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Ein Dorf im Festivalrausch: Wie ein internationales Reitturnier Allersehl verändert

  • Datum: 5. August 2016
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 (Bildrechte: Tierfotografie Huber)
Foto von Gerd Reckow
Gerd Reckow
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Alle zwei Jahre wird aus dem beschaulichen Ort Allersehl ein Mekka für Pferdenarren. Dann bevölkern tausende Menschen aus aller Welt das kleine Dorf in der Südheide. Die Attraktion: das Pferdesportfestival Niedersachsen, ein Reitturnier von Weltklasse.

Allersehl ist so etwas wie das Bullerbü der Südheide: Das Dorf hat nicht mal 120 Einwohner und liegt ein bisschen ab vom Schuss. So kommt es mir jedenfalls vor, als ich den kleinen von Ackerflächen, Wald und Wiesen umgebenen Ort erreiche. Mitten im Dorf grasen Pferde auf einer große Wiese. Ein liebevoll restaurierter Ziehbrunnen erinnert an alte Zeiten. Ruhig und idyllisch ist es hier, es gibt kaum Durchgangsverkehr und die Natur ist greifbar nahe.

Internationales Flair

Kaum vorstellbar, dass alle zwei Jahre tausende Besucher in das kleine Dorf strömen, um ein auch international bekanntes Spektakel zu besuchen: das Pferdesportfestival Niedersachsen. Es ist ein Turnier mit Weltklasseniveau. „Wir bewegen uns auf dem Niveau der großen Reit-Events in Frankfurt, München oder Neumünster“, betont Turnierchef Holger Bock. Das Reitturnier wurde 1999 vom Reit- und Fahrverein Isenhagenerland initiiert. Der eingetragene Verein hat über 200 Mitglieder und seinen Sitz auf der Reitanlage der Familie Bock am Ortsrand von Allersehl, wo auch das Reitturnier stattfindet.

Reitstallbesitzer Holger und Tanja Bock (Foto: Frank Bierstedt)

In diesem Jahr ist es wieder so weit. Erwartet werden bis zu 10.000 Besucher sowie Reiter mit weit über tausend Pferden. Das Turnier genießt einen ausgezeichneten Ruf. Neben Teilnehmern von Reitvereinen aus der Region gehen hier auch national und international aktive Reitsportler an den Start,  die in speziellen Prüfungen der Dressur und des Springens Ranglistenpunkte und Preisgelder sammeln können.

Reiter und Besucher profitieren aber nicht nur von einem spannenden Turnier, sondern auch vom schönen Umland. „Viele der Besucher nutzen die umliegenden Hotels und haben das Isenhagener Land als Freizeit- und Urlaubsregion kennen und schätzen gelernt“, erzählt Bock.

Wie bewältigt der kleine Ort einen solchen Ansturm an Gästen, Sportlern und Pferden? Dorfbewohner Hans-Otto Pape: „Das funktioniert eigentlich ganz gut. Es werden ja viele Parkplätze rund um die Reitanlage ausgewiesen. Und die Besucher halten sich vorwiegend auf dem Turniergelände auf, das ja auch sehr weitläufig ist. Dass im Dorf selbst auch mal links und rechts der Straße geparkt wird, kommt natürlich auch vor, aber ein großes Problem ist das nicht.“

Pape findet, dass das Festival insgesamt eine großartige Veranstaltung ist und sicher ein Gewinn für Allersehl. Da nehme der größte Teil der Bewohner auch wohlwollend den Trubel in Kauf, der mit solch einem Mega-Event verbunden sei. „Es ist ja schon eine Sensation für unseren kleinen Ort, so eine Veranstaltung hier zu haben“, sagt er.

Und die Veranstaltung ist Pape zufolge auch aus einem anderen Grund eine Bereicherung für den Ort. Denn seit der Dorfgasthof „Allersehler Hof“ aufgegeben wurde, fehlte lange ein Treffpunkt für gemeinsame Feiern im Ort. Heute treffen sich die Allersehler, etwa nach ihrem alljährlichen Faslam-Umzug, im Kasino der Reitanlage.

Feiern bis zum Morgengrauen

Der Trubel beginnt übrigens schon vor dem Reitturnier. Denn einmal im Jahr, und zwar immer am ersten Samstag im August, also jedes zweite Mal am Abend vor dem Reitsportfestival, ist „Mawife-Time“ in Allersehl und das weitläufige Gelände um einen Grillplatz wird zur Partymeile. Heiße Rhythmen, gute Laune, kleine Snacks und Getränke satt ziehen Gäste aus nah und fern an. Im vergangenen Jahr haben über 800 Fans und Freunde der Megaparty die Nacht zum Tage gemacht. Gefeiert wird bis in den frühen Morgen.

Und dann wäre da noch die Party vor der Party: Denn vor der großen Mawife-Fete gibt es ein Fest für alle Dorfbewohner als Dankeschön für die Duldung der recht lautstarken Veranstaltung und für die Beteiligung als Helfer beim Reitsportfestival. Erst wenn dieses vorbei ist, herrscht wieder Ruhe und Idylle – wie in Bullerbü.

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