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Schoko, Vanille, Erdbeer – Warum das Eiscafé Bernauer zu Peine gehört wie die Eulen

  • Datum: 1. August 2016
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 (Bildrechte: Inga Stang)
Foto von Inga Stang
Inga Stang
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Das Eiscafé Bernauer gehört zu Peine wie der Eiffelturm zu Paris. Eine Tradition, die vor 77 Jahren in einer Viehscheune begann, wird heute mit Herz und Handarbeit weitergeführt. 

„Früher, kurz nach dem Krieg, da lief die Frida Bernauer mit dem Glöckchen durch Peine und hat uns Kindern das Eis zwischen zwei Pappen verkauft.“ Diese und ähnlich nostalgische Anekdoten bekommen Tanja Jablanovszky und ihr Serviceteam von Bernauers Eiscafé oft zu hören.

Jablanovszky übernahm 2009  das Geschäft von Matthias Albers, einem Nachfahren von Frida und Emil Bernauer, die das Unternehmen 1939 in Peine gründeten und in einer ehemaligen Viehscheune eröffneten. Und noch heute erinnern gerahmte Schwarz-Weiß-Fotografien auf der Kühlvitrine an die damalige Zeit, als Waffeln noch Luxus waren und eine Kugel Eis 20 Pfennig kostete.

Die Anfänge (Foto: Inga Stang)

Bald nach der Gründung zog die Eisdiele in ein Geschäft zwischen Markt und Echternplatz und wurde zum zentralen Anlaufpunkt für Eisliebhaber der Region. „Bernauers war das allererste Eiscafé in Peine. Jeder, der es sich leisten konnte, gönnte sich hier seine Kugel Schokolade oder Vanille“, erzählt sie. Und viele kommen noch heute. Für sie hat das Eisessen hier längst Tradition.

Vor wenigen Jahren zog Jablanovszky mit dem Eiscafé zwei Häuser weiter, in die Räumlichkeiten am Markt 19. Eine Veränderung, die nicht von allen positiv aufgenommen wurde. „Einige vermissen den nostalgischen Charakter des alten Ladens,“ erzählt Jablanovszky. Sie könne das gut verstehen, denn auch sie verbinde Kindheitserinnerungen mit dem alten Café, sei immer mit ihren Großeltern dort gewesen. „Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, aber ich weiß noch, dass da so ein langer Gang war und es superleckeres Eis gab“, berichtet sie. „Als ich nach 15 Jahren das Café zufällig wieder betrat, habe ich sofort Gänsehaut bekommen und wusste, das ist die Eisdiele aus meiner Kindheit.“

Doch der Umzug musste sein, um konkurrenzfähig zu bleiben. Denn erst am neuen Ort konnten die Gäste ihr Eis auch draußen genießen, auf der neuen Außenterrasse. „Die meisten sind wirklich dankbar und meinten schon zu uns, dass das auch wirklich mal Zeit wurde“, freut sich die Geschäftsführerin.

Draußen schmeckt's besonders lecker (Foto: Inga Stang)

Bei der Eisherstellung ist hingegen alles beim Alten geblieben. Milch, Sahne, Zucker und Bindemittel – das Grundrezept für die 150 Eiskreationen, die seit jeher in Handarbeit und mit regionalen Zutaten hergestellt werden. Manche Eissorten, wie das Schokoladeneis, basieren sogar noch auf den alten Rezepten von Frida Bernauer und werden mit viel Zeitaufwand und Leidenschaft für Qualität in der hauseigenen Manufaktur hergestellt.

Krokant-Zimt-Safran und Härke-Pilsener-Eis

Unter den 70 Eissorten, die saisonal wechselnd an der Theke erhältlich sind, sind auch einige ungewöhnliche Kreationen. Mein persönlicher Favorit:  das Krokant-Zimt-Safran-Eis. Tanja Jablanovszky schwärmt hingegen vor allem für das Mandala-Eis mit gebrannten Mandeln und Schokostückchen. Zu besonderen Anlässen wie dem Peiner Freischießen oder dem Highland Gathering wird auch schon mal tiefer in die Kiste der skurrilen Geschmacksnoten gegriffen. Sorten wie Härke-Pilsener- oder Whiskey-Eis polarisieren zwar, finden jedoch bei den genannten jährlichen Veranstaltungen reißenden Absatz.

Verbunden durch einen Becher Eis

Viele Menschen teilen freimütig ihre persönlichen Bernauer-Geschichten mit Jablanovszky und ihrem Team. „Es ist total schön, eine Verbundenheit zu den Menschen durch so etwas Simples wie einen Eisbecher herstellen zu können,“ betont Jablanovszky.

Ein Beispiel: In ihrem ersten Jahr als Inhaberin kam eine ältere Kundin und bestellte einen Schwarzwaldbecher. Nachdem sie aufgegessen und den Becher zur Theke gebracht hatte, antwortete sie auf die Frage, ob es ihr geschmeckt habe: Ja, es habe ihr sehr gut geschmeckt. Bisher sei sie immer mit ihrem Mann zum Hochzeitstag hier gewesen, um sich gemeinsam einen Schwarzwaldbecher zu teilen. Heute sei der erste Jahrestag seines Todes.

Eine Kugel für 20 Pfennige (Foto: Inga Stang)

Geschichten wie diese zeigen Jablanovszky und ihrem Team, wie viel Bedeutung die Eisdiele für viele Peiner hat. „Einer unserer Gäste erzählt immer ganz stolz, wie er als Kind das erste Mal bei Bernauers alleine auf die Toilette gegangen ist,“ lacht die Inhaberin, die sieben Tage die Woche von 10.00 bis 19.00 Uhr arbeitet, um das Vermächtnis von Frida und Emil Bernauer am Leben zu halten.

Tagein, tagaus verkaufen sie und ihr Team Eisbecher und Eiskugeln – an die Kinder von damals, deren Kinder und deren Kindeskinder, die vielleicht später selbst einmal ihrem Nachwuchs bei einer Kugel Bernauer-Eis ihre ganz persönliche Bernauer-Geschichte erzählen werden.

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