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Elite auf dem Trampolin – Warum schon Henrik Stehlik in Salzgitter trainierte

  • Datum: 8. November 2016
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 (Bildrechte: Kathrin Bolte)
Foto von Kathrin Bolte
Kathrin Bolte
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Es scheppert, wenn die Turner auf dem Tuch aufkommen. Man flucht oder freut sich über geglückte Sprünge. Alle Spitzenathleten der Turn- und Sportgemeinschaft Jugenddorf Salzgitter (TGJ) sind mit Herzblut dabei. Auch Landestrainerin Katarina Prokova, die mit lauten Kommandos gezielt hilft und die Athleten zu Höchstleistungen antreibt – mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit, versteht sich, aber auch mit ganz viel Spaß an der Sache.

Katsching! Katsching! Katsching! Macht es, als ich die Halle des Landes- und Bundesstützpunkt Trampolin in Salzgitter betrete. „Schuhe aus!“ – steht an der Tür. Ein erster Hinweis darauf, dass es hier um Sport geht. Gesagt, getan. Kaum eingetreten komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor mir erstreckt sich eine  480 Quadratmeter große Halle mit einer Höhe von bis zu 9,5 Metern. Optimale Trainingsbedingungen für die Spitzenathleten und -innen, wie ich im Gespräch mit Katarina Prokova, die von Landestrainer Pavlo Kirchner unterstützt wird, erfahre.

Hier trainiert der Bundeskader

Vier große Trampoline stehen in der Mitte der Halle. Auf ihnen springen Sportlerinnen und Sportler grazil und mit unheimlich viel Kraft. Ich muss einen Schritt zurück treten, um den Weg der Turner gen Hallendecke verfolgen zu können. Die Sportler im Alter zwischen acht und 20 Jahren kommen vier bis fünf Mal pro Woche zum Training. „Das ist der Bundeskader. Das sind absolute Elitesportler“, sagt die Trainerin, nicht ohne Stolz. Zu recht. „Wir trainieren für die Deutsche Meisterschaft in Dessau.“ Viel Zeit, sich mit mir zu unterhalten, bleibt da nicht.

Auf zwei Trampolinen machen sich zwei Sportlerinnen bereit. Synchronspringen ist angesagt. Sie holen Schwung und beginnen ihre Kür. Es geht hoch. Höher. Mit den Armen wird der Schwung aus den Beinen verstärkt. Ein Salto. Eine Schraube. Vorwärts. Rückwärts. Beim Anblick komme ich fast aus dem Gleichgewicht, während die Athleten springen, als wäre es das normalste der Welt. Zwischendurch treten Trainer und Athlet immer wieder an den großen Bildschirm. „Wir nehmen die Sprünge auf Video auf. Das macht eine Analyse einfacher“, erklärt mir Prokova. An ihren Schüler gerichtet: „Schau, hier musst du die Schulter gerader machen. Aber toll wars.“ Beim Training geht es nicht einzig und allein ums Springen. „Man braucht dafür Sprungkraft, Ausdauer und Koordination. Also trainieren wir auch diese Dinge und gehen zum Beispiel mal zum Salzgittersee joggen“, erfahre ich.

Anouk Olszewski – Sportlerin aus Leidenschaft

Eine der Athletinnen ist die 17-jährige Anouk Olszewski. „Ich mache schon seit 2007 Trampolinspringen und es macht mir unheimlich viel Spaß“, verrät sie mir. Fünf mal die Woche kommt sie nach Salzgitter, um zu trainieren – am Wochenende sind dann die Wettkämpfe. „Mir gefällt dabei besonders, dass man jedes Mal sieht, wie man besser wird. Außerdem macht das nicht jeder und kann auch nicht jeder“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Bereits seit ihrem dritten Lebensjahr hat sich Anouk dem Sport verschrieben. Mit Kunstturnen hat sie damals angefangen.

Sehr bekannte und vor allem erfolgreiche Persönlichkeiten hat der Verein schon hervorgebracht. Allen voran Henrik Stehlik, der unter anderem 2003 Weltmeister wurde, 2004 Dritter bei den Olympischen Spielen in Athen und bei den Sommerspielen in London das Finale nur knapp verpasste. 2005 wurde er in Hannover zum Sportler des Jahres gewählt.

Erfolg braucht Förderer

Um den Betrieb der erfolgreichen Trampolinturner/innen aufrecht zu erhalten, wurde 2008 für die Turn- und Sportgemeinschaft Jugenddorf Salzgitter ein Förderverein unter dem Motto „Medaillen haben einen Preis“ gegründet. Ziel des Vereins war und ist es, die national und international erfolgreichen Trampolinturner/innen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Um professionelle Trainingsmethoden und eine optimale Betreuung zu bieten, um an der Weltspitze erfolgreich zu sein, sind hohe finanzielle Mittel erforderlich. Die Sportbetriebskosten der Trampolinturner belaufen sich auf rund 30.000 Euro im Jahr.

Wer im übrigen das Trampolinspringen einfach mal ausprobieren möchte, kann dienstags von 15 bis 16 Uhr das Training der Anfänger besuchen und einfach mal mitmachen. Ich bleibe staunend zurück. Bin begeistert und denke ein bisschen an den Schulsport zurück. Damals. Da war auch Trampolinspringen dabei. Jedoch sehr weit entfernt von dem, was ich heute erlebt habe.

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