bis zum 3. Obergeschoss zu erhalten, zwei Staffelgeschosse werden zusätzlich aufgestockt. Das Erdgeschoss sowie das 1. und 2. Obergeschoss sind für die Städtische Musikschule vorgesehen, die autark betrieben werden kann. Die Haupteingänge zum Konzerthaus liegen zur Poststraße, ein großer Foyerbereich erweitert sich zum Konzertsaal der Musikschule. Der Konzertsaal mit 1.200 Plätzen findet sich im 3. und 4. Obergeschoss.
Das Haus der Musik wollen die Inhaber-Familie Knapp und die Stadt Braunschweig gemeinsam über eine Stiftung finanzieren.
ADEPT, Kopenhagen/Hamburg
BRAWO Arkaden in Wolfsburg: ein nachhaltiges Konzept mitten in der Stadt
Mitten in der Porschestraße in Wolfsburg entsteht mit den BRAWO Arkaden derzeit ein Ort für eine positive, nachhaltige Stadtentwicklung. Hier wird im Rahmen von moderner Architektur und grüner Atmosphäre ein Raum entwickelt, an dem die Menschen sich wohlfühlen, entspannt einkaufen, arbeiten und wohnen sollen. Ökologische Aspekte wie Schallschutz, Klimaökologie oder Luftqualität werden von Anfang an berücksichtigt.
Für den großstädtischen Charakter wird eine offen gestaltete Fassade sorgen. Die Wohnkonzepte für verschiedene Zielgruppen bieten viel Licht und durchdachte Grundrisse, begrünte Innenhöfe und Ruhe. Sie sind zentral angelegt, barrierearm und nachhaltig gebaut und schaffen damit eine entspannte Wohnatmosphäre in mitten der turbulenten City-Lage.
Die Einzelhandelsangebote auf hellen und offenen Flächen sollen eine Mischung aus bekannten Marken, regionalen Anbietern und modernen Storekonzepten darstellen – im zweiten Bauabschnitt ergänzt durch Gastronomie und Aufenthaltsflächen, die zum Verweilen einladen. Derzeit befindet sich das Projekt im ersten Bauabschnitt.