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Zu Fuß unterwegs auf dem Kleine-Dörfer-Weg in Braunschweig

  • Datum: 25.05.2018
  • Comments: 1
Martina Bartling in Braunschweig Riddagshausen
Foto von Redaktion
Redaktion
Alle Beiträge (5)

Sieben Tage lang war die Kommunikationswirtin, freie Journalistin und begeisterte Wanderin Martina Bartling bei Wüstenhitze und Donnerwetter zwischen Landidylle und Straßenbahnknoten in Braunschweig unterwegs. Mit dem Rucksack zog sie los, um den grünen Gürtel ihrer Heimatstadt zu erkunden. Auf ihrer Tour durch 31 Dörfer rund um Braunschweig hat sie sich gegen freche Machosprüche gewehrt. Sie hat in sonderbaren Unterkünften übernachtet und harmlose Tiere mit Pfefferspray bedroht. Sie traf aber auch freundliche und hilfsbereite Menschen, die sie wieder auf den rechten Weg führten, wenn ihr mal die Orientierung abhanden gekommen war.

 „Lokalrunde“ erschienen im Verlag Andreas Reiffer

Ihre sieben Umland-Etappen und eine grüne Innenstadttour entlang von Oker und Wallring ergänzt durch zahlreiche Einkehr- und Kulturtipps, Fotos und ausführliches Kartenmaterial, hat sie in ihrem Buch „Lokalrunde“ (Reiffer Verlag) verewigt. Eine liebevolle und gleichzeitig praktische Einladung, selbst den Rucksack zu packen und Braunschweig auf Schusters Rappen zu erkunden. Wir sprachen mit der wackeren Wandersfrau.

Buchcover Lokalrunde von Martina Bartling

Lokalrunde. Zu Fuß in Braunschweig auf dem Kleinen-Dörfer-Weg von Martina Bartling ist im Verlag Andreas Reiffer erschienen.

Frau Bartling, Sie haben als Journalistin eine starke Verbundenheit zu Braunschweig. Was lieben Sie an der Stadt?

Ich habe vor allem als gebürtige Braunschweigerin diese Verbundenheit zu meiner Heimatstadt. Sie hat eine komfortable Größe und bietet eine Kombination aus großstädtischem Leben und sozialer Geborgenheit. An kulturellen Angeboten hat Braunschweig eine Menge vorzuweisen. Wer mehr Kultur braucht, ist schnell in Berlin oder Hamburg. Außerdem liebe ich den etwas rustikalen Charme der Braunschweiger und natürlich den grünen Gürtel der Stadt. Selbstverständlich halte ich der Braunschweiger Eintracht die Treue – auch wenn dies in den derzeit schweren Zeiten durchaus eine Herausforderung darstellt.

Kreuzteich in Braunschweig Riddagshausen.

Der idyllische Kreuzteich in Riddagshausen ist beliebter Startpunkt für Wanderungen. Foto: Martina Bartling.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch über den Kleine-Dörfer-Weg in und um Braunschweig zu verfassen? Was reizt Sie besonders an dieser Route?

Ich war schon mehrfach in Deutschland mit dem Rucksack unterwegs und laufe gern am Wasser. Dabei kam mir die Idee, einmal direkt vor meiner Haustür loszugehen und entlang der Oker zu wandern. Allerdings stellte sich heraus, dass es außerhalb Braunschweigs keine Wege direkt an der Oker gibt. Als prima Alternative entdeckte ich den Kleine-Dörfer-Weg. Mich interessierte daran außer der reizvollen Route durch mir teilweise unbekannte Dörfer besonders der Perspektivwechsel, den ich in meiner Doppelrolle als Braunschweigerin und als Touristin vornehmen konnte. Da ich gern schreibe, lag es nahe, meine Erlebnisse in einem Buch zu schildern und damit die Braunschweiger zu ermuntern, selbst einmal den Rucksack zu packen und sich auf den Kleine-Dörfer-Weg zu machen. Als Braunschweigerin freue ich mich übrigens besonders darüber, dass ich für die Umsetzung des Buchprojekts den regionalen Verlag Andreas Reiffer gewinnen konnte, der bereits viele Titel über unsere Region herausgegeben hat.

Wie sind Sie zum Wandern gekommen?

Der Hype um den Jakobsweg und das Buch von Hape Kerkeling ist auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Allerdings hatte ich nie vor, diesen Weg selbst zu gehen. Er war mir zu klerikal, zu lang und zu überlaufen. Also hielt ich Ausschau nach anderen Möglichkeiten – und fand den Sächsischen Weinwanderweg entlang der Elbe von Pirna über Pillnitz und Dresden bis Meißen. Das war meine erste einwöchige Wanderung. Ich war so begeistert, dass ich im selben Sommer gleich noch eine Ostseetour von Kühlungsborn bis Zingst dranhängte.

Was sind die wichtigsten Utensilien, die Sie auf Ihre Wanderung mitgenommen haben?

Das Smartphone, um die Online-Karte des Kleine-Dörfer-Weges abzurufen,  Regen- und Sonnenschutz sowie mein Reisetagebuch.

Kirche im alten Dorfkern Volkmarode

Alter Dorfkern von Volkmarode in Braunschweig. Foto: Martina Bartling.

Was sollte man bei einer längeren Wanderung besonders beachten?

Auf eine gute Ausrüstung. Auf dem Kleine-Dörfer-Weg bin ich 213.000 Schritte gelaufen, da sind optimale Wanderschuhe das A und O. Genauso wichtig ist der Rucksack. Mitarbeiter von Outdoor-Geschäften helfen gern bei der Suche nach einem individuell abgestimmten Modell. Wetterschutz ist ebenfalls unentbehrlich. Ansonsten braucht man – außer ein paar Wechselklamotten – herzlich wenige Gegenstände auf so einer Wanderung. Acht bis neun Kilogramm Gewicht sind für mich optimal.  Alles, was darüber hinausgeht, dient meist der Befriedigung der eigenen Eitelkeit.  Man ist sehr schnell bereit, sich davon zu verabschieden, wenn man es die ganze Zeit schleppen muss.

Mit welchen Erwartungen haben Sie sich auf Ihren Weg gemacht?

Als Städterin hatte ich mich durch die Bezeichnung „Kleine-Dörfer-Weg“ ein wenig zu der Illusion verleiten lassen, ich würde da draußen vorwiegend ursprüngliches dörfliches Leben vorfinden. Aber das war natürlich nur teilweise der Fall. Selbstverständlich findet in den Dörfern und Stadtteilen ebenso zeitgemäßes Leben statt wie in der City. Umso mehr konnte ich erhaltene alte Dorfkerne und Resthöfe würdigen. Meine Hoffnungen auf viel Natur und viel Ruhe wurden indes fast überall erfüllt.

Grünes Feld in Braunschweig Dibbesdorf.

Grünes Feld in Braunschweig Dibbesdorf. Foto: Martina Bartling.

Was waren ihre beeindruckendsten Erlebnisse?

Die Übernachtung in einem gewissen Etablissement in Hondelage oder auch der freche Macho-Italiener, der fragte, warum ich ohne Mann wandere und als Frau ins Fußballstadion gehe. Spannend auch die Suche nach der Ursache für das geheimnisvolle Poltern in Lamme. Besonders beeindruckt hat mich die Hilfsbereitschaft der Braunschweiger.

Teich in Lamme

Teich bei Lamme in Braunschweig. Foto: Martina Bartling.

Wie bewegend waren die persönlichen Begegnungen mit den Braunschweigern auf Ihrem Weg?

Meine Begegnungen mit den Braunschweigern waren stets von großer Herzlichkeit geprägt und haben meine Tour sehr bereichert: Anwohnerinnen spendeten eine große Flasche Mineralwasser über den Gartenzaun, ein Jogger unterbrach seinen Lauf und begleitete mich gehend ein Stück, um mir die weitere Route zu zeigen, Mitarbeiter eines Obsthofes boten mir die Möglichkeit, mich bei über 30 Grad Außentemperatur in ihrem Kühlhaus abzukühlen und in einer Unterkunft wurde ich anlässlich einer Übertragung eines EM-Fußballspiels zu einem Abendbrot-Büfett eingeladen.

Gibt es eine Geschichte, die aus allem Erlebten heraussticht?

Der Tankstellenmord in Rüningen. Der fand allerdings lediglich in meiner Phantasie statt …
😉

Heidbergsee Braunschweig

Der Heidbergsee im Süden Braunschweigs lädt zu einer Abkühlung ein. Foto: Martina Bartling.

Wie haben Sie auf Widrigkeiten und freche Sprüche reagiert?

Ich weiß mir stets gut zu helfen. Im Fall von Widrigkeiten habe ich einen Plan B in der Tasche und auf freche Sprüche reagiere ich entweder mit noch frecheren Sprüchen oder ärgere mich nur kurz und schalte dann auf Durchzug.

Wie haben Sie sich auf das wechselhafte Wetter eingestellt?

Regenschutz für Wanderin und Rucksack gehört unbedingt ins Gepäck. Gegen Sonne und Hitze kommt neben Sonnencreme, Käppi und langärmeligen Shirts gelegentlich auch der Regenschirm zum Einsatz und wird kurzerhand zum Sonnenschirm umfunktioniert.

Gab es einen Punkt, an dem Sie nicht mehr weitergehen wollten?

Aufgrund der Hitze und meines Respekts vor Wäldern bin ich einmal das letzte Stück einer Etappe im Taxi gefahren. Mit dem Taxifahrer hatte ich einen der lustigsten Dialoge der gesamten Tour. Ein Plan B kann also auch positive Überraschungen bieten. Außerdem hat mich einmal eine Magen-Darm-Geschichte fast außer Gefecht gesetzt. Da hatte ich kurzfristig die Befürchtung, das Projekt abbrechen zu müssen. Aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen und bin weitergelaufen. Ich kann zäh und stur sein.

Wie wichtig waren Ihnen Pausen, um auch mal innezuhalten und den Moment zu genießen?

Das Pausieren vergesse ich oft auf meinen Wanderungen, weil ich gern laufe. Auf dem Kleine-Dörfer-Weg hatte ich mir allerdings eine Kirchenbank-Challenge überlegt: Ich wollte die Gastfreundschaft der Dorfkirchen am Vorhandensein einer schattigen Bank festmachen. Die Bänke habe ich natürlich ausprobiert.  Aufgrund der meist hohen Temperaturen habe ich aber auch zwischendurch immer mal wieder eine Rast eingelegt. Ich brauche allerdings nicht unbedingt Pausen, um innezuhalten, sondern kann auch beim Laufen die Momente sehr genießen.

Bank an der Oker bei Stöckheim.

Erholungsort für Wanderer – eine Bank an der Oker bei Braunschweig Stöckheim. Foto: Martina Bartling.

Wie oft haben Sie sich verlaufen und wann mussten Sie die Karte auf ihrem Smartphone benutzen?

Der Kleine-Dörfer-Weg ist bisher nicht ausgeschildert. Die Tour verläuft nicht auf den gewohnten Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern, sondern auf schönen, teilweise versteckten Wegen kreuz und quer durch die Natur. Daher war die Karte auf dem Smartphone mein ständiger Begleiter und ich habe mich dennoch mehrmals verlaufen, weil ich mir den Weg falsch eingeprägt oder die Karte falsch interpretiert habe. Fahrradinitiativen und Politiker arbeiten derzeit an einer aussagekräftigen Beschilderung für den Weg.

Was haben Sie Neues über die Stadt Braunschweig und ihr Umland lernen und erfahren können?

In Gesprächen habe ich erfahren, dass sich einige Dörfer und Stadtteile seitens Politik und Verwaltung gegenüber der Innenstadt benachteiligt fühlen. Viele Maßnahmen würden zuerst oder ausschließlich im Stadtkern umgesetzt, die Randgebiete würden oftmals vergessen. Durch die Etablierung des Kleine-Dörfer-Weges erhoffen sich die Dörfer mehr Aufmerksamkeit.

Auch an weiten Mohnfeldern in Braunschweig Broitzem kam Martina Bartling vorbei. Foto: Martina Bartling.

Was hat sich im Vergleich zu Ihrer Kindheit in und um Braunschweig geändert?

In der City gibt es erfreulicherweise viel weniger Autos, mehr Fußgängerzonen und mehr Straßencafés, die gesamte Innenstadt ist für Freizeitflaneure viel entspannter und einladender geworden.  Und wir haben angeblich wieder ein Schloss. Vom Umland kannte ich als Kind nur die Gartenstadt, in der ich aufgewachsen bin. Dort ist die ursprüngliche strenge Gliederung „Haus. Vorgarten. Bürgersteig. Straße.“ deutlich aufgeweicht, die Übergänge sind freundlich fließend, viel „Öko“ und individuelle Kreativität haben Einzug gehalten. Der öffentliche Personennahverkehr ist deutlich komfortabler geworden und ermöglicht es mir schon seit Jahren, ohne PKW prima zurechtzukommen.

Was haben Sie über sich selbst erfahren?

Ich gehe meinen Weg – gern auch mal über Umwege, Irrwege und Abwege. Auch die können reizvoll sein und führen ebenfalls zum Ziel. Und: You’ll never walk alone.

Geitelder Dorfkiche.

Eine Pause bei der Geitelder Dorfkiche. Foto: Martina Bartling.

Was unterscheidet Ihr Buch von gewöhnlichen Ratgebern zu Stadt und Natur? Was ist das Besondere daran?

„Lokalrunde“ ist eine Mischung aus locker erzähltem Erlebnisbericht mit einer Prise Selbstironie und praktischem Wanderführer. Die Beschreibung meiner Tour ist nur ein Beispiel dafür, auf welche Weise und mit welcher Haltung man die Runde absolvieren kann, und soll eine unterhaltsame Anregung für jeden Wanderbegeisterten sein, seine eigenen Abenteuer zu erlaufen. Gleichzeitig biete ich nützliche Informationen wie Verpflegungs-, Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten sowie Freizeit- und Kulturtipps für nahezu jedes Dorf. „Lokalgeschichten“ über einige Braunschweiger Traditionsgasthäuser erweitern die sportliche „Lokalrunde“ um den gastronomischen Aspekt.

Pferde auf einer Weide in Braunschweig Lehndorf

In Lehndorf beobachtete Martina Bartling das Treiben der Pferde. Foto: Martina Bartling.

Was raten Sie Braunschweigern, die solch eine Tour bzw. kleinere Touren machen wollen?

Wer den gesamten Weg gehen will, sollte die Tour unbedingt vorher planen und Übernachtungen buchen. Auf gut Glück loslaufen und hoffen, am Abend einen Schlafplatz in einem Dorf zu finden, wird nicht funktionieren. Dafür gibt es zu wenig Unterkünfte an der Strecke. Ungeübte Hobbywanderer können ohne Weiteres eine der sieben Etappen als Tagestour laufen, ambitionierte Wanderer und Frühaufsteher schaffen am Tag auch zwei aufeinanderfolgende Etappen.

1 Kommentare

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Ruth Cornell hat geschrieben

Hallooöo zusammen….
habe mit meiner Schwester den kleinen Dörferweg zu Fuss absolviert ….einfach nur super !!
Wir haben ihn in 4 Abschnitten geteilt ,der längste war 35 km an einem Tag ,da wir Nachmittags fertig seien wollten !!
Wir sind jeweils mit dem Wagen zum Endpunkt gefahren und haben den nächsten Abschnitt gemacht ,von dem wir dann abgeholt wurden .Es war wirklich eine schöne Tour, die wir zu zweit richtig gut geniessen konnten. Es war wie eine kleine persönliche Pilgertour !!
Wir hätten uns zwar des öfteren bessere Wegweiser gewünscht, aber wir haben wieder auf den rechten Weg gefunden !
Es hat viel Spass gemacht ,danke für diese gute Idee und das Begleitbuch !!

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