Zum Inhalt springen
Zurück zur Übersicht

Stadionfunk – die Eintracht Braunschweig-Kolumne: Die Eintracht-Familie steht zusammen!

  • Datum: 27. Februar 2019
  • Kommentare: 1
 (Bildrechte: Malte Schumacher)
Foto von Kay Rohn und Malte Schumacher
Kay Rohn und Malte Schumacher
Alle Beiträge (27)

Am Samstag war die Spielvereinigung Unterhaching zu Gast im Eintracht-Stadion. Ein Spiel, zwei Perspektiven. Unsere Regionäre Malte Schumacher und Kay Rohn berichten.

Malte Schumacher:

Der Aufschwung ist da

Meister Proper ist angekommen, denke ich beim Spieltagsfrühstück … Nach seinem Start als Eintracht-Trainer am 12. Spieltag auswärts bei 1860 München gab’s bis zum 18. Spieltag zwei Unentschieden und fünf Niederlagen. Seit dem 19. Spieltag aber (Auswärtssieg in Cottbus), holten er und die Jungs vier Siege sowie ein Unentschieden – und sie wurden nur einmal geschlagen; vom Aufstiegsaspiranten Wehen Wiesbaden. Allein der Auswärtssieg letzte Woche bei Fortuna Köln: Irgendwie gar nicht gut gespielt 60 Minuten lang, dann auch noch hintengelegen – aber piff-paff, drei Buden gemacht und gewonnen. Vor einigen Wochen wäre so ein Spiel weg gewesen … Die Harmonie in der Truppe scheint zu stimmen, die gesamte Mannschaft hat sich zu einem echten Team enwickelt, das die „Mission Nichtabstieg“ unbedingt und mit großer Leidenschaft bewältigen möchte. Fejzic steht wie eine Eins im Tor. Becker und Kessel haben die Abwehr erheblich verstärkt; Nehrig und Pfitze das Mittelfeld. Wer waren nochmal Valsvik und Tingager? Keine Ahnung.

Das „Lebensgefühl Eintracht“

Und Meister Proper geht klug um mit unserer Fan-Liebe zur Eintracht. In einem Interview am Donnerstag sagte er: „Diese Stadt lebt Eintracht Braunschweig. Und das merkt man auch!“ Eine Symbolfigur dafür ist „Kurvenmutti“ Christel Neumann, so André Schubert. Und das besondere „Eintracht-Gefühl“ versucht er auch immer wieder den jungen Spielern zu vermitteln: „Die Fans gucken ja nicht nur am Wochenende aufs Ergebnis und auf irgendwelche Entwicklungen. Hier geht es auch um ein Lebensgefühl!“. Recht hat er, angekommen ist er also in unserer „Eintracht-Familie“ … Zugleich bleibt er stets besonnen: „Favorit sind wir heute nicht“, so die Schlagzeile in der vor mir liegenden „Neuen Braunschweiger“. Ja, Unterhaching kann ich mal wieder nicht wirklich einschätzen – sind die ähnlich stark wie Wehen Wiesbaden oder ähnlich schlagbar wie Hansa Rostock? Sie verfügen über eine starke Offensive (43 erzielte Tore) und haben erst dreimal verloren. Ich bleibe angemessen bescheiden und tippe auf ein 1:1, als Andrea mich danach fragt.

Delfin-Therapie für Eva

Nun aber los zur Strapazenbahn – heute läuft im Stadion eine große Spenden-Aktion für die 5-jährige Eva Bornemann, initiiert von Angela, der Frau von Onur Bulut. Die Aktion hat bereits mächtig Fahrt aufgenommen, am 15. Februar gab es auf der Fanprojekt-Facebook-Seite dieses Posting: „Hey Fans, wir folgen dem Aufruf von Angela Bulut und möchten gemeinsam mit Euch der kleinen und schwer kranken Eva helfen! Eva leidet seit ihrer Geburt an dem Undine-Syndrom. Sobald sie einschläft setzt ihre Atmung aus und sie muss sofort an die Geräte angeschlossen werden sonst stirbt sie. Das bedeutet für alle in der Familie nicht nur ständige Angst, das eigene Kind unter den Händen zu verlieren, sondern auch Konzentration zu 100 Prozent. Vor ein paar Jahren war Eva schon mal mit ihrer Familie bei einer Delphin-Therapie. Diese hat wundervolle Wirkung gezeigt. Deswegen möchtet wir Euch ALLE bitten Eure Pfandbecher am Spieltag gegen die Spielvereinigung Unterhaching, in die vor der Kurve und Gegengerade platzierten Pfandsammler zu werfen. Der gesamte Erlös geht an Eva und wenn alle mitmachen kann dabei eine beträchtliche Summe zusammenkommen“.

 

FanRat-App

Verstärkt wurde der aktuelle Spenden-Aufruf über alle medialen Kanäle, die sich dafür eignen. Auch über die brandneue FanRat-App, die erst im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 15. Februar 2019 vorgestellt wurde. „Endlich haben wir, der FanRat e.V., einen sehr direkten Kanal zu unseren Mitgliedern und gleichzeitig aber zu allen Eintracht-Fans und somit potenziellen FanRat-Mitgliedern“, so beschreibt mir FanRat-Präsi Micha um kurz nach 12.00 Uhr am FanRat-Wagen nochmal den Sinn und Zweck der App, die es sowohl im Google- als auch im Apple-Store gibt. Mit-Entwickler Christoph Köchy, stellvertretender Vorsitzender, konnte am Donnerstag via Facebook schon stolze 1.000 App-Downloads vermelden …!

Christel und die „Blau-gelben Strümpfe“

Im Stadion selbst geht die Spenden-Story munter weiter: Rechts vor der Haupttribüne verkauft die Band „Schorse & Co“ ihre Hit-Single „Blau-gelbe Strümpfe“ – eine CD kostet 10 Euro, die direkt an die Eva-Aktion gehen, jeder Käufer aber ist aufgerufen, noch mehr (für Eva und ihre Familie) draufzulegen. Am Stand aktiv dabei und munter um Spenden werbend: „Kurvenmutti Christel“, die am Montag und Donnerstag der nächsten Woche groß für ihr unermüdliches und soziales Eintracht- Engagement gefeiert werden wird – sie bekommt die Bürgermedaille der Stadt Braunschweig verliehen (frühere Ausgezeichnete sind u. a. Wolf Horenburg und Adalbert Wandt). Als ich dazu komme, höre ich sie gerade sagen: „Ich weiß gar nicht, was die alle haben mit ihrer Feierei“ – das ist Christel: maximal authentisch und bescheiden …

Angela Bulut

Ebenfalls bei den Jungs von „Schorse & Co“ erwische ich dann auch Angela Bulut, die Initiatorin der Spendenaktion. Sie ist einfach nur glücklich darüber, wie positiv die „Eintracht-Familie“ ihre Initiative zu Gunsten der kleinen Eva aufgenommen hat. Etwa 16.000 Euro brauchen sie wohl insgesamt, über 4.500 Euro sind um 12.50 Uhr schon auf dem Spendenkonto – ein Blick auf ihr Smartphone und sie kann mir den aktuellen Stand sagen. Und sie ist total geflasht davon, dass sich bereits Firmen und Unternehmen bei ihr gemeldet haben, um zu helfen. Respekt, alles sehr professionell und auf einem guten Weg, wie es scheint. Bei ihrer Mit-Sammlerin Maren gleich nebenan werde ich meine nächste Spende los…

Angela Bulut, Initiatorin der Spenden-Aktion für Eva Bornemann. (Foto: Malte Schumacher)

Im Block

Oben im Block ist es kalt heute, da hat Micha recht. Aber was soll’s: Rituale braucht’s auch, um zu gewinnen, also sind wir wie immer um 13.00 Uhr oben im Schatten. Ich trage wieder mein Karnevalstrikot, das schon gegen Fortuna Köln Glück gebracht hat. Aufstellung? Wer ersetzt Fürstner? Ich tippe auf Menz – nein, der ist gar nicht im Kader. Rütten soll das wohl machen, Nehrig und Pfitze hinter ihm als Doppel-Sechser, und vorne darf Onur Bulut sich mal wieder zeigen. Langsam wird’s voll hier, langsam wird es wärmer – im Grunde großartige Bedingungen heute: Samstag, blauer Himmel, Sonnenschein, Bier, Eintracht …

Die Eintracht-Familie

Die Stimmung ist von Beginn an endlich mal wieder unbeschwert super. Die Fans geben gleich volle Gesangsladung und ich merke, dass bei mir der Frust über Abstieg aus Liga 2 und Talfahrt in Liga 3 langsam überwunden ist … Stimmung top also, obwohl es auf dem Rasen zunächst noch gemächlich zugeht. Nehrig taucht oft ganz hinten mit auf, wie ein Libero – sollte André Schubert auch ein Anhänger der Philosophie von Trainerlegende Marcelo Bielsa sein, dem aktuellen Trainer von Leeds United? Achtung: Haching hat Chancen und reißt mich aus meinen Gedanken. Nach einer halben Stunde könnte es schon 0:1 stehen. Der Hachinger Stürmer aber vergibt aus zehn Metern ziemlich kläglich, zum Glück. Fünf Minuten später foult Teilzeit-Libero Nehrig kurz vor dem 16er – sehr gefährliche Distanz, Bigalke aber setzt das Ding an die Latte. Jetzt aber mal ganz tief durchatmen, das ist wohl doch eher ein Gegner der Preisklasse Wehen Wiesbaden …

Bär in den Winkel

Jetzt aber bitte mit dem 0:0 in die Halbzeitpause gehen …! Kaum gedacht, schon dahin: Marcel Bär hat drüben vor der Nordkurve das Ding irgendwie volles Mett in den Winkel geballert. 1:0 für uns, kurz vor der Pause – „psychlogisch wichtiger Zeitpunkt“ würde Addi Furler dazu sagen. Ich stehe da mit offenem Mund und kann mit den Jungs gar nicht abklatschen – so unerwartet ist das Tor gefallen. Aber eben tatsächlich großartig, mit der Führung in die Pause zu gehen … Bier holen, Pfandbecher in die Spendenboxen werfen, Braunkohl-Wanderungs-Gespräche führen. Morgen früh um 9.40 Uhr treffen wir uns am Hauptbahnhof, Ralf kommt mit dem Zug aus Edemissen – wenn das Ergebnis so bleibt, wird das eine wunderbare Fanclub-Wanderung morgen.

Kämpfen und siegen

Die Stimmung bleibt großartig und die Mannschaft bringt tatsächlich wieder gut was auf den Rasen. Sie kämpfen, pressen und schmeißen sich rein. Man spürt, dass sie die drei Punkte nun nicht mehr weggeben wollen. Was Meister Proper anscheinend auch sehr gut beherrscht, ist die Halbzeit-Ansprache – schon oft haben sie danach einige Dinge sehr viel besser gemacht. Für die Nerven aber ist das heute mal wieder nichts: Unsere Chancen durch Becker und Feigenspan lassen wir liegen, schade.

Das Spiel ist nun sehr kampfbetont – der Schiri zieht viele gelbe Karten, in der 70. Minute bekommt Becker seine fünfte – nächste Woche also nicht dabei, Mist. Kijewski ballert nochmal drauf, Janzer hat eine Chance – Haching aber hat einen Torwart. Den hält dann am Ende nichts mehr in seinem Strafraum, bei jeder Offensiv-Aktion geht er mit nach vorne in Richtung Fejzic … Mann Schiri, pfeif ab!

Sieg für die Eintracht-Familie

Schluss, aus, Ende: Heimsieg! 26 Punkte nun, Platz 17 in der Tabelle. Anfang Dezember waren wir noch Letzter, mit neun Punkten Rückstand auf Platz 16 – das sind nun nur noch zwei. Schade, dass ich rasch nach Hause muss, um pünktlich um 18.00 Uhr zum Braunkohl-Essen in Wolfenbüttel zu sein – heute würde ich gerne noch lange im Stadion feiern: den Heimsieg, die Mannschaft, „Bussi“ Skoliks Geburtstag, unsere Kurven-Christel – einfach alles. Aber ich muss los. Nachtrag: Posting auf der Facebook-Seite des FanProjektes um 18.00 Uhr: „Megaaaa... Für Eva sind insgesamt 13.130.- € zusammen gekommen! Das beinhaltet alle Spenden der letzten Tage. PayPal, Becherpfand, Spendendosen, Fanclub-Spenden, CD und DVD Verkauf. DANKE!“. War klar: Die Eintracht-Familie lebt und gewinnt am Ende immer. Nachtrag-Nachtrag: Die Fanclub-Braunkohl-Wanderung am Sonntag war ein Volltreffer!

Die Fanclub-Braunkohl-Wanderung am Sonntag war ein Volltreffer! (Foto: Malte Schumacher)

Kay-Uwe Rohn:

Eintracht Braunschweig vs. Spielvereinigung Unterhaching

Das Löwenrudel ist zurück

26 Punkte

Der Weg stimmt. Die guten Leistungen in 2019 sind bestätigt worden. Im Hinspiel keine Chance und jetzt ein Duell auf Augenhöhe mit positivem Ausgang für uns. Die Punkte 24, 25 und 26 wurden teilweise auf Zweitliganiveau eingefahren. Die Löwen zeigen Zähne und beißen zu. Die Mannschaft kämpft um jeden Ball und die Körpersprache stimmt. Die Gestik und die Abstimmung untereinander stimmen und ein Spieler wie Robin Becker beflügelt das Umfeld zu bisher nicht gesehenen Höhen. Erfahrung gibt Sicherheit und die gewonnene Stärke gibt Selbstvertrauen. Es ist wieder ein hungriges Löwenrudel auf dem Platz und man ahnt es schon: die wollen mehr. Das Löwenrudel ist zurück!

Mit XXL unterwegs

Am Sonntag ging es weiter mit dem Sponsorencup. 18 Teams, viele Profis und Cheftrainer, Orgateam, Stiftung, Eintrachts Geschäftsführer Olaf Podschadli und Stefan Lindstedt, der Stadionatmosphäre verbreitete. Gelöste Stimmung, Niko Kijewski und Bernd Nehrig haben wohl um 11 Uhr die erste Schicht bekommen und man merkt ihnen den Sieg vom Vortag an. Bernd Nehrig meint, „das ist ja erst der Anfang“ und „sie haben noch viel mehr vor“. Wir sind mit dem XXL-Team dabei. Wir sammeln eher einzelne Tore als Punkte, aber vor allem sind alle in Bewegung und haben Spaß. Die erste Mannschaft und das Funktionsteam sind während des Tages fast vollzählig dabei und das Lächeln in die Kameras fällt ihnen heute leicht.

„Die Brust wird breiter“

… wird Bernd Nehrig nach dem Spiel zitiert. Die breite Brust ist der Faktor Kopf. Wie viel Kopf braucht das Match. Wie schön wäre eine wissenschaftliche Erforschung zu diesem Thema. Mentales Training für die Mannschaft auf dem Stundenplan. „Programmierung“ auf positive Momente, auf Stärke und Selbstbewusstsein. Ich glaube, mindestens ein Drittel des Erfolges liegt in diesen Faktoren. „Die Brust wird breiter“ – das klingt wie „wir sind wieder wer“ oder „an uns kommt man nicht so leicht vorbei“.

 

 

1:0

Wie aus dem Nichts fällt das 1:0. Das Tor von Marcel Bär, ein Geschoss aus sehr spitzem Winkel. Wie einst bei der Weltmeisterschaft 1966 Lothar Emmerich mit seinem Tor von der linken Seite hat auch hier der gegnerische Torwart keine Chance, den Ball zu halten. Vielleicht ist er auch einfach von der Geschwindigkeit und Härte des Schusses überrascht. In diesem steckt Selbstvertrauen und ich glaube, wir werden noch einige Tore von Marcel Bär sehen.

Hinspiel – Rückspiel

Das 0:3 im Rückspiel ist vergessen. Das war eine ganz andere Mannschaft am Samstag. Eine ganz andere Qualität auf dem Platz. Die Entwicklung lässt sich nicht besser beschreiben als durch diese zwei Spiele. Teilweise hatte das Spiel jetzt in der Rückrunde für mich Zweitligaformat. Natürlich hatte auch Unterhaching Chancen; sehr gute Chancen. Aber sie konnten ihren guten Spielaufbau und ihre herausgespielten Chancen nicht in Tore ummünzen. Und da die Eintracht nicht nur versucht hat, die Führung in der zweiten Halbzeit zu verteidigen, sondern eher versucht hat, auszubauen, geht der Sieg auch in Ordnung.

Einzelkritik Rütten, Bulut und Nkansah

Rütten mit seinem Startelfdebut überzeugte durch kämpferische Qualitäten und schnörkelloses Auftreten im vorderen Mittelfeld. Bulut wird in der 67. Minute erlöst. Das war nicht sein Tag. Er trat das ganze Spiel über nicht in Erscheinung. Ich hätte ihn zur Halbzeit ausgewechselt. Nkansahs Leistung hatte Licht und Schatten. Defensiv wird er immer besser, aber offensiv entwickelt er sich nicht weiter. Der Spielaufbau aus der Abwehrreihe läuft noch nicht rund. Ich spüre auf der Tribüne förmlich die Unsicherheit bei der Spieleröffnung. Da gehört natürlich auch das Mittelfeld dazu, das sich anbieten muss. Aber der Gegner riecht diese Unsicherheiten und Nkansah geht noch nicht souverän genug damit um, wenn er im Spielaufbau angelaufen wird. Also weiterarbeiten an den individuellen Fähigkeiten.

Nochmal Nehrig

Für mich der Spieler des Tages. Er ist einfach immer am richtigen Platz. Er verteidigt sensationell und spielt ruhige, sinnige Bälle in den Spielaufbau. Bernd Nehrig gibt wirklich alles und reißt die anderen mit. Eben ein Leitwolf oder ein Leitlöwe. Beim Sponsorenturnier am Sonntag sagt er, es geht schließlich um mehr als um einen Sieg. Es geht um einen angeschlagenen Traditionsverein, der am Boden war und wieder aufstehen muss. Er ist jedenfalls dabei.

Mir ist aufgefallen: Block 9 kann auch Geburtstagslieder.

Das Löwenrudel. (Foto: Kay-Uwe Rohn)

1 Kommentar

Kommentieren
Martin Schipke hat geschrieben

Es wird und ihr zwri begleitet es immer so schön. Vielen Dank und bitte weitermachen..