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Helmstedter Revier, Karpfenteich, Kraftwerk Buschhaus Martina Hartmann / Stadt Helmstedt

Ideen für eine grüne Zukunft
Transformation des Helmstedter Reviers

Der Landkreis Helmstedt zeigt, wie Wandel konkret aussehen kann: Wo früher in tiefen Gruben Braunkohle geschürft wurde, entstehen heute Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien und Ideen für nachhaltiges Leben, Arbeiten und Erholen. 

Für junge Menschen, Fachkräfte, Startups und etablierte Unternehmen bietet das Helmstedter Revier spannende Perspektiven – und die Chance, Teil eines echten Transformationsprozesses zu werden. Denn mit dem Strukturwandel verändert sich auch der Arbeitsmarkt. Neue Berufsfelder entstehen in den Bereichen erneuerbare Energien, Digitalisierung und Dienstleistungen. Unternehmen suchen gezielt Nachwuchskräfte und bieten attraktive Einstiegsmöglichkeiten – oft mit kurzen Entscheidungswegen und guten Entwicklungschancen.

Kreative Konzepte für das Helmstedter Revier

In diesem Tagen stehen die Akteure in der Region vor der Herausforderung, das komplette Helmstedter Revier mit seinen ehemaligen Tagebauflächen und bestehenden Industrieanlagen sinnvoll umzugestalten. Die Entwicklung dieses neuen Landschaftsraums ist eine anspruchsvolle Aufgabe: Weitläufige Flächen müssen neu gedacht, geplant und gestaltet werden. 

Für das rund 4.500 Hektar große Gebiet gilt es, ein zukunftsfähiges wirtschaftliches Fundament zu schaffen und zugleich Lebensräume zu entwickeln, mit denen sich die Menschen vor Ort identifizieren können. Dabei spielen Energieerzeugung, wirtschaftliche und touristische Nutzung sowie Naherholung eine zentrale Rolle – und müssen gemeinsam betrachtet werden. 

Um den Entwicklungsprozess ganzheitlich zu begleiten und mit fundierten Ideen voranzubringen, haben der Planungsverband Buschhaus und der Regionalverband Großraum Braunschweig einen Ideenwettbewerb ausgelobt, der von der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH finanziell unterstützt wurde. Zwölf Planungsbüros hatten im Rahmen des Wettbewerbs „Transformation – vom Braunkohlerevier zur grünen Energielandschaft“ die Gelegenheit, ihre Konzepte und Entwicklungsperspektiven für einen erfolgreichen Strukturwandel zu präsentieren.
 

„Die Ergebnisse unseres Ideenwettbewerbs sind planerische Inspirationen und visionäre Impulse für diese große Herausforderung, vor der Regionalplaner, Landschaftsarchitektinnen, Kommunen, aber auch die Bevölkerung stehen“, bescheinigte Anna Weyde, Erste Verbandsrätin und Abteilungsleiterin Regionalentwicklung beim Regionalverband Großraum Braunschweig, den eingereichten Entwürfen. 

Wie die eingereichten Konzepte und Ideen in die Entwicklung des Helmstedter Reviers einfließen, erklärt Henning Konrad Otto, Geschäftsführer des Planungsverbands Buschhaus und Erster Stadtrat der Stadt Helmstedt: „Der Planungsverband Buschhaus hat jetzt nach Abschluss des Ideenwettbewerbs die Aufgabe, ausgewählte Ideen aus den Wettbewerbsbeiträgen mit den vorhandenen Teilplanungen für das Helmstedter Revier zusammenzuführen. Daraus entsteht ein Gesamträumliches Entwicklungskonzept für das Helmstedter Revier.“

Der Wandel gilt als eines der größten regionalbedeutsamen Projekte der nächsten Jahrzehnte und hat durch seine Dimension auch Einfluss auf das restliche Verbandsgebiet, so die Einschätzung des Regionalverbands Großraum Braunschweig.
 

Lappwaldsee: Vom Tagebau zum Erholungsgebiet

Der Lappwaldsee ist eines der sichtbarsten Beispiele für den Wandel im Helmstedter Revier. Das Gewässer, das sich in den ehemaligen Tagebauen Helmstedt und Wulfersdorf bildet, wird zum Herz eines Naherholungsgebiets mit touristischem Potenzial. 

Bereits jetzt nutzen die Menschen die Wege rund um den Lappwaldsee gerne zum Laufen oder Radfahren. Ein Grillplatz und gemütliche Bänke mit Seeblick laden zu entspannten Stunden ein. Weitere Freizeitmöglichkeiten und neue Übernachtungsangebote sollen sich in den kommenden Jahren entwickeln. So wird der Lappwaldsee nach und nach zu einem Ort, der Natur, Erholung und regionale Entwicklung verbindet.

Eine besondere Rolle im Natur- und Kulturraum rund um den Lappwaldsee spielt das Grüne Band, das dem Verlauf des ehemaligen Eisernen Vorhangs folgt. Die unüberwindbare Grenze zwischen den westlichen und östlichen Machtblöcken verlief durch den heutigen Lappwaldsee. Das Grüne Band wird durch das Gewässer unterbrochen. Dieses Mahnmal und besondere Grenzgeschichte des Lappwaldsees sicht- und erlebbar zu machen ist eines der Anliegen von Henning Konrad Otto, der auch als Geschäftsführer des Planungsverbands Lappwaldsee fungiert. Hier könnte Einzigartiges mit überregionaler Strahlkraft entstehen.

Grünes Band, Hötensleben, Dreharbeiten BFSK.ORG
Das Grüne Band durchzieht das Helmstedter Revier und ist manchmal auch Ort für Dreharbeiten.

Perspektive: Seenlandschaft zwischen Elm und Lappwald

Der Lappwaldsee ist wesentlicher Teil einer Seenlandschaft, die in den nächsten Jahrzehnten im Helmstedter Revier entsteht. Als weiteres großes Gewässer bildet sich am südöstlichen Rand des Helmstedter Revieres der Elmsee. Der Elmsee entwickelt sich im Tagebau Schöningen, in dem die Kohleförderung erst im Jahr 2016 abgeschlossen war. 

Tagebau Schöningen, Elmsee Matthias Leitzke
Im Tagebau Schöningen entsteht der Elmsee.

Noch ist nicht absehbar, wann das Gewässer seine komplette Ausdehnung erreichen wird. Dies ist von vielen Faktoren abhängig. Aktuellen Schätzungen des zuständigen Bergbauträgers Helmstedter Revier GmbH zufolge wird der Elmsee eine Fläche von etwa 400 Hektar und eine Uferlinie von 14 Kilometern haben und damit vergleichbar mit dem Lappwaldsee sein. 

Teiche und Weiher, die teilweise bereits heute als Biotope oder Angelgewässer einen festen Platz im Revier haben oder noch entstehen, ergänzen die künftige Seenlandschaft zwischen Elm und Lappwald.
 

Attraktion für Touristen und Einheimische: In die Geschichte eintauchen rund um den Elmsee 

Dass sich an der Stelle des künftigen Elmsees unter anderem vor 300.000 Jahren ein See befand, ist wissenschaftlich belegt. Schon vor vielen Jahrzehnten entdeckten Archäologen am Rande des Tagebaus Schöningen Artefakte, die Anlass gaben, die Geschichte der Menschheit umzuschreiben. Es waren Speere, die steinzeitliche Jäger am Ufer des besagten Sees zurückgelassen hatten. Seit der Entdeckung der rund 300.000 Jahre alten hölzernen Jagdwaffen liefert die Ausgrabungsstelle immer wieder aufsehenerregende Funde aller Art. 

In unmittelbarer Nähe liegt am Rande des Tagebaus das Forschungsmuseum Schöningen, auch als Paläon bekannt. Das Museum, in dem auch die berühmten Schöninger Speere zu sehen sind, macht die Menschheitsgeschichte anhand von beeindruckenden Darstellungen und Exponaten greifbar. Gleichzeitig stärkt das Forschungsmuseum die Region als Bildungs- und Tourismusstandort und zieht Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Region und darüber hinaus an.
 

In Schöningen selbst entwickelt sich rund um das ehemalige Klostergut St. Lorenz ein Ort, der das touristische Angebot ergänzt. Der landschaftlich reizvoll am Elm gelegene Golf- und Land-Club St. Lorenz lädt Sportler ein, ihrem Hobby nachzugehen und anschließend bei einem erfrischenden Getränk auf der Terrasse auszuspannen. 

In der zur Clubanlage gehörenden Klosterschänke – einem liebevoll restaurierten historischem Gemäuer – erwarten die Gäste Spezialitäten regionaler Herkunft. Derzeit werden im Golf- und Landclub sogar Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen. Ein Highlight für junge Besucher ist ein Tiergehege mit Bewohnern aus aller Welt. Kängurus und Alpakas ziehen Schulklassen und Besucher aus der ganzen Region an.
 

Innovative Energiegewinnung am traditionsreichen Industriestandort Buschhaus

Nach dem Ausstieg aus der Braunkohle eröffnen sich rund um den traditionsreichen Standort Buschhaus ganz neue Perspektiven – nicht zufällig, sondern bewusst geplant und ganzheitlich gedacht. Transformation bedeutet hier: ehemalige Bergbauflächen werden renaturiert, innovative Projekte geplant und neue Branchen angesiedelt. 
 

Kraftwerk Buschhaus Matthias Leitzke
Am Standort Buschhaus bleibt Energie ein Schwerpunktthema.

Ein Beispiel ist der EEW-Standort Buschhaus. EEW Energy from Waste investiert einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in die Zukunft des Energiestandorts Buschhaus. Das Unternehmen setzt damit ein Zeichen für die industrielle Perspektive, für Innovation und die langfristige Sicherung des Standorts Buschhaus. Eine neue Rauchgasreinigungslinie stellt sicher, dass auch künftig strengste Emissionsgrenzwerte eingehalten werden. „Die Investition unterstreicht unseren Anspruch, Energie aus Abfall effizient, nachhaltig und auf höchstem umwelttechnischem Niveau zu erzeugen – und stärkt zugleich die Zukunftsfähigkeit des Standorts und der Region“, sagt Dr. Joachim Manns, operativer Geschäftsführer (COO) von EEW.

Im folgenden Video erfährst du, wie am Standort Buschhaus aus Restabfällen Strom hergestellt wird und wieso das bei EEW Energy from Waste angewandte Verfahren nachhaltig ist.

Energiewende sichtbar machen – Wind, Sonne und mehr

Der Wandel – weg von fossilen Energieträgern, hin zu erneuerbaren Energien – wird wohl selten so deutlich sichtbar wie im Helmstedter Revier. Auf renaturierten Flächen, zwischen Feuchtbiotopen und Birkenwäldern, drehen sich heute Windräder und schimmern Photovoltaikanlagen. Wind- und Sonnenenergie spielen eine zentrale Rolle in der Transformation des Reviers. Die Anlagen sollen als selbstverständlicher Teil des entstehenden Naherholungsgebiets werden – aus nächster Nähe spürbar und erlebbar.

In unmittelbarer Nachbarschaft des Helmstedter Reviers bringt im Süden des Landkreises Helmstedt und im angrenzenden Landkreis Wolfenbüttel die Landwind-Gruppe neue Impulse. Der in Gevensleben ansässige und stark expandierende Projektentwickler, Direktvermarkter von Ökostrom und lokale Energieversorger treibt den Ausbau erneuerbarer Energien voran und zeigt, wie regionale Wertschöpfung mit Klimaschutz verbunden werden kann. Die Windparks der Landwind-Gruppe liefern jährlich mehr als 600 Gigawattstunden elektrische Energie. Das ist genug Strom, um über 400.000 Menschen zu versorgen. Weitere Großprojekte in Sachen Windenergie, darunter der Windpark Söllingen, sind im Entstehen. Ein Blick hinter die Kulissen der Windpark-Baustelle gewährt das folgende Video.

Energie und Netze: Avacon als Partner der Transformation

Bedingung für das Gelingen der Energiewende sind starke Infrastrukturen. In Helmstedt leistet die Avacon AG einen wichtigen Beitrag, indem sie Netze modernisiert und an sich verändernde Anforderungen anpasst. So schafft das Unternehmen die Grundlage dafür, dass erneuerbare Energien und neue Technologien in der Region zuverlässig genutzt werden können. Hier liest du, wie Avacon die Energiewende vorantreibt.

Nachhaltigkeit bei Avacon: Batteriespeicher sind Bestandteil von Energieplattformen. Avacon
Damit erneuerbare Energien häufig verfügbar sind, setzt Avacon auf Batteriespeicher.

Transformation vorantreiben, Netzwerke ausbauen

In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, bestehende Netzwerke auszubauen und gemeinsam die im Ideenwettbewerb zur Transformation des Helmstedter Reviers entstandenen Ideen in konkrete Planungen zu überführen. Die frühzeitige Kooperation von Planungsverbänden vor Ort, dem Regionalverband Großraum Braunschweig und der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH (WRH) sowie das gemeinsame Vorgehen von Anfang an sollen zu einer Vereinfachung und Beschleunigung der notwendigen Verfahren beitragen. 

„Ziel ist es, einen innovativen und nachhaltigen Raum zu schaffen, der dem Landkreis Helmstedt und der gesamten Region langfristig einen spürbaren Mehrwert bietet“, sagt Thomas Klein, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH (WRH). Die im Revier aktiven Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Tourismus tragen durch ihr Engagement bereits jetzt zum Gelingen des Wandels bei. „Der Strukturwandel ist in vollem Gange und erste mutmachende Ergebnisse sind bereits sichtbar“, bestätigt Henning Konrad Otto.