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IGS Lengede - So geht Digitalisierung in der Schule

  • Datum: 15. September 2020
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Eine Schülerin der IGS Lengede vor ihrem laptop, worauf ein Goethe-Bild zu sehen ist. (Bildrechte: IGS Lengede)
Foto von Susanne Jasper
Susanne Jasper
Alle Beiträge (11)

Die IGS Lengede hat die Nase in der Digitalisierung ganz weit vorn. Schüler wie Lehrer sind gleichermaßen elektrisiert, weil durch den digitalen Werkzeugkasten vor allem eines noch besser geworden ist: der Unterricht!

Wir wollen jetzt nicht übertreiben, aber rund ums Thema Schule sind schon Freundschaften zerbrochen, Ehegelübde ins Straucheln  geraten, Schlachten geschlagen worden. Wenn auch nicht mit Streitaxt und Zankapfel, so doch zumindest mit dem feinen Florett des verbalen Disputs. Wenn diametral auseinander strebende Philosophien über die pädagogisch-didaktisch einzig wahre Unterrichtsmethode in der Debattenarena aufeinander  krachen, dann ist SchlussAusEnde mit schiedlich-friedlich.

Digitalisierungsreligion vs Kreidezeit?

Übertrieben? Lugen wir doch mal durchs Lehrerzimmerschlüsselloch und nehmen Digitalisierung und Medienkompetenz an Schulen ins Visier. Hier von verhärteten Fronten zu sprechen würde einem Schüler im Aufsatz als Ausdrucksfehler rot angestrichen werden: Zu lasch! Denn es gibt da die einen, die spöttisch von Digitalisierungsreligion sprechen, die der Gemeinde dieser vermeintlich Bildschirmhörigen die gute alte Kreide entgegenhalten und die Verblödung der nächsten Generation schon weit vorangeschritten glauben. Die derart als Nerds  geziehenen wiederum halten den ewigen gestrigen Lehrer  Lempels ihre Rückwärtsgewandtheit vor, ihr unbelehrbares Klammern ans gute alte Schulbuch.

Ein Klassenzimmer mit Schülern, die vor ihre Laptops sitzen.
Konzentration im Klassenzimmer: Die Schüler der 6A können mit dem Lernsystem je nach Niveaustufe und Geschwindigkeit individuell beschult werden. (Foto: Susanne Jasper)

Die IGS Lengede ist eine von 20 Schulen, die den Bitkom Bildungspreis erhalten haben. Die Schule ist somit eine sogenannte Smart School. Das heißt: sie setzt digitale Lehrmethoden hervorragend um. Die Kreidezeit bereitet sich in Lengede auf das wohlverdiente Altenteil vor. Jeder Schüler lernt mit Tablet und Notebook.

Digital lernen – Unabhängig von Zeit und Ort

Wir treffen uns mit Kerstin Jasper, didaktische Leiterin an der IGS Lengede. An ideologischen Grabenkämpfen ist ihr überhaupt nicht gelegen. Wenn man sich das Konzept von ihr erklären lässt, dann bleibt am Ende vor allem diese wesentliche Einsicht: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Es geht letztlich immer darum, Unterrichtsqualität zu steigern!

Eine kurzhaarige Frau mit einem Laptop auf dem Arm.
Kerstin Jasper ist die didaktische Leiterin der IGS Lengede. (Foto: Kerstin Jasper)

Digitalisierung ist somit nur ein Instrument, noch  differenzierter, noch individueller, noch dichter dran an der Schülerpersönlichkeit arbeiten zu können. Die viel beschworene und ganz schön überproportional häufig durch sämtliche Fachmagazine  und Fortbildungsmodule gejagte Medienkompetenz ist dabei nur ein Teilaspekt. Mit dem Lernsystem L3 Kids ist es in Lengede gelungen, unabhängig  von Zeit und Ort differenziert lehren und lernen zu können. Über den  üblichen 90-Minuten-Takt hinaus können Lehrer in einen Dialog mit den Schülern treten. Und was mir ganz wichtig erscheint: eine Lernverbindlichkeit herzustellen. Beim Schulbuch war es doch mitunter so: Buch zu und alle Fragen offen. Kein Zugriff mehr. Bei diesem Lernsystem, diesem umfangreichen, digitalen Werkzeugkasten gibt es mehr schnelles Feedback, konkret auf den Einzelnen zugeschnittenen Austausch und mehr Anbindung an den Lehrer.

Ein maßgeschneiderter Plan für jeden Schüler

Zudem kann auch aktuell auf tagespolitische Themen wie zum Beispiel „Black Lives Matter“ reagiert werden. Ein Format aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen kann problemlos hochgeladen und debattiert werden. Zudem ist eine differenzierte Betreuung der Gruppe nach jeweiligem Leistungsstand  möglich. So können für jeden unterschiedliche  Arbeitsmaterialien vorgehalten werden. Ein weiterer Vorteil: die Schüler können in ihrem jeweiligen Profil jederzeit alle hochgeladenen Materialien, Aufgaben, Arbeitsblätter einsehen. Auch das schafft: Verbindlichkeit. Der verschusselte Zettel als gern genommene Standardausrede ist so Schnee von gestern.

„Es gibt auch bewusst digital-freie Zeiten"

Kerstin Jasper, didaktische Leiterin der IGS Lengede

Tafel und Bücher hingegen sind nicht in die Mottenkiste befördert worden. Bewusst gebe es, so Jasper, digital-freie Zeiten. Aber eben auch verbindliche E-Learning-Phasen für die gesamte Schule, in denen jeder Schüler seinen maßgeschneiderten Plan beackern kann.

Der digitale Werkzeugkasten

Ich schaue mal vorbei bei so einer E-Learning-Phase. In Corona-Zeiten ist natürlich alles ein bisschen anders, aber im Prinzip funktioniert das so: Die Schüler bearbeiten je nach Niveaustufe und individueller Geschwindigkeit ihren Arbeitsplan. Sie können auch zwischen verschiedenen Sozialformen wählen: im „Ich“-Raum geht`s still und leise zu.  Partnerarbeit organisiert sich im „Du“-Raum. Ein bisschen ist dieses Lernprinzip angelehnt am amerikanischen Modell, bei dem der Lehrer derjenige ist, der einen festen Raum hat und die Schüler je nach Fach oder Methode des Lernens wechseln. Doch derzeit diktiert alles das Virus. . . .       

„Der digitale Werkzeugkasten erweitert den traditionellen Klassenraum um die Vorzüge des digitalen Klassenzimmers."

Kerstin Jasper

„Digitale Unterrichtsressourcen benötigen einen an das Schulkonzept angelehnten digitalen Organisationsrahmen, im besten Fall einen digitalen Werkzeugkasten. Ein Teil dessen ist das Lernmanagementsystem, es erweitert den traditionellen Klassenraum um die Vorzüge des digitalen Klassenzimmers. Erst die sinnvolle Kombination des traditionellen und des  digitalen Lernraums stellt Schülern zukunftsorientierte  Arbeitsweisen zu Verfügung“, so Jasper.

Dieser Werkzeugkasten ist in Lengede freilich ein 1A-Premium-Teil: Das gesamte Verwaltungsmanagement, der Austausch mit Eltern und Schülern - alles funktioniert perfekt abgestimmt nach diesem System. Als eine von 30 Schulen war die IGS Lengede im Februar 2017 Projektschule für die Niedersächsische Bildungscloud geworden. Als das Land Niedersachsen dann jedoch einen anderen Weg einschlug, machte sich die Schule in Abstimmung mit dem Schulträger selbst auf den Weg. Als Partner wurde die Firma Christmann Informationstechnik + Medien aus Ilsede gewonnen, die bereits den Prototypen der Niedersächsischen Bildungscloud entwickelt hatte. 2018 ging dann L3Kids online. Es steht für Lengeder Lern-, Kollaborations-, Informations- und Dokumentenmanagementsystem. Vielleicht hätte sogar Lehrer Lempel seine Freude daran, denn: es erleichtert auch manches.

Was Jasper zudem wichtig ist: „Lernen ist nicht weniger mühsam, nur weil die Schüler an einer Bildschirmoberfläche arbeiten! Es ist nach wie vor Unterricht!“ Die digitalen Kompetenzen, an denen sich viele Gegner oft hochziehen und die sie als Fetisch verteufeln, werden quasi nebenbei erarbeitet. Denn es geht letztlich immer: um besseren Unterricht!