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Beste Zukunftschancen im Handwerk: Im Gespräch mit Eckhard Sudmeyer

  • Datum: 13. Mai 2022
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Eine Frau bearbeitet einen Holzbalken in einer Werkstatt. (Bildrechte: Handwerkskammer Braunschweig Lüneburg Stade)
Foto von Marike Bebnowski
Marike Bebnowski
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Viele handwerkliche Berufe haben sich während der Pandemie als essenziell herausgestellt – einen guten Ruf haben sie trotzdem nicht. Unsere Bloggerin Marike Bebnowski hat mit Eckard Sudmeyer von der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade darüber gesprochen.

Handwerk hat goldenen Boden – dieser altbekannte Ausspruch ist aktueller denn je! Denn handwerkliche Berufe sind nicht nur vielseitig und spannend, sondern bieten für junge Menschen die besten Zukunftsperspektiven. Die Gründe dafür vermittelte mir Eckhard Sudmeyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, während eines spannenden Gesprächs zum Thema Handwerk.

Abgebildet ist ein Mann mit kurzen grauen Haaren und ebenso kurzem grauem Bart. Er trägt ein blaues Sakko zum ebenso blauen Hemd und steht in einer KfZ-Werkstatt.
Eckhard Sudmeyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, findet, dass viele Vorurteile über das Handwerk nicht zutreffen. (Foto: Handwerkskammer Braunschweig Lüneburg Stade)

Innovativ und voller Hochtechnologie – das moderne Handwerk

Schnell kommen wir dabei auf das Thema Fachkräftemangel und die damit einhergehende Nachwuchsproblematik. Sudmeyer berichtet mir von falschen Vorstellungen, die manche junge Menschen von einer Ausbildung in einem handwerklichen Beruf haben: körperliche Belastungen, frühe Schichten und vergleichsweise geringer Verdienst. Auch deshalb wollen junge Leute nach dem Abitur oftmals keine handwerkliche Ausbildung absolvieren.

„Das Bild, das viele Menschen vom Handwerk haben, ist nicht mehr zeitgemäß. Hinter jedem Beruf steht heutzutage eine anspruchsvolle Ausbildung, die auch High-Tech-Komponenten beinhalten kann. Ich kann voller Überzeugung sagen: Handwerk steht für eine sichere, berufliche Zukunft“, so Sudmeyer.

Dennoch entscheiden sich viele Absolventinnen und Absolventen nicht im ersten Moment für eine Ausbildung im Handwerk. Dabei hält eine handwerkliche Tätigkeit für jeden etwas bereit: „So vielfältig wie das Handwerk ist, sind die Begabungen und Interessen der jungen Frauen und Männer. Innovationskraft und die Fähigkeit, individuelle Probleme zu lösen, machen das Handwerk aus. Das bietet sehr viel Abwechslung im Arbeitsalltag“, erklärt mir der Hauptgeschäftsführer.

Interesse geweckt?

Von A wie Augenoptiker bis Z wie Zahntechnikerin

In der Tat ist wahrscheinlich vielen nicht klar, was alles als ein handwerklicher Beruf gilt. Vom KFZ-Handwerk über Maler, Tischler, Bau, Nahrungsmittel und Frisörhandwerk geht es bis hin zu Augenoptikern oder Zahntechnikern – und damit ist noch längst nicht alles genannt. Grundsätzlich gäbe es zur Zeit einen klar erkennbaren Handwerkermangel überall. Drei Bereiche sind davon laut Einschätzung Sudmeyers besonders betroffen:

1) Das Nahrungsmittelhandwerk, zu dem unter anderem Fleischer und Bäcker gehören.

2) Metallberufe aus den Bereichen KFZ, Sanitär und Heizung, Elektro sowie Klima

3) Der Baubereich, der aktuell neben dem Personalmangel auch mit einem Rohstoffmangel zu kämpfen hat

Frauen für das Handwerk begeistern

„Wer im Handwerk arbeitet, kann am Ende des Tages ganz deutlich sagen `Ich habe heute etwas geschafft, was ich sehen oder erfahren kann`. Das ist ein schönes Gefühl. Hinzu kommt der Aspekt der Beratung, denn ein guter Handwerker berät und optimiert, etwa wenn es darum geht, wie genau denn die Wohnung gestrichen werden sollte oder wie ein Möbelstück nicht nur hübsch, sondern auch funktional ist“, sagt Sudmeyer.

Doch wie steht es eigentlich mit Frauen in handwerklichen Berufen, denen oftmals der Ruf vorauseilt, Männerberufe zu sein?

„Unser Ziel ist es, mehr Frauen für das Handwerk zu begeistern. Dafür haben wir die Kampagne #FrauenkönnenHandwerk gestartet. Im Frisörhandwerk sind Frauen dominant, wir möchten sie jedoch auch verstärkt für Bereiche wie KFZ oder Tischlerhandwerk gewinnen. Hier gilt es, auch die Betriebe zu sensibilisieren und ihnen zu signalisieren, dass Rahmenbedingungen wie doppelte Waschräume oder Toiletten, die einige Betriebe strukturell nicht ermöglichen können, kein Muss sind“, erklärt Sudmeyer.

Karrierechancen in Zukunftsbranchen

Im weiteren Gespräch stoßen wir auf ein ebenfalls sehr interessantes und brandaktuelles Thema: Handwerk und Klima: „Ich denke etwa an die Elektromobilität. Entsprechende Infrastruktur muss errichtet und gewartet werden. Das ist reines Handwerk! Gleiches gilt für das große Thema der Energieversorgung. Wer sich eine Wärmepumpe in den Garten bauen lässt oder eine Photovoltaikanlage aufs Dach, braucht dazu echte handwerkliche Expertise, das funktioniert sonst nicht.“ So sei die wichtige gesellschaftliche Frage von Klimaschutz und Energieversorgung kaum umsetzbar ohne die stetige, fachliche Arbeit vieler Handwerkerinnen und Handwerker.

„Wer im Handwerk arbeitet, kann am Ende des Tages ganz deutlich sagen ‚Ich habe heute etwas geschafft, was ich sehen oder erfahren kann’”

Eckhard Sudmeyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunscheig-Lüneburg-Stade

Während der Pandemie konnte die Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler nicht wie gewohnt stattfinden, was für viele Betriebe problematisch war. Daher gibt mir Eckard Sudmeyer zum Ende unseres Gesprächs einen klaren Appell mit: „Sich für einen handwerklichen Beruf zu entscheiden, bedeutet beste Karrierechancen und eine sichere Zukunft. Und ganz wichtig: Durch die Vielfalt des Handwerks sind Handwerkerinnen und Handwerker im Vergleich zu akademischen Berufen in keiner Weise zurückgesetzt. Wer sich fürs Handwerk entscheidet, wird es nicht bereuen, denn Handwerk bietet etwas für jede Begabung und Interessenlage.“