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Mobility Valley Braunschweig: Wie am Forschungsflughafen der Verkehr der Zukunft entsteht

  • Datum: 20. Juli 2016
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 (Bildrechte: Carplane)
Foto von Kathrin Anne Kühn
Kathrin Anne Kühn
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Ob im Weltall, über den Wolken, auf Schiene oder Straße: Am Forschungsflughafen Braunschweig entwickeln Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam Lösungen für den Verkehr der Zukunft, von besonders leisen, umweltfreundlichen Flugzeugen bis zum fliegenden Auto. 

Kann ein Auto fliegen lernen? Wie kann der Kerosinverbrauch durch einfallsreiche Flug- und Landetechniken reduziert werden? Leise und sicher fliegen – wie geht das? Auf solche und ähnliche Fragen geben die Netzwerkpartner der Forschungsflughafen Braunschweig GmbH Antworten.

Carola Meyer, Geschäftsführerin der Forschungsflughafen Braunschweig GmbH, setzt am Standort Braunschweig voll auf Forschung und Entwicklung: „Wir betrachten Mobilität aus allen Blickwinkeln von Technik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Dazu gehört die Zukunft der Fluglärmverminderung ebenso wie Flugmesstechnik oder Flugunterhaltung.“

Vernetzung mit der Wissenschaft

Die Technische Universität Braunschweig, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und weitere Partner entwickeln gemeinsam neue Techniken im Niedersächsischen Forschungszentrum für Luftfahrt (NFL).

Im Forschungsverbund „Bürgernahes Flugzeug“ zum Beispiel arbeiten die Wissenschaftler an leisen und emissionsarmen Flugantrieben und neuen Hochauftriebssystemen, die von kleinen, stadtnah gelegenen Airports Flugverbindungen von Ort zu Ort ermöglichen. So sollen die Flugzeuge von morgen sicherer, wirtschaftlicher und umweltfreundlicher fliegen können.

Die Nähe zur Wissenschaft sucht auch das Unternehmen Carplane. Es entwickelt am Forschungsflughafen ein straßenfähiges Flugauto. Das Projekt verfolgt das Ziel, mit dem Flugauto die strengen Abgasnormen für den Individualverkehr auf der Straße erfüllen zu können. Damit der Traum vom fliegenden Auto bald wahr wird.

Vielfältiges Netzwerk

Zum Netzwerk Forschungsflughafen gehören insgesamt rund 40 kleine und mittelständische Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt und der Verkehrstechnik. Unter ihnen sind Weltmarktführer, etwa die Aerodata AG im Bereich der Flight Inspection Systeme.

Der Forschungsflughafen sichert rund 2.700 Arbeitsplätze direkt vor Ort und mehr als 4.000 in der Region. Diese Erfolgsgeschichte wird sich fortsetzen, sind sich die im Forschungsflughafen Braunschweig e. V. vereinten Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft sicher.

Neues Zentrum Lilienthalhaus

Dazu soll auch das Lilienthalhaus, ein neues Dienstleistungszentrum für Luft-, Raumfahrt und Mobilität, beitragen, das gerade im Bau ist und im Frühjahr 2017 eröffnet werden soll. Realisiert wird es von der Volksbank BraWo Projekt GmbH und der Gesellschaft Forschungsflughafen Braunschweig. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Braunschweig unterstützt das Projekt.

Neuer Ort der Ideen: das Lilienthalhaus (Foto: Cube Visualisierungen)

Direkt gegenüber dem historischen Empfangsgebäude des Flughafens bietet das Zentrum den ansässigen Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen Raum für die Entwicklung von Modelllösungen für den Luftverkehr.

Meyer stellt sich den Neubau aber auch als Begegnungsstätte für den Austausch mit Leuten vor, die sich für die Luft- und Raumfahrtindustrie begeistern. So wird es eine Dauerausstellung im Atrium geben. „Für die Menschen, die auf dem Flughafen Braunschweig-Wolfsburg landen, ist er das Tor zur Region“, sagt sie. Als erstes Unternehmen hat die etamax space GmbH Bürofläche im Lilienthalhaus angemietet. Das Unternehmen arbeitet an Sicherheitslösungen für die Luftfahrt, der Eisenbahn- und Automobilbranche sowie an Risikoanalysen für Raumfahrtmissionen.

Nachwuchsförderung in Luft- und Raumfahrt

Um das Netzwerk rund um den Forschungsflughafen für die Zukunft zu wappnen, braucht es qualifizierten Nachwuchs. Deshalb wird Luft- und Raumfahrttechnik an der TU Braunschweig überwiegend direkt am Forschungsflughafen gelehrt. So können Studierende an aktuellen Forschungsprojekten mitarbeiten und an neuesten Entwicklungen in der Luft- und Raumfahrtindustrie aus nächster Nähe teilhaben.

Erstmals seit 2006 findet außerdem der Deutsche Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) in diesem Jahr wieder in Braunschweig statt. Im Rahmen der Veranstaltung zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) besondere Abschlussarbeiten mit einer Reihe von Nachwuchspreisen aus. Mit dem DLRK wirbt die Forschungsflughafen Braunschweig GmbH um Studierende und Absolventen und leistet damit einen Beitrag zur Fachkräftesicherung.

So entwickelt sich der Forschungsflughafen mit seinen Unternehmen, Instituten und Luftfahrtbehörden zu einem „Mobility Valley“, zu einem Ort in der Region, der die Forschung und Entwicklung für die Mobilität der Zukunft auf einer kleinen Fläche bündelt. Tausende Kilometer entfernt vom großen Vorbild Silicon Valley. Und doch ist es möglich. Oder um es mit Einstein zu sagen: „Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie.“

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