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Auf wilden Wassern und ruhigen Seen – Wassersport in der Region

  • Datum: 5. August 2021
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 (Bildrechte: Anette Burgdorf)
Foto von Beate Ziehres
Beate Ziehres
Alle Beiträge (34)

Als Bewohner der Region Braunschweig-Wolfsburg haben wir wirklich Glück: Um ein echtes Wasserabenteuer zu erleben oder einfach in der Natur herunterzukommen, brauchen wir nicht in die Ferne zu schweifen. Die heimischen Gewässer bieten alles, was das Wasserrattenherz begehrt – ob still oder rauschend, ruhig oder reißend.

In der Sonne schimmernde Seen laden zum Schwimmen oder zu ausgedehnten Touren auf dem Wasser ein. Auf talwärts rauschenden Bächen finden sportliche Kanuten sogar die Voraussetzungen zum Wildwasserfahren.

Stand-Up-Paddling im Harz

In Goslar bin ich mit Anette Burgdorf verabredet. Ich möchte mich in einem echten Trendsport versuchen: dem Stand-Up-Paddling (kurz SUP). Anette ist Veranstaltungsmanagerin und das Messegeschäft ihr Haupteinsatzgebiet. Da es jedoch in dieser Branche momentan ruhig ist, hat die sportliche Frau viel Zeit für ihr Hobby oder eher: Ihre Mission.  
Burgdorf möchte Menschen für das SUP zu begeistern. Das führte sogar so weit, dass sie mit Ihrer Agentur ein zusätzliches Geschäftsfeld eröffnete: SUP Goslar.

Ich habe den Eindruck, dass sie mit ihrem Angebot den Zeitgeist trifft. Die Zahl der SUPs auf den Gewässern steigt derzeit exponentiell an. „Das Stand-Up-Paddling ist gar nicht schwer. Viele Anfänger fallen nicht einmal ins Wasser“, ermuntert sie mich und erzählt, dass ihr Papa mit seinen 85 Jahren ebenfalls SUP-Fan ist. „Er paddelt im Sitzen“, ergänzt sie noch.
Das erscheint mir auch für mich die realistische Option!

Entspannter Ausflug mit den SUPs. (Foto: Anette Burgdorf)

Der Kiefhölzer Teich ist ein Revier für SUP-Anfänger

Wir stehen am Strand des Kiefhölzer Teichs bei Zellerfeld im Oberharz. „Dieser ehemalige Bergbauteich ist neben dem Vienenburger See besonders geeignet für Anfänger“, sagt Anette. Wichtig sei im Harz jedoch zu beachten, dass man nicht versehentlich mit dem SUP in mit Schildern gekennzeichneten Wasserschutzgebieten landet.

Die Wasseroberfläche liegt ruhig und einladend vor mir und ich vergesse meine anfänglichen Bedenken. Ehe ich mich versehe, sitze ich auf dem Board, das Anette für mich mitgebracht hat. Kunden können zwischen zehn unterschiedlich großen Cruiseboards auswählen.

Links, rechts, links, rechts – unter ihrer Anleitung lasse ich das Ufer schnell hinter mir.
Anette erklärt mir unterdessen, warum Stand-Up-Paddeln so gesund ist: „Man hält auf dem Board idealerweise Oberschenkel, Bauch und Po angespannt, um im Gleichgewicht zu bleiben. So wird die Tiefenmuskulatur trainiert. Und das Balance-Halten auf dem SUP ist auch gut für die Gehirnhälften.“ Das ist der sportliche Teil. „Das Schönste aber ist das Abschalten auf dem Wasser“, verspricht Anette.

Was sie damit meint, erfahre ich gleich. Draußen auf dem See herrscht erholsame Stille. Kein Laut unterbricht das rhythmische, leise Plätschern, das die Paddel beim Eintauchen verursachen.
Zwei Angler beobachten uns wohlwollend aus der Ferne und wir achten darauf, Sie nicht zu stören.

Einfach mal treiben lassen…

Nach einer Weile stecken wir die Paddel unter die Gummi-Haltevorrichtung auf den Boards. Hier sind auch schon ein wasserdichter Beutel mit meinen persönlichen Gegenständen und meine Wasserflasche befestigt.
Wir legen uns rücklings auf die Boards, schauen den vereinzelten Schäfchenwölkchen nach und lassen uns und unsere Gedanken einfach treiben. Es ist, als bliebe die Zeit stehen, als befände man sich auf einem anderen Planeten. Herrlich!

SUP auf einem Harzer See.
Harzer Gewässer laden zum SUPen ein. (Foto: Anette Burgdorf)

Auf dem Rückweg paddele ich schon im Knien. Bevor wir das Ufer erreichen, ermutigt mich Anette, die Yoga-Pose „Herabschauender Hund“ einzunehmen und aus dieser Position aufzustehen. Es funktioniert tatsächlich und ich bin stolz wie Oskar!

Rechts, links, rechts, links – so geht es weiter dem Strand entgegen. Doch so ganz zufrieden bin ich mit meiner Position noch nicht, weshalb ich einen Fuß verrücken möchte. Platsch! Auf den letzten Metern verliere ich das Gleichgewicht und falle doch noch ins Wasser.

Aber egal. Mein erster Ausflug mit dem SUP war eine wunderbare Erfahrung, die ich schnellstens wiederholen möchte. Für das nächste Mal haben wir uns zu einer Oker-Tour auf dem SUP durch Braunschweig verabredet.

Wildwasserspaß auf der Oker

Wer hätte das gedacht, dass vor unserer Haustüre eine der anspruchsvollsten Wildwasserstrecken Deutschlands abenteuerlustige Kanufahrer anlockt? Es ist gewissermaßen die wilde Seite der Oker, die sich allerdings nur für wenige Stunden täglich zeigt. Und auch nicht jeden Tag. Denn das Vergnügen inmitten der Natur ist vom Menschen gesteuert, genauer gesagt: Von den Harzwasserwerken. 

Direkt unterhalb der Okertalsperre bietet der Fluss ein besonderes Erlebnis für Kanufahrer. Nämlich immer dann, wenn Wasser durch die Turbinen des Kraftwerks strömt. Dann entsteht nicht nur regenerativer Strom. 6,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde verwandeln die Oker zu diesen Zeiten in einen reißenden, wilden Fluss.

„Das Wasserkraftwerk Okertalsperre ist ein Spitzenlastkraftwerk. Es speist genau dann Strom ins öffentliche Netz, wenn der Bedarf am größten ist. Dies ist morgens und abends der Fall“, erklärt Norman Droste von der Unternehmenskommunikation der Harzwasserwerke.

Die etwa zwei Kilometer lange Strecke zwischen dem Wasserkraftwerk und dem Ausgleichsbecken hat Schwierigkeitsgrad III bis IV auf der sechsstufigen Skala. Sie gilt als eine der beliebtesten Wildwasserstrecken der Republik und als anspruchsvollste Norddeutschlands.

Die Zeiten, zu denen das Kanufahren hier möglich ist, werden immer montags auf der Webseite der Harzwasserwerke unter dem Menüpunkt Infoservice/Kanufahren veröffentlicht.

Nachdem ich euch oben von meinen Künsten auf dem Board berichtete, könnt ihr euch sicher vorstellen, dass ich mir die Wildwasserfahrt freiwillig entgehen lasse. Auf der Webseite der Kanusportgruppe der TU Clausthal könnt ihr aber einen sehr guten Eindruck davon gewinnen, was euch auf diesem Abschnitt der Oker erwartet.

Kanutour von Börßum nach Wolfenbüttel

Zwischen Börßum und Wolfenbüttel entspricht die Oker eher meiner Kragenweite. Langweilig, meint ihr? Nicht ganz! Kurz hinter Börßum erwarten den Kanuten einige Stromschnellen, an denen man sich als Anfänger auch erst mal üben muss.

Mich haben diese Stromschnellen zum Glück nicht überrascht. Olaf Schäfer von „Canadier-Touren & TeamTandem“ in Braunschweig hat unsere kleine Gruppe vorbereitet, bevor die Boote ins Wasser kommen. Eine ganze Wagenladung Kanadier hat er nach Börßum gebracht. Nun erklärt er uns, wie man von Börßum nach Wolfenbüttel kommt, ohne zu kentern.

Eine Paddel-Lehrer erklärt am Ufer, worauf es bei dem Wassersport ankommt.
Einweisung an der Oker. Gleich geht es los. (Foto: Beate Ziehres)

Die Stromschnellen sind die erste und eigentlich einzige Herausforderung auf dieser Strecke. Und trotz aller Vorbereitung gelingt es uns – also meiner Mitfahrerin und mir – in der ersten Stromschnelle stecken zu bleiben. Doch man wächst ja mit den Herausforderungen und die nächsten Stromschnellen haben wir fast schon professionell gemeistert. Und: Sie haben sogar Spaß gemacht!

Im weiteren Verlauf der Strecke hätte ich mir manchmal etwas mehr Gefälle und damit Action gewünscht. Doch Halt: Eine Schikane erwartet Wassersportler auf dem Weg nach Wolfenbüttel noch. In Ohrum muss ein Wehr umtragen werden.
Mit einem lauten Rauschen kündigt es sich an. An einem schiefen Steg hieven wir das sperrige Boot aus der Oker, um es nach einer kleinen Paddel-Pause ein paar Meter weiter an einer rutschigen Böschung wieder zu Wasser zu lassen.

Nun geht es unspektakulär auf dem träge mäandernden Fluss nach Wolfenbüttel. Mit der Zeit werden mir die Arme schwer, denn hier ist Paddeln angesagt.

Wakeboard- und Wasserskifahren in der Region

Wer keine Lust zum Paddeln hat und trotzdem Spaß auf dem Wasser haben möchte, kommt zwischen Wolfsburg und Salzgitter ebenfalls auf seine Kosten. Wakeboard- und Wasserski-Anlagen versprechen ein spritziges Wasservergnügen für Könner. Auf dem Bernsteinsee, dem Salzgittersee und im Allersee pflügen die Wakeboarder und Wasserskifahrer – gezogen von einem Seil – mit Schwung durch das Wasser.

Für die Fortgeschrittenen stehen überall Hindernisse als Herausforderung bereit. Anfänger finden am Bernsteinsee zusätzlich eine 70 Meter lange Anfängerbahn, um beispielsweise in Ruhe das Starten zu üben. Die 6-Mast-Anlage im Wake Park Wolfsburg bietet optimale Voraussetzung für Sprünge und Tricks. Die Seilbahn ist jedoch auch sehr gut für Anfänger und Kinder geeignet.

 

Am Salzgittersee warten sogar zwei Bahnen auf Wakeboarder und Wasserskifahrer: eine 840 Meter lange Bahn mit fünf Masten und einem gut ausgestatteten Funpark sowie eine mit 105 Metern wesentlich kürzere 2-Mast-Bahn. Die 2-Mast-Bahn bietet optimale Voraussetzungen für Einsteiger, dient aber auch als Trainingsgerät für Könner.

Eines aber haben alle Wassersportangebote in der Region gemeinsam: Sie bieten wahlweise Action oder Entspannung und verbreiten definitiv Urlaubsfeeling vor der Haustüre.

Noch nicht nass genug? Mehr actionreiche Wasserfreuden findet ihr hier.