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UNESCO-Welterbe Harz: Ausflugstipps mit Kultur und Natur

  • Datum: 24. Mai 2017
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 (Bildrechte: Harzer Tourismusverband)
Foto von Klaus Sievers
Klaus Sievers
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Das UNESCO-Welterbe Harz ist ein perfekter Ort für Tagesausflüge. Das geht beispielsweise sportlich, indem ich zu Fuß oder mit dem Mountainbike oder im Winter mit Langlaufskiern durch die Oberharzer Teich- und Grabenlandschaft laufe. Es geht auch gemütlich mit einem Stadtbummel durch die Altstadt von Goslar oder abenteuerlich mit einer geführten Tour durch  alte und dunkle Bergwerksstollen oder unterhaltsam mit einem Rock- oder Klassikkonzert in der ehemaligen Schlosserei des Erzbergwerks Rammelsberg. Das Angebot an Aktivitäten im Welterbe ist vielfältig, attraktiv und bunt – aber leider noch zu wenig bekannt. Es ist jedenfalls ganz anders, als der spröde Name Welterbe vermuten lässt.

Das Bergwerk Rammelsberg mit seinen Außenanlagen (Foto: Frank Bierstedt)

Eine Stiftung und drei Welterbestätten

Zum Welterbe gehören, von der UNESCO offiziell ernannt, das Erzbergwerk Rammelsberg, die Altstadt von Goslar und die Oberharzer Wasserwirtschaft. Diese drei Welterbestätten sind verbunden durch die tausendjährige Geschichte des Erzbergbaus im Harz, der einst Städte wie Goslar bedeutend und reich gemacht hat. Als Dach fungiert die Stiftung UNESCO-Welterbe im Harz, die für die Erschließung, inhaltliche Gestaltung und Präsentation der drei Stätten zuständig ist.

Das Welterbe umfasst eine Fläche von 200 Quadratkilometern und damit große Teile des Westharzes. Dazu gehören neun alte Bergwerke und andere Museen, 20 historische Baudenkmäler und rund 900 Objekte, die meist in der Natur stehen und frei zugänglich sind – wobei das Spektrum von Teichen und Wassergräben über alte Stollen bis zu Aquädukten und Dämmen reicht. „Wir haben gegenüber den anderen weltweit 1.052 Welterbestätten den Vorteil, dass wir sowohl Kultur als auch Natur bieten“, erklärt mir Gerhard Lenz, der Direktor der Stiftung und Chef des Besucherbergwerks und Museums Rammelsberg ist.

1.500 Fachwerkhäuser in der Altstadt von Goslar

Die Stiftung will mit einigen Projekten das Welterbe noch attraktiver machen. So sind Zentren in Goslar, Clausthal-Zellerfeld und Walkenried geplant. Die veralteten Bergwerksmuseen in Clausthal, Wildemann, St. Andreasberg und Bad Grund sollen modernisiert und neu ausgerichtet werden. Zudem sind etliche „Erkenntniswege“ geplant: Rundwege zum Wandern und – per Smartphone-App unterstützt – zum Lernen. So gibt es bereits einen Weg rund um Clausthal-Zellerfeld, der über das Wirken des Wissenschaftsgenies Gottfried Wilhelm Leibniz informiert, der vor 330 Jahren vor Ort über den Harzer Bergbau forschte. Lenz’ Vision: „Der Besucher soll bei uns Kultur so wahrnehmen, dass es ein sinnliches und spannendes Erlebnis ist, darüber hinaus auf spielerische Weise auch Spaß macht.“

Wenn ich das Welterbe beschreiben will, komme ich um Superlative nicht herum. Die Altstadt von Goslar ist nach Meinung der UNESCO „eine der bedeutendsten geschlossen erhaltenen Städte der Welt“. Hier stehen 1.500 Fachwerkhäuser und historische Gebäude aus mehreren Jahrhunderten – vom einfachen Bergmannshaus bis zur Kaiserpfalz. In dem fast 1.000 Jahre alten Gebäude im romanischen Baustil wurde im frühen Mittelalter deutsche Geschichte geschrieben.

Rammelsberg 1.000 Jahre in Betrieb

Der Harz ist in Europa die älteste und war die größte Bergbauregion für Silber, Kupfer, Blei und Zink. Ein weiteres Superlativ: Der Rammelsberg war als einziges Bergwerk der Welt mehr als 1.000 Jahre durchgängig in Betrieb. Es wurde 1988 geschlossen und ist seitdem ein attraktives Museum: mit Führungen über und unter Tage sowie mit thematischen Dauer- und Wechselausstellungen in mehreren Gebäuden. Mit einer alten Grubenbahn kann man in den Berg einfahren, mit einem Schrägaufzug einen 41 Meter hohen Hang hinaufgleiten und eine herrliche Aussicht auf die Bergwerksanlage und Teile der Stadt Goslar genießen. Im Frühjahr und im Herbst finden in der ehemaligen Schlosserei, die Platz für 700 Besucher bietet, Rockkonzerte mit dem Slogan „Miner’s Rock“ statt. Am 22. Juli gibt es erstmals ein Open-Air-Festival auf dem Bergwerksgelände.

Der Rammelsberg ist ein Besuchermagnet. Im vergangenen Jahr kamen erstmals mehr als 100.000 Besucher. Lenz: „Damit gehören wir zu den fünf Prozent der deutschen Museen, die über dieser Marke liegen.“

Abenteuertour unter Tage im Kriechgang

Im Rammelsberg wird neben den klassischen Führungen auch eine besondere Tour angeboten, die bei Gruppen sehr gefragt ist. Stiftungsmitarbeiterin Morea Kuhlmann: „Das ist nur etwas für unerschrockene und fitte Besucher.“ Die Untertagetour dauert vier Stunden und geht in den Rathstiefsten Stollen aus dem 12. Jahrhundert. Der ist über weite Strecken sehr schmal und sehr niedrig und führt Wasser. Die Besucher müssen sich zeitweise im nassen und dreckigen Kriechgang bewegen. Dafür gibt es Regenkleidung, Gummistiefel und einen Helm mit Lampe. Zum Schluss muss über Leitern ein Anstieg von 40 Metern bewältigt werden. Zur Belohnung gibt es dann ein früher typisches Bergmannsessen.

Solche Abenteurtouren unter Tage, die von erfahrenen Guides geführt werden, gibt es auch rund um Clausthal-Zellerfeld. Eine Tour ist sieben Kilometer lang und führt von den Buntenbocker Teichen zum ehemaligen Rosenhöfer Grubenrevier.  Nicht ganz so anstrengend ist eine Zwei-Stunden-Tour zwischen den beiden ehemaligen Gruben Dorothea und Caroline.

Wandern und Radtouren im „Wasserwirtschaftsland“

Damit komme ich zum nächsten Superlativ: die Oberharzer Wasserwirtschaft. Das ist ein einzigartiges System von einstmals 149 Teichen, 500 Kilometern Wassergräben und 31 Kilometern unterirdischen Wasserläufen – errichtet einzig mit dem Ziel, Wasser zu sammeln, umzuleiten, zu speichern und bei Bedarf in die Bergwerke fließen zu lassen. Dort trieb es große Wasserräder an, mit deren Energie Erze gefördert und Grubenwasser nach oben gepumpt wurde. „Es war einst das größte vorindustrielle Energieverbundsystem der Welt“, urteilte die UNESCO: „ein Meisterwerk früher Bergbau- und Ingenieurskunst“.

Die meisten Teiche, Gräben und Stollen gibt es noch heute. Deshalb ist für mich das „Wasserwirtschaftsland“ eine wunderbare Wander- und Erholungslandschaft. Es gibt geführte Wandertouren – aber allein geht es natürlich auch. Eine meiner Lieblingstouren führt vom Oderteich am Rehberger Graben entlang. Im Grabenhaus kann man eine gastronomische Pause machen, dann geht es wieder zurück. Gesamtlänge der Wanderung: 13 Kilometer. Wenn es sommerlich warm ist, kann man die Tour mit einem Bad im kühlen und moorigen Wasser des Oderteichs abschließen. Der Oderteich wurde 1722 fertiggestellt und war 170 Jahre lang die größte Talsperre Deutschlands. Noch heute fließt Wasser im Rehberger Graben zum Bergwerk Grube Samson in St. Andreasberg und treibt dort zwei unterirdische Wasserkraftwerke an, die Strom für den Ort erzeugen.

Mit dem E-Bike zur Wolfswarte

Auch Fahrradtouren sind im Oberharz für normale Besucher möglich, aber ziemlich anstrengend. E-Bikes bringen deutliche Entlastung. Im Welterbe werden fünf ausgeschilderte E-Bike-Touren angeboten, in allen größeren Orten gibt es Verleihstationen. Die längste Tour führt über 51 Kilometer vom Torhaus bis Clausthal-Zellerfeld. Mit dem Elektrorad wird selbst ein Anstieg zum 929 Meter hohen Aussichtspunkt Wolfswarte auf dem Bruchberg zum Vergnügen.

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