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Meilensteine des VfL Wolfsburg: Vom Bau der Arena bis zur Königsklasse

  • Datum: 15. September 2016
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 (Bildrechte: VfL Wolfsburg)
Foto von Ingo Bartels
Ingo Bartels
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Es ist Freitag, der 13., als die neue Volkswagen Arena im Dezember 2002 eröffnet wird – und doch ein Glückstag. Das neue Stadion ist das erste große Projekt der neuen Fußball-GmbH, geplant und umgesetzt in nur 18 Monaten unter Federführung von Klaus Fuchs, der auch als Vater des neuen Stadions bezeichnet wird. Nach dem Bundesligaaufstieg 1997 musste eine Heimstätte her, die den Anforderungen an nationale und internationale Fußballspiele gerecht wird.

Die Volkswagen Arena erweist sich seitdem als Schmuckkästchen zwischen Berliner Ring und Mittellandkanal. Hier wurden schon zahlreiche Heimspiele ausgetragen, die ausverkauft waren. Die Zuschauerzahlen steigen, auch wenn es saisonale Schwankungen gibt. Auch in der letzten Saison besuchten mitunter fast 29.000 Fans die Volkswagen Arena, und das, obwohl es sportlich nicht gut lief: ein Zeichen für die gute Vereinstreue und die positive Entwicklung der Fankultur.

Die Gründung der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH Anfang 2001 mit Volkswagen als Hauptgesellschafter war der wohl wichtigste Schritt auf dem Weg in die Professionalität. Die Geschäftsführer Fuchs (Geschäftsstelle, Marketing, Personal), Wolfgang Hotze (Finanzen) und Peter Pander (Sport) läuteten eine neue Ära ein mit begeisterndem Fußball, Titeln und neuem Stadion im Allerpark Wolfsburg, der damit weiter an Attraktivität für den Tourismus gewann.

An die Eröffnungsfeier in der Volkswagen Arena erinnere ich mich sehr gut, denn ich war als Sportmanagement-Student der Fachhochschule (FH) Braunschweig/Wolfenbüttel (heute FH Ostfalia) für die Betreuung der Logengäste zuständig. Bevor der Ball rollte, gab Herbert Grönemeyer ein Konzert. Seine Hits habe ich noch immer im Ohr, wenn ich daran denke, dazu der Blick vom Rasen auf die Tribüne, bleibt mir im Gedächtnis. In einer kurzen Pause konnte ich auch in den Innenbereich rein. Vier Jahre lang arbeitete ich während der Spiele im Stadion und erlebte so die Weiterentwicklung des VfL Wolfsburg hautnah mit.

Premiere in der Volkswagen Arena

Zwei Tage nach dem Grönemeyer-Konzert fand das erste Spiel im neuen Stadion statt und ich durfte erneut in der Loge arbeiten. Die Vorfreude war bei den Logengästen und bei mir natürlich riesig. Der VfL empfing den VfB Stuttgart und verlor mit 1:2. Den Ehrentreffer und den ersten Torjubel in der Volkswagen Arena überhaupt verdankten die Fans dem Stürmer Tomislav Maric, der in der 76. Minute vom Elfmeterpunkt zum 1:2 traf. Den Elfmeter holte im übrigen Stefan Effenberg heraus. Weitere bekannte Spieler im Kader waren zum Beispiel Claus Reitmaier, Stefan Schnoor, Hans Sarpei, Tobias Rau, Pablo Thiam, Martin Petrov, Roy Präger und Diego Klimowicz.

Bis das Stadion zum ersten Mal ausverkauft war, dauerte es fast sechs Monate: Am 13. April 2004 hieß der Gegner Hannover 96 und 30.000 Zuschauer erlebten einen 1:0-Derbysieg durch ein Tor von Torjäger Diego „Klimo“ Klimowicz. Ich erinnere mich noch sehr gut an diese Derbys, denn in einer meiner Logen saßen Wolfsburg-Fans, die immer auch Verwandte aus der Landeshauptstadt einluden, wenn die „roten Teufel“ zu Gast waren. Egal, wie das Spiel ausging, es war danach immer eine getrübte Stimmung in einem der Fanlager, während das andere jubelte.

Der VfL Wolfsburg: Deutscher Meister 2009

Neben den Derbysiegen wurden auch andere fußballerische Höhepunkte im Allerpark gefeiert: Am 23. Mai 2009 krönte der VfL Wolfsburg eine bis dahin noch nie da gewesene Aufholjagd mit zehn Siegen in Folge mit der Deutschen Meisterschaft. Erfolgstrainer Felix Magath hatte mit seiner offensiven Spielweise um die Torjäger Edin Dzeko, Grafite und Spielmacher Zvjezdan „Zwetschge“ Misimovic einen Spitzenklub geformt.

Zudem wurden die Spiele der FIFA Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in der Volkswagen Arena und das deutsche Meisterschaftsfinale der Frauen 2013 ausgetragen. Ich war bei zwei WM-Partien live dabei: Schweden gegen USA (2:1) mit Nilla Fischer und Brasilien gegen Norwegen (3:0) mit Weltstar Marta. Es waren tolle Spiele vor begeisterten Zuschauern, die viel Werbung für den Frauenfußball in Deutschland machten und auch in Wolfsburg dafür sorgten, dass die Frauen heute einen höheren Stellenwert im Verein haben.

Die Königinnen des Fussballs

Frauenfußball gibt es in Wolfsburg seit 1973. Als 1990 die Frauen-Bundesliga gegründet wurde, war der VfR Eintracht Wolfsburg (Verein für Rasensport) dabei, kam allerdings 1998 in eine finanzielle Schieflage und fusionierte mit dem WSV Wendschott. Erst 2003 wechselte der Kader mit bekannten Namen wie Stefanie Gottschlich (Abwehr, 45 Länderspiele) und Claudia Müller (Sturm, 45 Länderspiele) zum VfL und die Spielerinnen durften sich das grün-weiße Trikot überstreifen.

Zwei Jahre später passierte der Super-Gau: Die Mannschaft stieg ab. Doch der sofortige Wiederaufstieg klappte dank der neuen Top-Torjägerin Martina Müller, die in der Aufstiegssaison 36 Tore erzielte und auch in den Folgejahren der personifizierte Erfolg der Mannschaft war. Nach 210 Spielen und 138 Toren beendete sie nach der Saison 2014/2015 ihre Karriere.

Nach dem Wiederaufstieg hielten die Wölfinnen im gesicherten Mittelfeld die Klasse. Und Trainer Ralf Kellermann, der 2008 einstieg, formte gemeinsam mit Geschäftsführer Thomas Röttgermann eine Mannschaft mit Weltklasseniveau. Er war das bis dahin fehlende Puzzleteil für den rasanten Aufstieg und verbesserte die Mannschaft kontinuierlich weiter.

Titel-Triple

Die Erfolgssaison schlechthin war die Saison 2012/2013: Die VfL-Fußballerinnen holten gleich drei Titel: Sie wurden Deutscher Meister, holten sich den DFB-Pokal und gewannen die Königsklasse in Europa, die Champions League. Gerade im technischen Bereich war die Mannschaft mit Spielerinnen wie Nadine Keßler, Conny Pohlers und Alexandra Popp sehr stark und dominierte den Frauenfußball.

Fortan war der VfL in allen Wettbewerben der Favorit. 2013/2014 gewann der VfL die Deutsche Meisterschaft und erneut die Champions League. 2014/2015 und 2015/2016 reichte es „nur“ noch zum DFB-Pokalsieg. Hauptkonkurrenten sind national mittlerweile der FC Bayern München und international Olympique Lyon, die Überfliegermannschaft der letzten Jahre.

In der noch jungen Saison 2016/2017 setzte der VfL mit dem Transfer von Nationalspielerin Anja Mittag ein Ausrufezeichen. Sie kehrte nach nur einer Spielzeit vom Spitzenklub Paris St. Germain zurück in die Frauen-Bundesliga. Ein Wechsel, der das Zuschauerinteresse in Wolfsburg weiter steigen lassen wird.

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