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Braunschweig-Wolfsburg: Eine Region der Vielfalt

Bei der CSD-Demo weht die Regenbogenfahne in Braunschweig. (Bildrechte: MoNo-Photography)

Eine offene Gesellschaft, ein tolerantes Miteinander, unabhängig von Weltanschauung oder Vorurteilen - die vielfältige Region Braunschweig-Wolfsburg ist auf einem guten Weg dahin. Mit zahlreichen Projekten, insbesondere in der Arbeitswelt, wird die Bandbreite in den Bereichen Herkunft, Geschlecht, Alter, Behinderung, Religion oder Weltanschauung und sexuelle Identität gefördert. Mithilfe von Sport, Musik, Preisen und mehr wird zudem immer wieder auf diese Themen aufmerksam gemacht.

In diesen Kapiteln stellen wir Ihnen die Region der Vielfalt vor:

Eine multikulturelle Gesellschaft

Etliche Nationen und zahlreiche Kulturen treffen in der Region Braunschweig-Wolfsburg aufeinander. Dadurch entstehen viele Möglichkeiten, sich gegenseitig kennenzulernen und voneinander zu lernen – ob beim Sport, bei Treffen oder Veranstaltungen. Mit Spaß und Spiel wird aktiv gegen Rassismus gekämpft, damit sich ein friedliches Zusammenleben voll entfalten kann. Eine von zahlreichen guten Initiativen der Region ist „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ aus Salzgitter. Ausgehend von Sportlern und Medienmachern, soll der Slogan nach und nach an allen öffentlichen Gebäuden der Stadt sichtbar gemacht werden.    

Im ersten Welcome Center der Region wird – wie der Name schon sagt – jeder willkommen geheißen. Schwerpunkt des von den IHK´s, Handwerkskammern, Städten und der Wolfsburg AG getragenen Projektes ist es, ausländische Fachkräfte in die regionale Wirtschaft zu integrieren und damit dem Fachkräftemangel in einigen Branchen entgegen zu wirken. „Unternehmen müssen verstärkt neue Wege gehen, um qualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren. Wir setzen uns dafür ein, dass die Integration ausländischer Fachkräfte in die Unternehmen der Region besser gelingen kann“, sagt Houda Araar-Makhlouf, Beraterin im Bereich Wirtschaftsförderung.

Auch die bereits im Land lebenden Familien bekommen im Welcome Center Orientierung über die Entwicklungsmöglichkeiten in der Region. Das fängt meist bei den ganz einfachen Fragen an: Welche Beratungseinrichtungen und Bildungsträger gibt es, wo bekomme ich als Zugewanderter Hilfe bei der Wohnungssuche, wie eröffne ich ein Konto oder wo können meine Kinder betreut werden? Das Welcome Center hilft als eine der ersten Anlaufstellen schnell und möglichst unkompliziert.

"Interkulturelle Teams bereichern durch ihre Vielfalt den Arbeitsalltag, wovon Fachkräfte und Arbeitgeber mit Blick auf Kreativität, neue Märkte und Mitarbeiterzufriedenheit profitieren.“

Simuna Karadzic-Nahler, Beraterin im Welcome Center

Ein vielfältiges, gewaltfreies und tolerantes Miteinander kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten die Werte der Demokratie verinnerlichen. Damit dies gelingt, sind Braunschweig, Wolfsburg und Goslar im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ engagiert.

Auch der Landkreis Wolfenbüttel ist mit von der Partie, dort unterstützt die „Partnerschaft für Demokratie“ lokale Vereine und Initiativen bei ihrem Engagement für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben. Getragen wird das Programm vom Landkreis und der Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V.. Ein Schwerpunkt dabei ist ein selbstorganisiertes Jugendforum, in denen sich die jungen Erwachsenen mit Themen wie Rechtsextremismus und Diskriminierung beschäftigen. Solch schwere Kost wechselt sich ab mit Yoga-Kursen und Ausflügen in einen Escape Room.

"Höhepunkte sind aber die jährlichen Wochenendfreizeiten, in diesem Jahr ging es zum Beispiel nach Berlin", sagt Projektmitarbeiter Axel Klingenberg. Die 26 Teilnehmer waren nicht allesamt Deutsche – Viele stammten aus Ländern wie Afghanistan, Syrien und Somalia sowie dem Sudan und dem Kosovo. In der Hauptstadt trafen sie im Reichstag den Wolfenbütteler Bundestagsabgeordneten Victor Perli. „Für die nächsten Jahre sind weitere Ausflüge und Aktionen für Jugendliche geplant“, sagt Klingenberg, „denn Demokratie muss gelebt werden.“     

„Nur durch den intensiven Kontakt mit Einheimischen ist Integration wirklich möglich.“

Axel Klingenberg, Projektmitarbeiter bei der Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V.

Wie sich die Region für die Förderung von Interkulturalität einsetzt

Eine Region voller Religionen

Kippa, Rosenkranz oder Gebetsteppich – alles vorhanden in der interreligiösen Region Braunschweig-Wolfsburg. Offenheit gegenüber verschiedenen Weltanschauungen wird in der Region Braunschweig-Wolfsburg großgeschrieben - schon seit Gotthold Ephraim Lessing, einer der wichtigsten Vertreter des Toleranzgedankens, der hier sein Aufklärungs-Drama „Nathan der Weise“ verfasste.

Heute werden durch vielfältige Projekte sowohl Kinder als auch Erwachsene über die unterschiedlichen Religionen aufgeklärt und belehrt. Dadurch soll der gegenseitige Respekt und die Toleranz gestärkt werden. Wer sich um das harmonische Zusammenleben besonders verdient macht, wird mit etwas Glück mit dem Sally-Perel Preis belohnt. Damals musste der geborene Jude Sally Perel sich als Hitlerjunge ausgeben, um den Nationalsozialismus zu überleben. Heute übergibt er als einer der letzten Zeitzeugen jedes Jahr persönlich den Preis an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 25 Jahren, die sich mit ihren unterschiedlichen Projekten in herausragender Weise für Respekt und Toleranz einsetzen. Aufgrund seiner Lebensgeschichte leistet Sally Perel trotz seines hohen Alters von inzwischen 94 Jahren noch immer Aufklärungsunterricht an Schulen der Region und hielt jüngst sogar eine kurze Rede auf dem Braunschweiger Schlossplatz.

Sally Perel mit den Gewinnern des nach ihm benannten Preises in Wolfsburg.
Die Preisträger des Sally-Perel-Preises 2019 in Wolfsburg mit dem Namensgeber des Preises in der Mitte. (Foto: Volkswagen)
Der Namensgeber des Sally Perel Preis für Respekt und Toleranz.
Sally Perel, der Namensgeber des Sally Perel Preises für Respekt und Toleranz, in Braunschweig. (Foto: Volkswagen)

„Der Sally-Perel-Preis, der meinen Namen trägt, erinnert an meine Geschichte. Gleichzeitig ist er aber auch Auftrag für die Zukunft. Deshalb möchte ich (…) meine Botschaft an Euch richten: Das was im Nationalsozialismus passiert ist, darf sich nicht widerholen (…). Eine Gesellschaft kann nur darauf aufbauen: auf dem Prinzip der Humanität, der Liebe und der Achtung für einander.“

Sally Perel

Zwei weitere Projekte für eine interreligiöse und aufgeklärte Region

Ohne Beeinträchtigung leben und arbeiten

Das Leben unbeschwert genießen, wie alle anderen auch – das ist der Wunsch der meisten Menschen. In der Region Braunschweig-Wolfsburg wird alles daran gesetzt, diesen Wunsch zur Realität zu machen. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, doch niemand sollte nur auf seine Schwächen reduziert werden. Aus diesem Grund wird beispielsweise in der Region Peine den Menschen mit Behinderung die Chance gegeben, am regulären Arbeitsmarkt teilzuhaben und ihre Stärken zu zeigen - wie jeder anderen Person auch. „Wir haben Unternehmen aus allen Branchen dabei, wo Helfertätigkeiten gebraucht werden, sagt Saskia Engel, Mitarbeiterin im Qualifizierungs- und Vermittlungsdienst (QVD). „Unsere Kooperationspartner kommen zum Beispiel aus der Logistik, dem Einzelhandel oder der Grünlandpflege.“

Die Lebenshilfe Peine-Burgdorf berät Arbeitgeber über die angemessene Arbeitsplatzgestaltung und begleitet ihre hochmotivierten Mitarbeiter bei der Einarbeitung. Diese absolvieren meist zu Beginn ein Praktikum oder eine Probebeschäftigung. Die Unternehmen zahlen eine ermäßigte Umsatzsteuer und haben durch die Kostenübernahme der Sozialversicherung und der Unfall- und Haftpflichtversicherung durch die Lebenshilfe finanzielle Vorteile - und die neuen Mitarbeiter einen Job.

„Das Feedback der Unternehmen ist sehr gut. Unsere Vermittelten haben eine sehr hohe Motivation, arbeiten gründlich und sorgen oft auch für ein positives Betriebsklima.“

Steffi Neukirch, Sozialpädagogin im Qualifizierung- und Vermittlungsdienst (QVD).

Zwei weitere integrative Initiativen aus Braunschweig und Helmstedt

Das Alter spielt keine Rolle

„Alt ist nur, wer sich alt fühlt“ – so lautet das gute Sprichwort. Mit den Projekten in der Region Braunschweig-Wolfsburg bleibt den hiesigen Senioren kaum Zeit, um sich alt zu fühlen. Mit Sport, Basteln, Ausflügen oder moderner Technik können unsere Ältesten ihren Alltag auffrischen. Außerdem halten sie die Kooperationsprogramme mit Schulkindern oder Studenten ganz schön auf Trapp.

Wer nicht mehr ganz so mobil ist, dem helfen in unserer Region zahlreiche Fahrdienste, um die wichtigsten Besorgungen zu machen oder auch mal mit Freunden oder Bekannten zusammen zu kommen. Im Landkreis Goslar unterstützt zum Beispiel seit Ende August 2019 ein behindertengerechter Kleinbus des DRK Fahrdienstes – „Mobilität im Alter“ – Senioren und Menschen mit Beeinträchtigungen beim Einkauf. Sie werden dabei - zunächst in Liebenburg und Lutter - haustürnah abgeholt, zum gewünschten Einkaufsort gebracht und von einer Mitarbeiterin beim Einkaufen begleitet.

„Mobilität ist ein ganz wichtiger Faktor, um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, beziehungsweise zu erleichtern“, so Petra Emmerich-Kopatsch, Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Goslar. Laut der ersten Kreisrätin Regine Breyther sei auch das Knüpfen sozialer Kontakte ein wichtiger Punkt: „Natürlich steht die unterstützte Fahrt zum Einkaufen im Vordergrund. Unser Ziel ist es aber auch, die Menschen zusammenzubringen und Ihnen die Möglichkeit zu geben, nach dem Einkaufen noch gemeinsam einen Kaffee zu trinken. Das schafft Kontakte und trägt dazu bei, einer Vereinsamung vorzubeugen.“

Mit Spielen, Klönnachmittagen und Tages- oder Halbtagesfahrten halten auch im Kreis Gifhorn die Senioren den Kontakt zueinander aufrecht. Einige Verbände tragen mit ihren Aktivitäten dazu bei, Freundschaften zu pflegen oder Reisen zu unternehmen.  

 

Das Projekt MiA wird von der Landrätin unterstützt.  (Bildrechte: Sozialdemokratische Partei Deutschland)

„Wir sind gespannt, ob der Seniorenbus angenommen wird und ob mittelfristig die Chance besteht, das Angebot auf weitere Gebiete des Landkreises auszuweiten.“

Petra Emmerich-Kopatsch, Landtagsabgeordnete aus Goslar

Weitere Initiativen für eine Region, die Jung und Alt begeistert

Die Regenbogen-Region

Der Regenbogen strahlt in bunten Farben, und so auch – ganz besonders an einigen Tagen - unsere Region. Durch die Straßen der Innenstadt laufen am „Christopher Street Day“ (CSD) tausende Menschen, viele mit bunten Flaggen und bunten T-Shirts, alle individuell gekleidet, aber alle mit einem Ziel: Akzeptanz und Respekt für eine diverse Lebensweise! Sexuelle Emanzipation wird in der Region Braunschweig-Wolfsburg stark unterstützt. Neben den CSD-Demonstrationen gibt es Zentren, in denen sich LGBTTI* (Lesbian, Gay, Bisxual, Transsexual, Transgender and Intersexual)- lebende Menschen treffen können, eine engagierte Community organisiert regelmäßig fröhliche Events. „Es ist wichtig, dass sich gerade junge Leute bei ihrem „Coming Out“ auch an Rollenvorbildern bei uns orientieren können. Wenn das nur in Berlin, Hamburg oder Köln möglich ist, besteht die Gefahr, dass sie ganz dorthin abwandern“, sagt Jürgen Bittner, Organisator des Sommerlochfestivals in Braunschweig.

Auf dem Schlossplatz hissen Markurth und Umland die Regenbogenflagge.
Anton Umland vom VSE e.V. (links) und Oberbürgermeister Ulrich Markurth (rechts) hissen die Regenbogenflagge auf dem Braunschweiger Schlossplatz. (Foto: Daniela Nielsen, Stadt Braunschweig)

„Gay for one day“ – so lautet des kommenden Sommerloch Festivals am 7. Und 8. August. Das englische Wort „gay“ ist hier in diesem Zusammenhang jedoch nicht nur als schwul oder lesbisch zu verstehen – die ursprüngliche Übersetzung bedeutet nämlich „lustig“ und „heiter“. So lädt das Festival dazu ein, gut aufgelegt und frei von Vorurteilen mitzufeiern. Ziel ist es, allen Menschen zu zeigen, wie viel Freude ein vorurteilsfreies Leben ohne Hass und Berührungsängste machen kann und wie schön vielfältig unsere Region ist. Das Sommerlochfestival wird zwar vorwiegend von Schwulen und Lesben organisiert, es war aber schon immer eine Einladung an die ganze Region“, bekräftigt Bittner. Gemeinsam Spaß haben, unabhängig von sexueller Orientierung – dafür ist das Sommerloch Festival bekannt und wird 2020 bereits zum 25. Mal in Braunschweig gefeiert.

Sprecher des VSE ist Björn Waldmann (Bildrechte: MoNo Photography)

Ursprünglich war das Sommerloch-Festival ein eintägiges Straßenfest auf dem Platz an der Martinikirche, heute gibt es ein 14tägiges Rahmenprogramm und die CSD-Demonstration, an der in diesem Jahr mehr als 4.000 Menschen teilgenommen haben.

Björn Waldmann, Pressesprecher CSD Braunschweig

Mehr Initiativen für eine bunte Region

Frauen und Karriere

Frauen, gemeinsam sind wir stark! Die Region Braunschweig-Wolfsburg setzt alles daran, Frauen den (Wieder)-Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern und ihre starken Persönlichkeiten in der Berufswelt zur Geltung kommen zu lassen. Die „Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft“ in Wolfsburg berät Interessierte zu verschiedensten Themen der Arbeitswelt. Einer der Schwerpunkte ist dabei der Kompetenzerhalt in der Elternzeit. Vertrauliche Gespräche über die berufliche Standortbestimmung und maßgeschneiderte Weiterbildungsmöglichkeiten gehören zu den wichtigsten Leistungen der Koordinierungsstelle. Die „International Women’s Association“ mit Sitz in Braunschweig hat es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, auch gut ausgebildeten ausländischen Frauen zu helfen, denen durch fehlende Sprachkenntnisse der Berufseinstieg sehr schwer fällt. Einige Erfolge konnten dabei bereits erzielt werden: Unsere Region ist quasi überfüllt von weiblichen Führungskräften, die ihren Weg von Gründerinnen bis an die Spitze von Unternehmen geschafft haben.

In dem Netzwerk „Unternehmerfrauen im Handwerk“ können sich diese Unternehmerinnen, aber auch Ehefrauen, Töchter oder Partnerinnen, die für den kaufmännischen oder betriebswirtschaftlichen Bereich Verantwortung tragen, zusammentun. Gemeinsam stärken sie die Position der weiblichen Führungskräfte in der Region.

Portrait von Bettina Klim (Bildrechte: Wolfsburg AG)

„Wir lenken den unternehmerischen Blick auf die Frauen als unverzichtbares Fachkräfte- und Innovationspotenzial.“

Bettina Klim, Leiterin der Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft Wolfsburg-Gifhorn-Helmstedt.

Ganz unterschiedliche Projekte in der Region Braunschweig-Wolfsburg unterstützen Frauen bei der Karriereplanung

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