Lassen Sie uns zum Thema „Optimismus“ kommen. Kann man dieses Phänomen neurowissenschaftlich erklären?
Korte: Zunächst einmal muss man sagen, dass es im Hinblick auf das breite Spektrum zwischen Pessimismus und Optimismus eine genetische Veranlagung gibt. Wie optimistisch - oder auch pessimistisch - eine Person ist, hängt auch damit zusammen, wie risikobereit ein Mensch ist. Und das hat wiederum damit zu tun, wie effektiv das Neurotransmittersystem funktioniert. Dieses System arbeitet mit Dopamin. Es gibt zum Beispiel Menschen, die offener, bis zu einem gewissen Grad auch risikobereiter sind. Das sind dann auch eher die optimistischeren, die glauben, es wird schon gut gehen.
Dazu kommt dann noch die Lebenserfahrung. Man kann etwa lernen, wie man sich in einer kritischen Situation verhält und wie man einen Ausweg daraus findet. Immer wenn ich an einen Ausweg glaube, ist das eine optimistische Einstellung. Man würde also versuchen - auch unter Stress - , noch frei denken zu können. Man muss sich selbst dann immer wieder klar machen: Ich bin der Handelnde. Hier spielt Autonomie eine ganz wichtige Rolle.
Deshalb fällt es auch vielen Angestellten, die weniger mitentscheiden dürfen, schwerer optimistisch zu sein. Wenn ich als Arbeitgeber möchte, dass meine Mitarbeiter optimistischer in die Zukunft schauen, hilft es, sie auch an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, Meinungen einzuholen, und da, wo es geht, auch Freiräume zu schaffen, wann sie was am Tag erledigen und wo und wie sie arbeiten möchten - natürlich im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten.
Denn wir sind um so pessimistischer, je stressbehafteter eine Situation ist. Wenn Stress in Angst umschlägt, wird die assoziative Kraft des Gehirns eingeschränkt. Firmen sollten also darauf achten, dass der Stress bei den Mitarbeitenden nicht in Angst umschlägt, etwa um den eigenen Arbeitsplatz. Sie sollten stattdessen Wege finden, den Stress zu nutzen, um das, was zusätzlich an Energie frei wird, für erhöhte denkerische Leistung zu nutzen.