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Lautlos in der Luft: Salzgitter ist eine Hochburg des Segelfliegens

  • Datum: 26. August 2016
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 (Bildrechte: Matthias Kloß)
Foto von Martina Zingler
Martina Zingler
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Es ist still. Lediglich das leise Geräusch der Luftströmung ist zu hören. Kein Baum, kein Haus versperrt die Sicht. Nur blauer Himmel und Weite ringsum. Durch die Luft zu gleiten, ohne das Brummen eines Triebwerks – das macht wohl die größte Faszination beim Segelfliegen aus. In Salzgitter bieten gleich zwei Vereine die Möglichkeit, diesen Sport auszuüben. 

Für eine Weile der Welt zu entfliehen und die viel besungene Freiheit in den Wolken zu erleben, ist sicher für viele Motivation, den Segelflugsport zu betreiben. Andere mag wiederum die Kombination aus purem Naturerleben und Hightech-Flugtechnik anlocken. Ganz ohne Motor viele Kilometer zurückzulegen, das hat schon etwas Einzigartiges. Im Verein, wo oft ein ganz besonderes Gemeinschaftsgefühl entsteht und man zwischen den Flügen nett beisammensitzt, ist der Sport sogar für jedermann erschwinglich. Salzgitter hat eine vergleichsweise recht hohe Dichte an Segelflugvereinen. Der Luftsportgemeinschaft Schäferstuhl e. V. hat seinen Sitz auf dem Schäferstuhl in Salzgitter-Bad mit weitem Blick südlich über das Harzvorland bis hin nach Goslar und zum Brocken. Direkt vom Salzgittersee aus starten die Flieger des Sportgemeinschaft AERO Salzgitter e. V. In beiden Fällen beste Voraussetzungen für atemberaubende Aussichten über die Region!

Segelfliegen ist zunächst einmal ein Teamsport. Wer „in die Luft gehen will“, braucht eine verlässliche Mannschaft im Rücken. Jemand muss die Winde bedienen, ein Flugleiter muss vor Ort sein, der Schlepppilot zieht den Segelflieger in die Höhe – und nicht zuletzt wollen auch das Fluggelände gepflegt und die großen Rasenflächen gemäht sein. „Wir sind eine starke Gemeinschaft“, sagt Carsten Charlet, Vorsitzender der Luftsportgemeinschaft Schäferstuhl e. V. in Salzgitter-Bad.

Der Zeitaufwand beim Segelfliegen ist recht hoch. „Wer Segelfliegen will, muss auch Spaß am Drumherum haben“, bestätigt auch Matthias Kloß, Vereinsvorsitzender der Sportgemeinschaft AERO Salzgitter e. V. in Salzgitter-Lebenstedt. Segelfliegen sei praktisch eine Lebensaufgabe. „Man muss wirklich brennen für den Sport.“ Zum Glück gibt es in beiden Vereinen genügend Mitglieder, um die Aufgaben zu bewältigen. Am historisch älteren Standort am Schäferstuhl sind es 180 Mitglieder, 31 davon aktiv. AERO zählt derzeit 85 Mitglieder, darunter 20 aktive Segelflieger. In beiden Vereinen kümmern sich ausgebildete Fluglehrer um die Flugschüler.

Fliegen ist nicht wie Fussballspielen

Die Jugendarbeit spielt eine große Rolle im Verein, gestaltet sich jedoch nicht immer leicht. „Das Interesse ist da“, meint Charlet. „Doch vielen ist der Zeitaufwand zu hoch.“ Die LSG Schäferstuhl gewinnt den Großteil an Segelflugnachwuchs über das örtliche Gymnasium, das regelmäßig eine Segelflug-AG anbietet. Auch Kloß bestätigt, dass sich viele Jugendliche für das Segelfliegen interessieren, deren Freizeit aber so durchorganisiert und mit anderen Aktivitäten gefüllt sei, dass die Zeit für den Luftsport einfach nicht ausreiche. „Es ist eben nicht wie im Fußballverein“, so Kloß.

Wer den Sport zunächst einmal kennenlernen möchte, kann über einen Schnupperkurs einsteigen. Und natürlich werden auch Rundflüge für alle diejenigen angeboten, die auf das einmalige Erlebnis nicht verzichten wollen. Dazu stehen am Schäferstuhl fünf Segelflugzeuge – zwei Doppelsitzer für Gemeinschaftsflüge und drei Einsitzer für Soloflüge – sowie ein Motorsegler und sogar ein Ultraleichtflugzeug zur Verfügung. In Lebenstedt nutzen die Vereinsmitglieder vier Segelflugzeuge und einen Motorsegler. Beliebt sind außerdem die Fahrten mit dem Heißluftballon, die am Salzgittersee starten. Highlight in jedem Jahr ist das Ballonglühen während der Flugtage, die der Lebenstedter Verein immer am letzten Wochenende im August veranstaltet.

Auch die Flugtage am Schäferstuhl sind vielen noch immer in guter Erinnerung, sie mussten jedoch vor sechs Jahren aufgrund erweiterter Auflagen und den daraus resultierenden höheren Personalkosten eingestellt werden. Dennoch wird es beim Oldtimertreffen mit anschließendem Hallenfest, das auch schon damals den krönenden Abschluss der Flugtage darstellte, den ein oder anderen Klassiker zu bewundern geben.

Und was sind so die Highlights im Leben eines Segelflugbegeisterten? Kloß schwärmt besonders von seinen Streckenflügen, Dreiecke, bei denen zwei Ziele angeflogen und Ausgangs- und Startpunkt derselbe sind. 500 Kilometer kommen da schon mal zusammen. „Bei solchen Flügen ist man schon ziemlich lange unterwegs. Sieben bis acht Stunden können es schon werden.“ Spannend ist auch die Planung im Vorfeld, das Abschätzen des Wetters.

Am Schäferstuhl erinnert man sich außer an die Streckenflüge auch gerne an den gemeinsamen Fliegerurlaub in Österreich. Der nächste ist schon wieder geplant. Dann werden die Segelflugzeuge in den Anhänger verpackt und auf geht’s nach Feldkirchen. „Den Großglockner entlangzufliegen, das hat schon was“, schwärmt Charlet.

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